Über vier Jahrzehnte begeistert "Das Schwarze Auge" (DSA) Rollenspieler im deutschsprachigen Raum. Die Welt Aventurien mit ihren vielfältigen Kulturen, Landschaften und Völkern ist so detailliert ausgearbeitet, dass ein Kochbuch nur die logische Konsequenz jahrzehntelanger Worldbuilding-Arbeit ist. Tom Grimm und Kaweh Akbarian haben sich dieser Herausforderung gestellt und mit Panini als Verlag ein Werk geschaffen, das weit mehr ist als ein reines Merchandising-Produkt.
Das Konzept
Die Idee ist so einfach wie genial: Was essen eigentlich die Bewohner Aventuriens? Wie schmeckt ein Mahl in einer tulamidischen Taverne? Was kommt bei den Thorwalern auf den Tisch? Welche Spezialitäten bietet die Horasische Küche? Das Autorenteam hat sich durch die verschiedenen Kulturkreise Aventuriens gekocht und dabei versucht, die Essenz jeder Region kulinarisch einzufangen.
Das Ergebnis ist eine kulinarische Weltreise, die die geografische und kulturelle Vielfalt von DSA widerspiegelt. Von den rauen Küsten Thorwals über die Wüsten Tulamidistans bis zu den prächtigen Städten des Mittelreichs – jede Region erhält ihren eigenen kulinarischen Ausdruck.
Aufbau und Struktur
Das Buch ist nach den großen Kulturkreisen Aventuriens gegliedert. Jedes Kapitel beginnt mit einer atmosphärischen Einführung in die jeweilige Region, ihre kulinarischen Traditionen und typischen Zutaten. Hier merkt man, dass echte DSA-Kenner am Werk waren, die die Lore respektieren und in sinnvolle Rezepte umsetzen.
Die Kapitel umfassen unter anderem:
Die Gestaltung
Panini hat sich bei der Aufmachung nicht lumpen lassen. Das Buch ist großformatig, hochwertig gebunden und durchgehend farbig illustriert. Die Foodfotografie ist professionell und appetitlich, ohne dabei die Fantasy-Atmosphäre zu verlieren. Besonders gelungen sind die eingestreuten Illustrationen im DSA-Stil, die das Buch optisch in die Welt Aventuriens einbetten.
Jedes Rezept wird von stimmungsvollen Texten begleitet, die erklären, wo und von wem dieses Gericht typischerweise zubereitet wird. Diese kleinen Geschichten und Anekdoten machen das Buch zu mehr als nur einer Rezeptsammlung – es ist ein Stück Aventurien zum Anfassen und Schmecken.
Die Rezepte im Detail
Hier zeigt sich die wahre Stärke des Buches: Die Rezepte sind keine Fantasy-Spielereien, sondern funktionale, schmackhafte Gerichte, die auf realen kulinarischen Traditionen basieren.
Highlights aus verschiedenen Regionen:
Die Rezepte sind dabei unterschiedlich komplex. Es gibt einfache Gerichte, die sich für einen schnellen Spieleabend eignen, aber auch aufwändige Festmähler, die sich für besondere Anlässe anbieten.
Praxistauglichkeit
Die Rezepte sind überwiegend gut nachkochbar. Die Anleitungen sind klar formuliert, Zutatenlisten übersichtlich, und die meisten Zutaten sind in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich. Bei manchen exotischeren Gewürzen (besonders in der tulamidischen Küche) muss man eventuell einen Spezialitätenladen aufsuchen, aber das gehört zum Konzept.
Ein großer Pluspunkt: Viele Rezepte sind skalierbar und eignen sich sowohl für kleine Runden als auch für größere Spielgruppen. Tipps zur Vorbereitung und zum Warmhalten werden gegeben – wichtig, wenn man während einer DSA-Sitzung kochen oder vorkochen möchte.
Atmosphäre für den Spieltisch
Hier liegt der eigentliche Mehrwert des Buches: Es ist nicht nur ein Kochbuch, sondern ein Tool für immersiveres Rollenspiel. Wer seinen Spielern passend zur aktuellen Region authentische Gerichte serviert, hebt das Spielerlebnis auf eine neue Ebene. Der Geschmack eines würzigen tulamidischen Gerichts oder eines deftigen thorwalschen Fischeintopfs trägt mehr zur Atmosphäre bei als jede Beschreibung.
Das Buch enthält auch praktische Tipps für Spielleiter, wie man Essen sinnvoll in Spielabende integriert, ohne dass es zur logistischen Herausforderung wird.
Kleinere Kritikpunkte
So gelungen das Buch insgesamt ist, gibt es einige Aspekte, die man hätte besser lösen können:
Für wen ist dieses Buch geeignet?
"Das Schwarze Auge - Das offizielle Kochbuch" richtet sich an:
Vergleich mit anderen Fantasy-Kochbüchern
Im Vergleich zu anderen Fantasy-Kochbüchern (etwa zu "Herr der Ringe", "Game of Thrones" oder eben "Wolverine") besticht das DSA-Kochbuch durch seine Authentizität zur Quellenmaterie. Man merkt, dass hier Menschen am Werk waren, die DSA lieben und verstehen. Die kulturelle Vielfalt Aventuriens wird kulinarisch ernstgenommen und nicht nur oberflächlich abgehandelt.
Fazit
Tom Grimm und Kaweh Akbarian haben mit "Das Schwarze Auge - Das offizielle Kochbuch" ein beeindruckendes Werk geschaffen, das die Lücke zwischen Rollenspiel und Kulinarik meisterhaft schließt. Es ist liebevoll gestaltet, praxistauglich und atmosphärisch dicht. Panini hat mit der hochwertigen Aufmachung dafür gesorgt, dass das Buch auch optisch überzeugt.
Für DSA-Fans ist dieses Kochbuch ein absolutes Muss. Es bereichert nicht nur die Sammlung, sondern auch den Spieltisch. Selbst ohne Rollenspielhintergrund bietet es eine interessante kulinarische Reise durch eine fantastische Welt. Die Rezepte funktionieren, schmecken und transportieren die Atmosphäre Aventuriens auf den Teller.
Wer schon immer wissen wollte, wie ein echtes thorwalsches Festmahl schmeckt oder was die Tulamiden in ihren Garküchen zubereiten, findet hier endlich Antworten – und zwar köstliche.