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Review: The Rogue Prince of Persia (PS5)
Entwickler: Evil Empire | Publisher: Ubisoft | Genre: 2D Action-Roguelite | Preis: ca. 30 €


Wenn Dead Cells Persien entert


Es gibt Ideen, die so offensichtlich richtig klingen, dass man sich fragt, warum niemand früher auf sie gekommen ist. Evil Empire – das Studio hinter dem gefeierten Dead Cells – nimmt die akrobatische DNA der Prince-of-Persia-Reihe und baut daraus ein modernes Roguelite, das sich von der ersten Sekunde an verdammt gut anfühlt. Kein Dead Cells 2, aber verdammt nah dran – und auf der PS5 in seiner bisher besten Form.


Die Geschichte: Tod als Erzählmittel


Alles beginnt mit einem Fehler. Eine unüberlegte Aktion des Prinzen lockt die Hunnen nach Ctesiphon, der persischen Hauptstadt. Die Stadt brennt, der Prinz fällt im Kampf – und wacht drei Tage später an der Oase auf. Sein mystisches Amulett, die Bola, ist der Schlüssel: Es dreht die Zeit zurück, bringt ihn zur letzten Raststation, und der nächste Versuch beginnt. Tod ist hier kein Scheitern, sondern narratives Werkzeug.


Jeder Durchlauf streut neue Informationshäppchen: ein geretteter Verbündeter hier, eine aufgefundene Notiz dort. Das Lager füllt sich mit Leben, jede Entdeckung verleiht dem nächsten Run ein Gefühl von Bedeutung. Die Geschichte liefert dabei keinen epischen Tiefgang – der Antagonist bleibt ein eher generischer Eroberer ohne echte Charaktertiefe – aber als Rahmen für das Gameplay funktioniert sie tadellos. Der Prinz selbst trägt das Ganze mit seinem arroganten, aber charmanten Auftreten und lockerem Banter mit den NPCs.


Bewegung ist alles – und sie fühlt sich großartig an


Worum es in diesem Spiel wirklich geht, merkt man spätestens in den ersten zwei Minuten: Bewegung. Evil Empire hat ein Fortbewegungssystem geschaffen, das im Genre seinesgleichen sucht. Wandläufe, Wandsprünge, Stangensprünge, Gewölbe, Tritte, Slides – all das steht von Beginn an zur Verfügung, und trotz dieser Fülle fühlt sich die Steuerung nie überladen oder klobig an. Jeder Tastendruck sitzt, jede Kombination fließt ineinander.


Besonders clever ist der Mechanismus namens Vayu's Breath: Wer seine Bewegungen stilvoll aneinanderreiht – saubere Wandläufe, präzise Ausweichrollen, elegante Gewölbe – füllt eine Leiste. Aktiviert man sie, folgt ein kurzer Geschwindigkeitsschub mit wunderschönen Animationsflourishes. Das System belohnt nicht nur Können, sondern sorgt auch dafür, dass man selbst in fast leeren Räumen noch über den idealen Bewegungsweg nachdenkt. Wer einmal diesen Flow-Zustand erreicht hat, möchte ihn nicht mehr loslassen.


Kampf: Solide, aber der schwächere Part


So brillant die Fortbewegung ist, so ordentlich-aber-unspektakulär fällt das Kampfsystem aus. Man hat eine Hauptwaffe für Nahkampfkombos und eine Nebenwaffe – meist Fernkampf – die sich durch aktiven Einsatz der Hauptwaffe auflädt. Schwerter, Klauen, Dolche und Gauntlets bieten genug Abwechslung, um verschiedene Stile auszuprobieren, und über 60 Medaillons liefern Buffs, die sich gegenseitig verstärken können.


Das Problem ist nicht, dass das Kampfsystem schlecht ist – es ist flüssig, lesbar und fair. Das Problem ist, dass es neben der Bewegung schlicht verblasst. Wer von den Machern von Dead Cells etwas wirklich Einzigartiges im Kampf erwartet, könnte enttäuscht werden. Gut, aber kein Alleinstellungsmerkmal.


