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Rezension: Greenland 2
Tobis / Leonine, Blu-ray-Veröffentlichung: 24. April 2026 Regie: Ric Roman Waugh | Drehbuch: Chris Sparling, Mitchell LaFortune Laufzeit: ca. 98 Minuten | FSK: 12


Wenn das Überleben erst der Anfang ist


Der erste Greenland-Film aus dem Jahr 2020 war eine angenehme Überraschung: ein Katastrophenfilm, der auf grelle Effektgewitter weitgehend verzichtete und stattdessen auf emotionale Dringlichkeit und familiäre Enge setzte. Dass die Geschichte der Garrities überhaupt eine Fortsetzung bekam, war insofern keine Selbstverständlichkeit – das Ende des ersten Teils wirkte abgeschlossen. Dennoch hat Regisseur Ric Roman Waugh, der auch hinter dem Original stand, nun den zweiten Teil auf die Leinwand und jetzt auch auf Heimkino-Träger gebracht. Greenland 2: Migration erscheint am 24. April 2026 auf Blu-ray bei Tobis im Vertrieb von Leonine und gibt Heimkinofans die Gelegenheit, die apokalyptische Familiensaga in bestmöglicher Bildqualität zu erleben.


Inhalt: Vom Bunker in die Trümmer Europas


Fünf Jahre sind vergangen seit dem verheerenden Einschlag des Clarke-Kometen, der den Großteil der Zivilisation ausgelöscht hat. Die Familie Garrity – Vater John, Mutter Allison und ihr Sohn Nathan – hat in einem Bunker unter Grönland Zuflucht gefunden. Doch von Erholung oder gar Frieden kann keine Rede sein. Die Luft ist verseucht, das Wasser kaum trinkbar. Fragmente im Erdorbit drohen jederzeit niederzugehen. Die Erde hat sich noch nicht stabilisiert – und das macht sich schmerzhaft bemerkbar, als ein schweres Erdbeben den Bunker zerstört und die Garrities zwingt, erneut aufzubrechen.


Was folgt, ist eine beschwerliche Reise durch ein verwüstetes Europa. Elektromagnetische Stürme, radioaktiver Fallout und eine feindliche, auf Misstrauen gegründete Überlebensgemeinschaft erschweren jeden Schritt. Das Ziel ist so paradox wie einleuchtend: der Einschlagskrater von Clarke in Südfrankreich – ausgerechnet der Ort der größten Zerstörung soll der letzte verbleibende sichere Hafen auf der Erde sein. Die Logik dahinter ist physikalisch zumindest nachvollziehbar: Der Krater wirkt wie eine natürliche Schutzzone gegen die weiter abstürzenden Trümmer im Orbit.


Der Film verlagert seinen Fokus damit bewusst. Geht es im ersten Teil um Flucht und unmittelbares Überleben, stellt der zweite Teil die Frage, was danach kommt: Wie baut man inmitten von Asche eine neue Gemeinschaft auf? Wie bewahrt man Menschlichkeit, wenn die Ressourcen erschöpft und das Vertrauen in andere längst zerbrochen sind? Das sind lohnende Fragen für ein Sequel – und dass der Film sie stellt, ist sein größtes Verdienst. Nicht immer beantwortet er sie befriedigend, aber er versucht es zumindest mit einer gewissen Ernsthaftigkeit.


Die Handlung ist straff erzählt. Auf rund 98 Minuten bleibt kaum Zeit für Atempausen, was manchmal auf Kosten der Charaktertiefe geht. Nebenfiguren werden eingeführt und mitunter wieder abrupt aus dem Film entfernt, ohne dass ihre Schicksale wirklich Gewicht entwickeln konnten. Auch manche Logiklücken, die das Skript mit sich bringt, sind nicht zu übersehen – wer sich jedoch auf die emotionale Ebene einlässt, wird ausreichend entschädigt.


