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Entwickler/Publisher: Mommy's Best Games / Null Games
Genre: Side-Scrolling Action-Platformer
Preis: 14,99 €
Erscheinungsdatum: 8. April 2026
Plattformen: PS5, PS4, Xbox Series X|S, Xbox One, Nintendo Switch, PC


Das Spiel auf einen Blick


ChainStaff ist ein Side-Scrolling Action-Platformer, der sich von Klassikern wie Strider, Bionic Commando und Turrican inspirieren lässt – und dabei trotzdem etwas vollbringt, das viele Retro-Hommagen kläglich verfehlen: eine wirklich eigene, frische Spielidee in das Genre einzubringen. Diese Idee steckt schon im Titel selbst.


Story: Aliens, Mutanten und ein Parasit auf dem Kopf


Die Erde steht unter Beschuss. Die sogenannten Star Spores haben die Invasion gestartet und dabei das irdische Leben in groteskes, aggressives Getier verwandelt. Protagonist Sergeant Jesse „Varl" Varlet hat dabei ein ganz besonderes Problem: Ein außerirdisches Wesen hat sich direkt an seinem Kopf festgebissen – buchstäblich. Doch dieser ungebetene Gast entpuppt sich als zweischneidiges Schwert: Er gibt Varl übermenschliche Kräfte und vor allem Kontrolle über die mächtige ChainStaff, mit der er gegen die Invasoren antreten kann.


Die Geschichte ist bewusst trashig, selbstironisch und nimmt sich zu keiner Sekunde ernst – was ihr ausgesprochen gut steht. Die Zwischensequenzen sind animationstechnisch simpel gehalten, punkten aber durch schrägen Humor und schlagfertige Dialoge. Wer ein Spiel erwartet, das einem erklärt, wie man Gallertmonster durch anatomisch fragwürdige Methoden besiegt, ist hier goldrichtig.


Gameplay: Eine Waffe, unzählige Möglichkeiten


Das absolute Herzstück von ChainStaff ist das namensgebende Werkzeug – ein transformierender Enterhaken, der sich je nach Situation in einen Speer, Schild, eine Brücke und vieles mehr verwandeln lässt. Das Besondere daran: All das wird im Wesentlichen über einen einzigen Knopf gesteuert. Es gibt keine Auswahlmenüs, keine kontextsensitiven Eingaben – nur die Waffe, die eigene Kreativität und die Situation auf dem Bildschirm.


Wenn dieses System klickt, fühlt es sich fantastisch an. Man schwingt sich an Gegnern entlang, bricht den Schwung gezielt ab, blockt anfliegende Projektile, dreht sich durch die Luft und trifft mit aufgeladenem Hieb – alles in einem flüssigen, fast improvisiert wirkenden Rhythmus. ChainStaff belohnt Experimentierfreude, nicht stupides Auswendiglernen von Knopfkombinationen. Gerade das unterscheidet es von vielen anderen Spielen seiner Art.


Bosskämpfe: Das absolute Highlight


Die Bosskämpfe sind das, wofür man sich ChainStaff merken wird. Jeder Gegner ist ein kleines Monster-Kunstwerk für sich: einfallsreich, leicht ekelhaft und gerade unberechenbar genug, um einen konstant auf Trab zu halten. Ein riesiger Schädelkoloß häutet sich Schicht für Schicht, bis am Ende nur noch ein knochiger Sack übrig bleibt. Ein gallertartiges Wesen wird auf eine Weise besiegt, die man schlicht gesehen haben muss. Dann gibt es Riesenpelikane, Krabbenmonstren, eine Pelzbestie im Käfig – und das ist nur ein Bruchteil des Zoos, den das Spiel aufbietet.


Das Entscheidende: All diese Begegnungen fordern den Spieler heraus, die ChainStaff wirklich durchdacht einzusetzen, anstatt sich blind durch die Level zu button-mashen. Jeder Boss bringt eine neue Mechanik mit, die das gesamte Werkzeugspektrum der Waffe auf die Probe stellt.


Upgrade-System: Retten oder Fressen?


Über die zehn Level verteilt trifft man immer wieder auf gestrandete Soldaten – und muss dabei eine moralisch zweifelhafte Entscheidung treffen: Rettet man sie, oder erntet man ihre Organe für Upgrades? Beide Optionen schalten unterschiedliche Fähigkeiten auf zwei separaten Technologiebäumen frei und führen am Ende zu einem von drei verschiedenen Ausgängen der Geschichte. Das gibt dem ohnehin kurzweiligen Spiel einen echten Anreiz zum Wiederspielen.


