Skautfold: Moonless Knight (Nintendo Switch) – Review
Entwickler: Steve Gal (Pugware) | Publisher: Red Art Games | Genre: Metroidvania / Action-RPG | Preis: ca. 14,99 € | Erschienen: 9. April 2026
Ein düsteres Erbe
Die Skautfold-Reihe ist eines jener seltenen Indie-Projekte, die beweisen, dass eine einzige Person mit klarer Vision mehr erreichen kann als manches gut finanzierte Studio. Entwickler Steve Gal arbeitet unter dem Banner Pugware seit Jahren an dieser düsteren Franchise, und Moonless Knight ist der vierte Hauptteil – nach seiner PC-Veröffentlichung im Jahr 2020 nun endlich auch auf der Nintendo Switch angekommen. Die Geschichte knüpft an die Ereignisse der Vorgänger Shrouded in Sanity, Usurper und Into the Fray an, führt die Reihe aber gleichzeitig ihrem Abschluss entgegen. Wer die früheren Teile kennt, wird tiefer in die Lore eintauchen können – zwingend notwendig ist das Vorwissen jedoch nicht.
Setting & Geschichte: Lovecraft trifft alternatives Japan
Man schlüpft in die Rolle von Gray, dem zweiten Ritter des Angelischen Imperiums von Britannia, der als Gesandter zu einer diplomatischen Mission ins kaiserliche Japan aufbricht. Doch kaum angekommen, eskaliert die Lage: Eine fanatische Kultistengruppe namens die Lunatics inszeniert einen religiösen Staatsstreich, und Gray steckt plötzlich mitten in einer Krise, bei der das Schicksal gleich mehrerer Weltmächte auf dem Spiel steht.
Die Handlung spielt in einem alternativen Japan um das Jahr 1900, in dem Lovecraftsche Schrecken längst Teil der Realität geworden sind und der Mond selbst sich zu öffnen droht – als Vorbote des Endes der Menschheit. Das klingt bombastisch, und das ist es auch, aber Moonless Knight hat die Weisheit, diese große Geschichte meist im Hintergrund schwelen zu lassen und sie durch Umgebungsdetails, Notizen und knappe Dialoge zu erzählen. Wer aufmerksam erkundet und liest, wird mit einem bemerkenswert vielschichtigen Worldbuilding belohnt. Wer einfach durchstürmt, verpasst das Beste, was das Spiel zu bieten hat.
Gameplay: Methodisch, kompromisslos, befriedigend
Das Herzstück von Moonless Knight ist sein Kampfsystem – und hier setzt das Spiel einen klaren Kontrapunkt zur hektischen Action vieler Genre-Kollegen. Im Mittelpunkt steht ein Guard-basiertes System, bei dem das Blocken und Parieren mindestens genauso wichtig ist wie das Angreifen. Ausdauer muss im Blick behalten, Öffnungen beim Gegner müssen erkannt und genutzt werden. Wer wild drauflosstürmt, stirbt schnell und wiederholt.
Das fühlt sich zunächst sperrig an, entfaltet aber mit der Zeit eine echte Tiefe. Jeder überwundene Gegner, jeder bezwungene Boss ist ein echter Erfolg, weil er hart erarbeitet wurde. Der Rhythmus des Kampfes – Beobachten, Reagieren, Zuschlagen – ist fast meditativ, wenn man ihn erst verinnerlicht hat.
Die Metroidvania-Struktur ist dabei erfreulich offen gehalten. Der Oda-Kaiserpalast ist eine weitläufige, miteinander verwobene Welt voller Abkürzungen, versteckter Wege und optionaler Geheimnisse. Bosse können in weitgehend freier Reihenfolge angegangen werden, und wer neugierig erkundet, wird mit alternativen Routen und versteckten Belohnungen entlohnt. Das Leveldesign zeigt deutlich, dass hier jemand am Werk war, der das Genre nicht nur kennt, sondern liebt.
Technische Performance auf der Switch
Die Switch-Version macht technisch eine solide Figur. Sowohl im Handheld- als auch im Docked-Modus läuft das Spiel überwiegend flüssig, und die Ladezeiten halten sich in einem akzeptablen Rahmen. Gelegentliche, leichte Framedrops können bei besonders intensiven Kämpfen auftreten, fallen aber kaum ins Gewicht und stören den Spielfluss nicht ernsthaft.
Für ein Ein-Mann-Projekt, das nachträglich auf eine neue Plattform portiert wurde, ist das ein respektables Ergebnis. Besonders im Handheld-Modus kommt die düstere Pixel-Art-Grafik gut zur Geltung – der kleinere Bildschirm verleiht den detaillierten, eng gestalteten Umgebungen eine fast klaustrophobische Dichte, die der Atmosphäre sehr zugute kommt.
Atmosphäre & Präsentation
Moonless Knight lebt von seiner Stimmung. Die Kombination aus viktorianisch angehauchtem Gothic-Horror, japanischen Motiven und Lovecraftschem Kosmismus ergibt ein visuell wie inhaltlich einprägsames Gesamtbild. Die Gegner sind grotesktierisch, die Korridore des Kaiserpalasts beklemmend eng, und die allgegenwärtige Bedrohung durch den sich öffnenden Mond verleiht allem eine unterschwellige apokalyptische Dringlichkeit.
Der Soundtrack hält sich bewusst zurück und setzt eher auf bedrohliche Ambientsounds als auf eingängige Melodien. Das passt zum Spiel – aufdringliche Musik würde die karge, feindselige Stimmung zerstören.
Für wen ist es geeignet?
Moonless Knight ist kein Spiel, das einem entgegenkommt. Es gibt kein ausgiebiges Tutorial, keine Markierungen, die einem sagen, wo man als nächstes hingehen soll, und keinen einfachen Modus für Spieler, denen der Standardschwierigkeitsgrad zu hart ist. Wer Hollow Knight, Salt and Sanctuary oder die Vorgänger der Skautfold-Reihe geschätzt hat, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Wer hingegen eher auf zugängliche, flotte Unterhaltung aus ist, sollte sich bewusst sein, was ihn erwartet.
Mit einem Preis von knapp 15 Euro ist das Spiel für das Gebotene fair kalkuliert.
Fazit
Skautfold: Moonless Knight ist ein kompromissloses, atmosphärisch dichtes Spiel aus einer einzigen Hand – und es ist beeindruckend, was Steve Gal hier auf die Beine gestellt hat. Es erfindet das Metroidvania- oder Soulslike-Genre nicht neu, aber es verbindet beide auf eine Weise, die sich stimmig und eigenständig anfühlt. Die Switch-Portierung ist technisch solide, und das Spiel macht auf der Hybrid-Konsole eine gute Figur.
Für Liebhaber fordernder, stimmungsvoller Action-Rollenspiele ist es ein klarer Tipp. Moonless Knight gibt seine Geheimnisse nur dem preis, der bereit ist, für sie zu kämpfen – und genau das macht es für die richtige Zielgruppe so besonders.
Wertung: 8/10 Düster, fordernd und atmosphärisch dicht – ein gelungener Serienabschluss für die Switch.