Risiko und Belohnung: Der Ressourcenloop


Ein cleveres Spannungsmoment liefert das Ressourcensystem: Besiegte Feinde hinterlassen Soul Cinders, die man an Altären zwischen den Abschnitten sichern kann. Wer den sogenannten Altar der Gier zerstört, kassiert mehr Gold – verliert aber das Sicherheitsnetz. Stirbt man anschließend, ist alles futsch. Dieser Risiko-Belohnungs-Loop ist simpel, aber wirkungsvoll: Man ist ständig kurz davor, eine schlechte Entscheidung zu treffen – und tut es trotzdem.


Visuell und auditiv ein echter Hingucker


Optisch hat das Spiel seit der Early-Access-Phase einen kompletten Facelift erhalten: neue Farbpalette, feinere Details in Umgebungen und Charaktermodellen, ein insgesamt reiferes und kohärenteres Erscheinungsbild. Der Kunststil ist selbstbewusst und unverwechselbar – kein braves Fantasy-Setting, sondern eine stilisierte, lebendige Welt, die sich deutlich von der Masse abhebt.


Der absolute Star ist jedoch der Soundtrack. Eine moderne Fusion aus Trap-Beats und traditionellen persischen Instrumenten, die etwas fast Hypnotisches hat. Wenige Minuten genügen, um in genau jenen Flow-Zustand zu gleiten, der das ohnehin addiktive Gameplay noch weiter antreibt. Hier hätte man ruhig noch mehr Laufzeit bestellt.


Die PS5-Version im Speziellen


Auf der PS5 läuft das Spiel technisch nahezu makellos – stabile 60 Frames pro Sekunde, auch in chaotischen Situationen mit vielen Gegnern und Partikeleffekten gleichzeitig auf dem Bildschirm. Die SSD der Konsole macht sich angenehm bemerkbar: Ladezeiten sind kurz, der Einstieg in neue Runs geht schnell, was in einem Genre, das auf Wiederholung ausgelegt ist, kein Luxus, sondern Notwendigkeit ist.


Der DualSense-Controller wird sinnvoll eingebunden. Adaptive Trigger bei Waffenschwüngen und Umgebungsinteraktionen sind keine Revolution, aber sie verleihen dem Kampf eine subtile taktile Rückmeldung, die Treffer physisch spürbarer macht. Ein kleines, aber feines Detail.


Schwächen


Nicht alles glänzt. Wer vor allem wegen der Geschichte spielt, könnte früh das Interesse verlieren: Das wahre Ende ist selbst auf einem frischen Speicherstand in rund zehn bis fünfzehn Stunden erreicht – für ein Roguelite mit Wiederholungsanspruch eine überschaubare Hauptgeschichte. Spürbar ist auch das Fehlen einer Vertonung der Dialoge: Der Prinz kämpft lautstark, aber sämtliche Cutscenes und Gespräche bleiben stumm. Gerade in emotionalen Momenten fehlt dadurch die nötige Wucht.


Und wer nach dem Abspann einen echten Sog erwartet, der einen immer wieder zurückzieht wie einst Dead Cells oder Hades, könnte feststellen, dass das Spiel nicht ganz dieselbe Langzeitwirkung entfaltet.


Fazit


The Rogue Prince of Persia ist kein Revolutionär, aber ein Meister der sauberen Ausführung. Es nimmt die akrobatische Seele einer großen Spieleserie und verbindet sie mit einem modernen Roguelite-Loop, der Können, Übung und Experimentierfreude belohnt. Auf der PS5 läuft es technisch makellos, fühlt sich mit dem DualSense herrlich an, und der Soundtrack allein macht jeden Run zur Freude.


Für rund 30 Euro ist das ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Fans von Dead Cells und Hades, Liebhaber der Prince-of-Persia-Reihe und alle, die ein Roguelite suchen, das sich von der ersten Sekunde an richtig gut anfühlt – hier ist euer nächstes Lieblingsspiel.