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WWE 2K26 – Monday Night War Edition: Testbericht
"Die Show hört niemals auf – und das meinen sie ernst."


Einleitung


Es war 1996. Hulk Hogan schlug sich zur nWo. Steve Austin gab jedem den Finger. Die Monday Night Wars brannten auf zwei Fronten – WWE gegen WCW – und die Wrestlingwelt stand Kopf. WWE 2K26 in der Monday Night War Edition katapultiert genau dieses Feeling zurück in die Gegenwart und macht dabei deutlich, dass 2K nicht nur eine Wrestling-Simulation, sondern ein Stück lebendige Kulturgeschichte abliefern will. Ob das gelingt? Fast vollständig – und das mit einer Ambition, die man der Reihe lange nicht mehr zugetraut hätte.


Was steckt in der Monday Night War Edition?


Die Monday Night War Edition ist die teuerste und inhaltlich üppigste der vier verfügbaren Versionen. Neben allem, was die Standard Edition bietet – CM Punk auf dem Cover, das komplette Grundspiel – packt sie exklusiven Content rund um die Attitude Era und die WCW dazu. Das bedeutet konkret: Hulk Hogan im nWo-Outfit, Kevin Nash, Scott Hall, Goldberg, Booker T und Eric Bischoff als spielbare Charaktere, ergänzt durch die komplette Attitude-Era-Riege der anderen Editionen, also Stone Cold Steve Austin, The Rock, Triple H, Shawn Michaels, Undertaker, Kane, Trish Stratus, Lita, Chyna, Kurt Angle und die Dudley Boyz.


Wer aufgewachsen ist mit dem Klingeln des nWo Wolfpac-Einzugsthemas oder dem ohrenbetäubenden Goldberg-Chant einer brodelnden WCW-Halle, der wird beim ersten Betreten des Rosters feuchte Augen bekommen. Das ist kein Marketing-Versprechen, das ist verdient emotionaler Nostalgie-Content, der das Geld für die teurere Edition für Fans dieser Ära mehr als rechtfertigt.


Gameplay: Ein System, das endlich reift


Das Kerngameplay von WWE 2K26 ist das beste, was die Reihe seit Jahren zu bieten hatte. Das überarbeitete Reversal- und Ausdauer-System schafft endlich echte strategische Tiefe, die über das bloße Drücken des richtigen Knopfes im richtigen Moment hinausgeht. Reversal-Fähigkeiten sind begrenzt und regenerieren sich langsam – wer im ersten Drittel eines Matches alles verbraucht, steht in den entscheidenden Momenten mit leeren Händen da. Das fühlt sich an wie echter Pro-Wrestling-Ablauf: Aufbau, Kontrolle, Momentum-Wechsel. Ein Match hat jetzt eine Dramaturgie, die man spürt, statt nur sieht.


Die verbesserte Physik-Engine macht sich vor allem in den interaktiven Umgebungen bemerkbar. Stapelbare Tische sind ein simpel klingendes, aber in der Praxis fulminantes Feature. Wer einen Gegner durch zwei übereinandergestapelte Tische crasht, spürt das durch den Controller. Einkaufswagen als Waffe, Reißnägel auf der Matte, größere und reaktionsfreudigere Umgebungen – das Spielfeld ist so destruktiv und lebendig wie nie zuvor in dieser Franchise.


Die vier neuen Match-Typen ergänzen das Repertoire sinnvoll und mit echtem Charakter. I Quit-Matches, bei denen kein Pinfall und keine Submission zählt, solange der Gegner nicht verbal aufgibt, sorgen für dramatische Hochspannungsmomente. Inferno Matches erzeugen eine visuelle Wucht, die den Ring buchstäblich zur Feuerfalle macht. Three Stages of Hell ist für Langzeitfans ein emotionales Heimkommen, und Dumpster Matches liefern genau jenen trashigen Spaß, den diese Art Spiel braucht, um über sich selbst lachen zu dürfen. Intergender-Matches sind nun in allen Hauptmodi verfügbar – ein längst überfälliger Schritt, der die kreative Freiheit enorm erweitert und auch im Multiplayer für neue Dynamiken sorgt.