Gerard Butler: Der müde Held mit bleibendem Gewicht


Schauspieler und seine Karriere


Gerard Butler, 1969 im schottischen Paisley geboren, ist einer jener Schauspieler, deren Weg in die Welt des Films alles andere als geradlinig verlief. Ursprünglich studierte er Jura an der Universität Glasgow und wurde kurz vor Abschluss seiner Ausbildung in einer Anwaltskanzlei entlassen – zu oft hatte er gefehlt. Statt die Anwaltslaufbahn weiterzuverfolgen, zog er nach London, wo ihn der Schauspieler und Regisseur Steven Berkoff in einem Café entdeckte und ihm eine Bühnenrolle anbot. Was als Theaterengagement in Coriolanus begann, mündete in eine Filmkarriere, die zunächst mit kleinen Rollen in Der Morgen stirbt nie (1997) und Talos – Die Mumie (1998) Fahrt aufnahm. Den weltweiten Durchbruch brachte ihm schließlich Zack Snyders Historienspektakel 300 (2006), in dem er als spartanischer König Leonidas körperlichen Einsatz mit charismatischer Präsenz verband. Seitdem hat Butler ein eigenes Genre quasi mitdefiniert: den hochbudgetierten Mittelklasse-Actionfilm, dem er verlässlich seinen lakonisch-breitschultrigen Stempel aufdrückt – von der Has Fallen-Trilogie über Geostorm bis hin zu Überraschungserfolgen wie Cop Shop (2021).


Butler als John Garrity


Was Butler in diesem Genre so beständig macht, zeigt sich auch in Greenland 2 auf seine typische, unterschätzte Art. John Garrity ist diesmal kein Mann der großen Gesten mehr. Er ist erschöpft, von der Last der vergangenen Jahre gezeichnet, und Butler trägt diese Abnutzung glaubhaft in Körperhaltung und Blick. Die Figur hat an Strahlkraft verloren, was dramaturgisch Sinn ergibt – aber auch ein gewisses Risiko birgt: Der Film folgt einem Helden, dem man seine eigene Erschöpfung abnimmt, was den Zuschauer gelegentlich dazu einlädt, selbst müde zu werden.


Kritiker sind sich in diesem Punkt gespalten: Während einige Butlers ruhige, zurückgenommene Leistung als emotional ehrlich loben und hervorheben, dass er der Produktion echtes Gewicht verleiht, werfen andere dem Film vor, die Figur in etwas zu eindimensionaler Braver-Vater-Melodramatik zu verankern. Beide Urteile haben ihren Kern. Butler liefert solide Arbeit – keine, die in Erinnerung bleibt wie sein Leonidas, aber eine, die das Vertrauen des Publikums trägt. Und für einen Film dieser Art ist das genug.


Morena Baccarin: Die Frau, die den Kurs hält


Schauspielerin und ihre Karriere


Morena Baccarin wurde 1979 in Rio de Janeiro geboren und wuchs ab dem siebten Lebensjahr in New York auf, wo ihr Vater, ein Journalist brasilianisch-italienischer Herkunft, Arbeit gefunden hatte. Die Schauspielerei liegt ihr buchstäblich im Blut: Ihre Mutter Vera Setta ist eine bekannte brasilianische Bühnen- und Fernsehschauspielerin. Baccarin absolvierte ihre Ausbildung an der renommierten Juilliard School und debütierte 2001 auf der Leinwand. Richtig bekannt wurde sie durch die Kultserie Firefly (2002), in der sie die Begleiterin Inara Serra spielte – eine Rolle, die ihr trotz der frühen Absetzung der Serie eine treue Fangemeinde bescherte. Es folgten Auftritte in Stargate SG-1, die Hauptrolle als Alien-Anführerin in V – Die Besucher sowie die Emmy-nominierte Darstellung der Jessica Brody in Homeland. Internationale Großleinwandpräsenz erlangte sie schließlich als Vanessa in Deadpool (2016) und Deadpool 2 (2018), bevor sie zuletzt im monumentalen Erfolg Deadpool & Wolverine erneut zu sehen war. Baccarin ist eine Schauspielerin, die Genre-Vielfalt verkörpert wie wenige: Fantasy, politischer Thriller, Comic-Verfilmung, Katastrophenfilm – sie navigiert zwischen diesen Welten mit erkennbarer Leichtigkeit.


Baccarin als Allison Garrity


Im ersten Greenland war Allison Garrity die ängstliche Mutter, die sich durch einen Albtraum kämpft. In der Fortsetzung hat sich die Figur verändert – und Baccarin zeigt das mit feiner Beobachtungsgabe. Allison ist inzwischen Teil des Führungsrats im Bunker geworden, hat Verantwortung übernommen und eine gewisse Härte entwickelt, die ihr zuvor fehlte. Die Dynamik mit John hat sich verschoben: Beide sind stärker geworden, aber auf unterschiedliche Weise, was zu Reibungen führt, die dem Film seine emotionale Substanz verleihen.


