Roadwarden für die Nintendo Switch ist ein außergewöhnliches Rollenspiel, das sich von vielen anderen Genrevertretern deutlich unterscheidet. Statt auf schnelle Action oder opulente Grafik setzt es auf eine tiefgründige, textbasierte Erzählung, die den Spieler Schritt für Schritt in eine geheimnisvolle und oftmals bedrohliche Welt hineinzieht. Man übernimmt die Rolle eines sogenannten Roadwarden, der im Auftrag einer Kaufmannsgilde eine abgelegene Halbinsel erkunden, Gefahren abwehren, Handel fördern und mysteriösen Vorkommnissen auf den Grund gehen soll.
Das Besondere an Roadwarden ist die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Fast das gesamte Spiel läuft über Text und Dialoge, die durch stimmungsvolle Pixelgrafiken in erdigen Farben untermalt werden. Dabei hat jede Entscheidung Gewicht: Ob man freundlich, neutral oder einschüchternd auf Gesprächspartner reagiert, kann langfristige Konsequenzen haben. Auch die Wahl des eigenen Charakters beeinflusst den Verlauf. Als Krieger, Magier oder Gelehrter eröffnen sich verschiedene Herangehensweisen an Konflikte und Probleme.
Neben den Gesprächen spielt das Ressourcen- und Zeitmanagement eine große Rolle. Nahrung, Gesundheit, Ausrüstung und auch die verbleibende Tageszeit wollen bedacht eingesetzt werden, denn bei Nacht wird die Welt ungleich gefährlicher. Zudem ist die gesamte Handlung zeitlich begrenzt, was die Entscheidungen des Spielers umso bedeutsamer macht. Wer sich für eine Aufgabe entscheidet, verzichtet möglicherweise auf eine andere, was den Wiederspielwert enorm erhöht.
Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre, die das Spiel trotz seiner minimalistischen Gestaltung erzeugt. Die raue, oft melancholische Welt wirkt lebendig und zugleich gefährlich. Man spürt bei jeder Reise über die Halbinsel, dass hinter jedem Dorf, jeder Ruine und jedem Gespräch Geheimnisse und potenzielle Gefahren lauern. Dazu kommt ein ruhiger, fast meditativer Spielfluss, der aber nur dann richtig zur Geltung kommt, wenn man sich bewusst Zeit nimmt und bereit ist, sich auf lange Lesepassagen einzulassen.
Natürlich ist das Spiel nicht für jeden geeignet. Wer schnelle Kämpfe, viel Action oder opulente Grafik erwartet, wird hier enttäuscht. Roadwarden verlangt Geduld, Lesefreude und die Bereitschaft, sich in eine komplexe Erzählung zu vertiefen. Auch die Benutzeroberfläche ist nicht immer optimal auf die Steuerung per Controller abgestimmt, was gerade zu Beginn für kleine Hürden sorgen kann. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird mit einer einzigartigen Mischung aus Rollenspiel, interaktiver Fiktion und atmosphärischer Erzählung belohnt.
Inhaltlich bietet Roadwarden eine Spielzeit von über 30 Stunden, wobei jeder Durchgang durch die Vielzahl an Entscheidungswegen und möglichen Enden anders verläuft. Der Preis ist mit rund elf Euro sehr fair angesetzt, gerade wenn man bedenkt, wie viel Tiefe und Wiederspielwert hier geboten wird.
Fazit: Roadwarden ist kein Spiel für zwischendurch, sondern eine Reise, die Zeit, Aufmerksamkeit und Hingabe verlangt. Wer diese investiert, entdeckt ein erzählerisches Kleinod, das alte Textadventures mit modernen Rollenspielelementen verbindet und auf der Switch nun auch unterwegs gespielt werden kann. Für alle, die Geschichten lieben und bereit sind, in eine dunkle, geheimnisvolle Welt voller moralischer Entscheidungen einzutauchen, ist dieses Spiel eine klare Empfehlung.