Zusätzlich gibt es einen New-Game+-Modus, der es erlaubt, alle gesammelten Upgrades in einen neuen Durchlauf mitzunehmen. Für einen rund 15 Euro teuren Indie-Titel ist das ein respektables Angebot.


Level-Design und Struktur


Die zehn handgefertigten Level sind abwechslungsreich gestaltet und wirken, als wäre jeder einzelne einem anderen klassischen Rockalbum-Cover entsprungen. Versteckte Pfade und Bereiche, die erst nach dem Freischalten bestimmter Fähigkeiten zugänglich werden, verleihen dem Spiel ein leichtes Metroidvania-Feeling. Es ist kein tiefes System – aber es reicht, um Erkundung sinnvoll und belohnend zu gestalten.


Die Gesamtspielzeit liegt bei etwa 4 bis 6 Stunden, was für den Preis vollkommen in Ordnung ist, zumal die drei Enden und der New-Game+-Modus zusätzliche Motivation bieten.


Grafik & Art Direction: Heavy Metal trifft Pulp-Science-Fiction


Optisch ist ChainStaff ein echtes Ausrufezeichen. Die vollständig handgemalten Hintergründe und Kreaturen wirken, als wären sie direkt aus einem zerlesenen Science-Fiction-Taschenbuch der 70er gekrochen – kräftige Farben, seltsame Texturen, surreale Landschaften. Man erkennt Anleihen bei legendären Illustratoren wie Frank Frazetta oder Chris Foss, ohne dass das Spiel dabei wie eine plumpe Kopie wirkt. Jedes Level hat eine eigene visuelle Identität: mal eine pulsierende, organische Welt, mal schwebende Inseln unter einem lodernden Sonnenuntergang. Es ist wild, bunt, konsequent – und besitzt dadurch eine ganz eigene, unverwechselbare Persönlichkeit.


Soundtrack: Metal für die Ohren


Der Soundtrack stammt von Deon van Heerden, der bereits für Broforce und Warhammer 40K: Shootas, Blood & Teef die Musik komponiert hat – und man merkt sofort, dass hier jemand am Werk war, der weiß, wie man Adrenalin in Noten gießt. Hämmernde Riffs und Donnergrollen treiben das Geschehen auf dem Bildschirm unnachgiebig voran. Gelegentliche Ausflüge in 70er-Jahre-Synthsound und entspanntere Melodien – inklusive Cowbell – lockern das Metal-Gewitter auf, ohne den Gesamtcharakter zu brechen. Ein Soundtrack, der perfekt zur schrägen Atmosphäre des Spiels passt.


Schwachpunkte: Zu gnädig für Hartgesottene


Der größte Kritikpunkt an ChainStaff ist der Schwierigkeitsgrad. Besonders in der zweiten Spielhälfte, wenn man ausreichend Upgrades gesammelt hat, werden normale Gegner kaum noch zur Gefahr. Man fühlt sich fast schon zu mächtig für das, was das Spiel verlangt. Selbst die Bosskämpfe, so kreativ sie gestaltet sind, verlieren einen Großteil ihres Biss, sobald man ihren jeweiligen Trick durchschaut hat. Wer ein knallhartes Erlebnis à la Cuphead oder Contra sucht, wird hier möglicherweise enttäuscht. ChainStaff ist eher ein atmosphärischer Genussritt als ein erbarmungsloser Härtetest.


Fazit


ChainStaff ist ein liebevoll gestaltetes Indie-Juwel, das mit einer einzigartigen Waffen-Mechanik, wunderschöner Handgemälde-Optik und einem mitreißenden Metal-Soundtrack überzeugt. Es ist nicht perfekt – der Schwierigkeitsgrad lässt gegen Ende nach, und Hardcore-Fans des Genres werden sich möglicherweise mehr Widerstand wünschen. Doch was ChainStaff als Erfahrung ausmacht, bleibt im Gedächtnis: das Gefühl der Bewegung, die visuelle Eigenart, der schiere Wahnsinn seiner Creature-Designs – und eine Waffe, die sich tatsächlich neu anfühlt in einem Genre, das oft nur recycelt.


Für knapp 15 Euro bekommt man einen kompakten, energiegeladenen Alien-Trip mit echtem Wiederspielwert und einem der interessantesten Mechanik-Konzepte der letzten Zeit. Wer Retro-Action mit Charakter mag, sollte unbedingt zugreifen.