Die Idee, Superhelden und Kochkunst zu vereinen, ist nicht neu, aber "Kochen mit Wolverine" wagt sich an einen der ungewöhnlichsten Kandidaten für ein Kochbuch heran. Logan, der mürrische Mutant mit den Adamantium-Klauen und der Regenerationsfähigkeit, ist nicht gerade die erste Wahl, wenn man an kulinarische Finesse denkt. Doch genau das macht dieses Buch zu einem faszinierenden Experiment.
Das Konzept
Das Autorenteam – bestehend aus Cassandra Reeder, dem renommierten Koch Chris Cosentino und Comic-Autor James Asmus – hat sich vorgenommen, Wolverines raue Persönlichkeit und seine vielfältige Lebensgeschichte in Rezepte zu übersetzen. Das Ergebnis ist eine wilde Mischung aus rustikaler Küche, internationalen Einflüssen und einer Prise Comic-Humor.
Die Prämisse funktioniert überraschend gut: Logan hat über 100 Jahre gelebt, war in unzähligen Ländern unterwegs und hat dabei zwangsläufig auch kulinarische Erfahrungen gesammelt. Von seinen kanadischen Wurzeln über Japan (seine Zeit als Samurai) bis hin zu seinen X-Men-Abenteuern weltweit – das Buch nutzt Wolverines Geschichte als Aufhänger für eine gastronomische Weltreise.
Aufbau und Gestaltung
Panini hat bei der deutschen Ausgabe ganze Arbeit geleistet. Das Buch ist hochwertig produziert, mit stabilen Seiten, die auch mal einen Spritzer vertragen können. Die Gestaltung verbindet geschickt Comic-Ästhetik mit klassischer Food-Fotografie. Zwischen den Rezepten finden sich Illustrationen von Logan in verschiedenen Situationen, begleitet von typischen Wolverine-Kommentaren, die dem Ganzen eine humorvolle Note verleihen.
Die Struktur folgt keinem starren Schema, sondern orientiert sich an thematischen Kapiteln wie "Wilderness Cooking" (Wildnis-Küche), "Japanese Influences" (Japanische Einflüsse), "X-Men Family Dinners" (X-Men-Familienessen) und "Bar Food" – denn Logan verbringt bekanntlich viel Zeit in zwielichtigen Kneipen.
Die Rezepte
Hier liegt die eigentliche Stärke des Buches. Chris Cosentino, ein James-Beard-Award-Gewinner, bringt seine kulinarische Expertise ein und sorgt dafür, dass die Rezepte nicht nur thematisch passen, sondern auch tatsächlich funktionieren und schmecken.
Die Palette reicht von einfachen, bodenständigen Gerichten bis hin zu anspruchsvolleren Kreationen:
Besonders gelungen sind die "Bub's Notes" – kleine Kommentare von Logan selbst, die Tipps geben oder einfach nur seine Meinung kundtun ("Wer sein Steak well-done bestellt, hat's nicht anders verdient, Bub!").
Schwierigkeitsgrad und Alltagstauglichkeit
Die Rezepte sind überwiegend bodenständig und für Hobbyköche gut nachkochbar. Es gibt sowohl schnelle Gerichte für nach der Arbeit als auch aufwändigere Projekte für das Wochenende. Die Anleitungen sind klar formuliert, wobei manchmal Grundkenntnisse vorausgesetzt werden.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Zutaten (besonders bei den japanischen Rezepten) sind nicht überall leicht zu bekommen und erfordern einen Trip in den Asia-Supermarkt. Hier hätte man sich gelegentlich Alternativvorschläge gewünscht.
Humor und Comic-Faktor
James Asmus sorgt mit seinen Texten für den nötigen Comic-Einschlag. Die eingestreuten Anekdoten aus Wolverines Leben, seine mürrischen Kommentare und die gelegentlichen Referenzen an andere X-Men sorgen dafür, dass das Buch mehr ist als nur eine Rezeptsammlung. Man merkt, dass hier echte Comic-Fans am Werk waren, die Wolverines Charakter verstehen.
Allerdings funktioniert der Humor nicht immer. Manche Gags wirken etwas bemüht, und gelegentlich fragt man sich, ob Logan wirklich so kocht oder ob man hier einfach versucht, jeden Aspekt seiner Persönlichkeit in ein Rezept zu pressen.
Für wen ist dieses Buch?
"Kochen mit Wolverine" ist perfekt für:
Weniger geeignet ist es für:
Fazit
"Kochen mit Wolverine" ist ein unterhaltsames, liebevoll gestaltetes Kochbuch, das die Brücke zwischen Pop-Kultur und Kulinarik gekonnt schlägt. Es nimmt sich selbst nicht zu ernst, liefert aber dennoch solide, schmackhafte Rezepte. Die Panini-Ausgabe ist hochwertig produziert und macht sowohl im Küchenregal als auch in der Comic-Sammlung eine gute Figur.
Wer Wolverine mag und gerne kocht, wird hier definitiv seinen Spaß haben. Und wer weiß – vielleicht entdeckt man ja beim Zubereiten von Logans Lieblingsgerichten eine neue Seite an dem rauen Mutanten. Nur eines sollte man beachten: Adamantium-Klauen sind beim Gemüseschneiden wahrscheinlich nicht HACCP-konform.