Baccarin spielt das zurückhaltend und präzise. Ihr gelingt es, Allisons innere Zerrissenheit – zwischen der Frau, die sie war, der Mutter, die sie ist, und der Führungsperson, die sie geworden sein musste – sichtbar zu machen, ohne in Gesten zu verfallen. Dass ihre Figur laut Berichten eher zögerlich war, sich überhaupt auf die Produktion des Sequels einzulassen, macht ihre Rückkehr im Nachhinein umso wertvoller. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass die familiäre Achse des Films nicht in Klischee abgleitet.


Regie und Inszenierung: Vom Kammerspiel zum Road Movie


Ric Roman Waugh verfolgt mit dem Sequel einen erkennbar anderen Ansatz als beim ersten Film. War Greenland ein intensiver, auf engstem Raum spielender Fluchtfilm, dehnt Migration seinen Horizont bewusst aus. Die Reise durch ein verwüstetes Europa ermöglicht Landschaftsbilder von melancholischer Schönheit – ausgebrannte Städte, verlassene Autobahnen, zerstörte Küsten. Darin liegt ein echtes Stärke: Der Film zeigt den Weltuntergang nicht mehr als Spektakel, sondern als Zustand. Das ist ungewöhnlich für das Genre und verdient Anerkennung.


Allerdings büßt der Film dabei die dichte Spannung ein, die seinen Vorgänger auszeichnete. Das Tempo ist ungleichmäßiger, manche Sequenzen – darunter eine Busübernahme, die keine erkennbare dramaturgische Funktion erfüllt – wirken wie Pflichtübungen im Genrekatalog. Die Spezialeffekte fallen im Vergleich zum Budget merklich ab; gelegentlich erinnern Tsunami- und Meteoritenereignisse an Produktionen aus einer früheren Ära des Katastrophenkinos. Das ist schade, da es die Immersion an einigen Stellen empfindlich stört.


Der Schluss des Films ist explizit optimistisch – vielleicht zu explizit. Es gibt eine Art Gründungsgeste, eine Botschaft vom Neuanfang, die nicht ganz so mühelos getragen wird, wie das Drehbuch offenbar hofft. Ob das als emotionale Katharsis oder als etwas bemühte Moral empfunden wird, dürfte von der persönlichen Bereitschaft abhängen, sich darauf einzulassen.


Die Blu-ray: Bild, Ton und Bonusmaterial


Tobis bringt den Film im Vertrieb von Leonine in einer soliden Blu-ray-Edition heraus. Das Bild präsentiert sich in 1080p in einem Farbkorridor, der bewusst entsättigt und kühl gehalten ist – graubraune Wüstungen, fahles Tageslicht, kaum Wärmetöne. Das entspricht dem visuellen Konzept des Films und wird auf der Blu-ray sauber umgesetzt: Detailschärfe im Vordergrund ist gut, Texturen in Ruinen- und Außenszenen klar definiert.


Das Bonusmaterial umfasst den deutschen und internationalen Trailer sowie Interviews mit den Machern und Darstellern. Die Interviews geben zumindest einen Einblick in die Intentionen hinter dem Sequel – insbesondere wie Waugh und die Darsteller den Schritt vom Überlebensfilm zum Wiederaufbaudrama verstanden haben wissen wollten. Für ein Heimkino-Release dieser Art ist das Bonusmaterial zwar überschaubar, aber nicht enttäuschend.


Fazit


Greenland 2: Migration ist kein überflüssiges Sequel, aber auch kein zwingendes. Der Film stellt die richtigen Fragen – was kommt nach dem Überleben, wie findet man inmitten von Asche wieder zu Gemeinschaft –, beantwortet sie aber nicht immer mit der nötigen Konsequenz. Wo der erste Teil durch Dichte und Emotionalität punktete, lebt der zweite von seinen ruhigeren Momenten und dem Vertrauen, das das Publikum in die Darsteller bereits mitbringt. Gerard Butler und Morena Baccarin tragen den Film verlässlich, ohne sich zu verbiegen. Wer mit den Garrities mitgefiebert hat, wird auch diesmal mitgehen – und der Ausflug durch ein verwüstetes Europa ist trotz aller Abstriche sehenswert.


Die Tobis-Blu-ray vom 24. April bietet dafür die angemessene Heimkinoform.