Das neue Kommentatoren-Duo aus Booker T und Wade Barrett funktioniert überraschend natürlich. Booker Ts ungefilterter Enthusiasmus und Barretts trockener britischer Witz ergänzen sich auf eine Art, die die bisherige Kommentatorbesetzung der Reihe klar übertrifft. Interaktive Einzüge erhöhen die Atmosphäre zusätzlich – es gibt Momente, in denen man schlicht den Controller weglegt und einfach zuschaut, weil die Inszenierung es wert ist.


2K Showcase: Die CM Punk Story


Der 2K Showcase ist in diesem Jahr eindeutig der emotionale Kern des Spiels. "Punked – Die persönliche Reise von CM Punk" ist der persönlichste Showcase, den die Reihe je hatte, und das spürt man in jeder Sequenz. Von CM Punk selbst kommentiert führt der Modus durch die Höhepunkte einer Karriere, die so widersprüchlich und faszinierend ist wie der Mann selbst: Aufstieg aus dem Independents, die legendären WWE-Titelregentschaften, das ikonische Pipe Bomb-Promo, der bittere Abgang und die triumphale Rückkehr. All das wird nicht nur nachgestellt, sondern neu erlebt – mit Punks eigener Stimme als Kommentar, der Distanz und Nähe zugleich schafft.


Fantasy Warfare-Duelle gegen WWE-Legenden geben dem Modus eine zusätzliche "Was wäre wenn?"-Dimension, die weit über das bloße Nachspielen historischer Matches hinausgeht. Der Showcase Gauntlet für Hardcore-Spieler stellt dabei eine eigenständige, anspruchsvolle Herausforderung dar, die auch nach Abschluss der Hauptkapitel zum Weiterspielen einlädt. Wer bislang mit dem Showcase-Format wenig anfangen konnte, sollte diesem hier eine faire Chance geben – er ist anders, weil er ehrlicher ist.


Spielmodi: Breite, die beeindruckt


MyGM ist in WWE 2K26 das strategisch tiefste, das die Reihe je zu bieten hatte. Neue Intergender-Matches, 5-, 6- und 8-Personen-Matches sowie die Unterstützung für mehr Match-Typen als je zuvor erweitern die Planungsmöglichkeiten erheblich und sorgen dafür, dass kaum zwei Spielabende gleich verlaufen. Zusätzliche Shows pro Saison erhöhen den Entscheidungsdruck weiter. Wer gerne Shows plant, Fehden aufbaut und Ratings beobachtet, kann hier problemlos dutzende Stunden versinken, ohne das Ende zu sehen.


MyRISE bietet zwei neue divisionsbasierte Storylines mit echten moralischen Entscheidungsmomenten. Ob man sich als Heel oder Face verhält, ob man Kompromisse eingeht oder auf Konfrontation setzt – diese Entscheidungen beeinflussen den Karriereverlauf spürbar und machen jeden Durchgang ein stückweit zu einem eigenen. Auch nach dem Abschluss der Hauptgeschichten gibt es freischaltbaren Zusatzinhalt, der den Wiederspielwert deutlich erhöht. Paul Heymans Voiceover im zugehörigen Ringside Report-Video ist dabei ein nettes Schmankerl am Rande, das die ohnehin schon starke Atmosphäre unterstreicht.


Der Universe-Modus erhält mit dem WWE Draft endlich ein lang gewünschtes Feature, das den Sandbox-Betrieb deutlich dynamischer macht und das Geschehen über eine Saison hinweg organischer gestaltet. Der neue "Universe Creation Wizard" hilft Einsteigern schneller ins Geschehen, während erfahrene Spieler über verbesserte Money-in-the-Bank-Cash-ins und zusätzliche Promo-Typen die kreative Kontrolle behalten.


MeineFRAKTION kehrt mit Intergender-Lineups und Quick Swap Matches zurück, ergänzt durch ein überarbeitetes Faction Chemistry-System und Run-in-Unterstützung während der Matches. Für Sammler gibt es über das gesamte Spieljahr hinweg neue thematische Kartenpakete und saisonale Updates, die den Modus lebendig halten sollen.


The Island – 2Ks eigene Online-Welt – ist erstmals auch auf dem PC verfügbar und präsentiert sich größer, lebendiger und sozialer als in den Vorjahren. Die neue Scrapyard Brawl-Umgebung, der verbesserte MySUPERSTAR Builder mit Face-Photo-Import und cineastische Quest-Zwischensequenzen mit Superstar-Voiceover machen The Island spürbar persönlicher. Der Einstieg in eine der drei Fraktionen und der Aufstieg durch das vollständig überarbeitete Fortschrittssystem haben echten Sog – vorausgesetzt, die technischen Probleme halten sich in Grenzen.


Die Creation Suite schließlich setzt mit 200 Create-A-Superstar-Slots einen Community-Wunsch um, der seit Jahren laut geäußert wurde. Das ist doppelt so viele Slots wie zuvor, und die erweiterten Werkzeuge für Körper- und Gesichtsmorphing sowie zweistufige Haarfarben-Mischungen machen kreative Exzesse zu einem echten Vergnügen. Auch die Community Creations wurden mit 2.000 Bildslots deutlich erweitert.
Bekannte technische Probleme


Hier muss man ehrlich sein, denn WWE 2K26 hat zum Launch eine Reihe dokumentierter Bugs, die das Gesamterlebnis an einigen Stellen trüben. Im Universe-Modus fehlt die Intergender-Option im "Universum anpassen"-Menü vor dem Laden eines Spielstands – es gibt zwar einen Workaround über das Optionen-Menü, aber das ist keine elegante Lösung. In MyRISE erscheinen maskierte Superstars und Luchadores in mehreren Bereichen ohne Maske, was die Immersion spürbar beschädigt. The Island leidet unter einer fehlerhaften MyTAG-Funktion, die gemeinsame 2v2-Anmeldungen mit Freunden derzeit unmöglich macht. Auf der Xbox Series S kann es beim Betreten von Online-Lobbys, die von einer Xbox Series X gehostet werden, zu Abstürzen kommen. Bei Three Stages of Hell-Matches startet ein Neustart in Match 2 oder 3 nicht korrekt bei Match 1, und Gesichtsbemalung oder Waffen werden zwischen den einzelnen Matchphasen nicht übernommen. Dazu kommt ein kleiner, aber sichtbarer Fehler im Create An Entrance-Modus, bei dem AJ Lee und CM Punk vertauschte Einzugsanimationen abspielen.


Das Entwicklungsteam ist sich all dieser Probleme bewusst und arbeitet an zeitnahen Patches. Es bleibt dennoch ein echter Wermutstropfen bei einem Spiel, das in fast jeder anderen Hinsicht überzeugt und das man sonst ohne Einschränkungen weiterempfehlen könnte.


Ringside Pass und Post-Launch-Content


Der neue Ringside Pass ist 2Ks Antwort auf den Season-Pass-Trend, umgesetzt aber durchdachter als in vielen Vergleichstiteln. EP wird in allen Spielmodi außer Online-Lobbys verdient, 120 Belohnungen verteilen sich auf 40 kostenlose und 40 Premium-Stufen, und sechs Seasons sind für das Spieljahr geplant. Wer aktiv spielt, bekommt kontinuierlich neuen Content – Superstars, Kosmetik, VC, Inhalte für MeineFRAKTION und The Island. Season 1 enthält in der kostenlosen Stufe immerhin Superstars und Legenden, die zuvor im WWE 2K Supercharger enthalten waren, was den Einstieg fair gestaltet. Ob das Modell langfristig fair bleibt, wird der Verlauf der kommenden Seasons zeigen.


Fazit


WWE 2K26 in der Monday Night War Edition ist das vollständigste, inhaltlich reichhaltigste und spielerisch ausgefeilteste Wrestling-Spiel seit mindestens einem Jahrzehnt. Der Franchise-Rekord beim Roster, die exklusiven WCW-Legenden, der emotional aufgeladene CM Punk Showcase, vier neue Match-Typen, ein überarbeitetes Gameplay-System mit echter strategischer Tiefe und eine Creation Suite, die endlich keine Wünsche mehr offen lässt – das alles zusammen ergibt ein Paket, das schwer zu überbieten ist. Wer die Monday Night Wars erlebt hat und wissen will, wie sich nWo Hollywood gegen D-Generation X anfühlt, für den ist diese Edition schlicht ein Pflichtauf.


Mit dem Ringside Pass hat 2K zudem einen langfristigen Content-Rhythmus etabliert, der das Spiel das ganze Jahr über relevant halten kann, sofern die Qualität der kommenden Seasons stimmt.