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Kamasutra – Lust und Rache ist ein Film, der sich von Beginn an jeder eindeutigen Einordnung entzieht. Regisseur Rupesh Paul verbindet historische Fantasie, Erotik, Action und Mythos zu einem opulenten, teilweise exzessiven Bilderrausch, der ebenso provoziert wie fasziniert. Das Werk bewegt sich zwischen Bollywood-Ästhetik, Fantasykino und Exploitationfilm und entfaltet eine Atmosphäre, in der Lust, Macht und Rache zu den zentralen Triebfedern der Handlung werden.


Im Mittelpunkt stehen zwei Prinzessinnen, deren Lebenswege sich auf tragische Weise kreuzen. Die eine wird gegen ihren Willen mit einem deutlich älteren König verheiratet, gefangen in einem System aus patriarchaler Macht und politischem Kalkül. Die andere wird von einem unstillbaren Verlangen nach Vergeltung getrieben. Aus diesen beiden Schicksalen entwickelt der Film eine Geschichte, die weniger durch klassische Dramaturgie als durch emotionale und visuelle Intensität geprägt ist. Die Handlung dient dabei oft eher als Rahmen für eine Abfolge von Begegnungen, Ritualen und Konflikten, in denen Erotik, Gewalt und Spiritualität ineinander übergehen.


Besonders auffällig ist die visuelle Gestaltung. Kamasutra – Lust und Rache setzt auf prachtvolle Kostüme, exotische Schauplätze, überzeichnete Fantasy-Elemente und choreografierte Martial-Arts-Sequenzen. Die Bildsprache ist bewusst überladen, manchmal kitschig, oft hypnotisch. Der Film will nicht nur erzählen, sondern überwältigen. Dabei entsteht ein Spannungsfeld zwischen ästhetischer Ambition und technischer Unvollkommenheit: Manche Szenen wirken beeindruckend komponiert, andere wiederum künstlich oder unfertig. Dennoch bleibt die Bildgewalt das stärkste Argument des Films.


Die Erotik spielt eine zentrale Rolle, doch sie ist weniger Ausdruck emotionaler Tiefe als vielmehr ein stilistisches Prinzip. Körperlichkeit wird inszeniert, ritualisiert und ästhetisiert, ohne dass sie immer organisch aus den Figuren heraus entsteht. Der Film flirtet mit der Philosophie des Kamasutra, reduziert deren komplexe Ideen über Lust, Macht und Spiritualität jedoch häufig auf melodramatische Konflikte und visuelle Effekte. Gerade daraus ergibt sich ein ambivalenter Eindruck: Der Film ist explizit genug, um zu provozieren, aber zu fragmentarisch, um wirklich sinnlich oder psychologisch überzeugend zu sein.


Ein wesentlicher Teil der Faszination von Kamasutra – Lust und Rache liegt in seinem Entstehungskontext. Das Projekt geriet in Indien früh ins Visier der Zensur, Dreharbeiten wurden behindert, Kontroversen und Skandale begleiteten die Produktion. Dadurch erhält der Film rückblickend eine zusätzliche Bedeutungsebene: Er ist nicht nur ein Erotikdrama, sondern auch ein Ausdruck kultureller Spannungen zwischen Tradition, Moralvorstellungen und künstlerischem Anspruch. Gerade dieser Hintergrund verleiht dem Werk eine gewisse Aura des Verbotenen, die seine Wirkung verstärkt.


Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich im soliden Bereich. Milind Gunaji und Sushmita Mukherjee agieren routiniert, während die weiblichen Hauptfiguren stärker als ikonische Figuren denn als psychologisch ausgearbeitete Charaktere erscheinen. Emotionale Tiefe wird immer wieder angedeutet, aber selten konsequent entwickelt. Stattdessen setzt der Film auf große Gesten, Pathos und visuelle Symbolik.


Mit der neuen Blu-ray-Veröffentlichung durch die Busch Media Group erlebt der Film ein bemerkenswertes Heimkino-Comeback. Die HD-Präsentation hebt die opulente Bildsprache deutlich hervor und lässt die Stärken der visuellen Inszenierung besser zur Geltung kommen als frühere Fassungen. Auch der Ton präsentiert sich kraftvoll und atmosphärisch, was insbesondere den musikalischen und actionreichen Passagen zugutekommt. Die Ausstattung der Blu-ray bleibt zwar überschaubar, bietet aber mit deutschem Trailer, Trailershow und Wendecover ein solides Paket, das vor allem Sammler und Genre-Fans ansprechen dürfte.


Am Ende bleibt Kamasutra – Lust und Rache ein Film voller Widersprüche. Er ist ambitioniert, aber erzählerisch unruhig; provokant, aber selten tiefgründig; visuell überwältigend, aber dramaturgisch fragmentiert. Als ernsthafte Auseinandersetzung mit der Philosophie des Kamasutra überzeugt er nur bedingt, als bildgewaltiges Erotik-Drama mit Fantasy-, Action- und Bollywood-Elementen hingegen entfaltet er einen eigenwilligen Reiz. Gerade in seiner Übertreibung, seinem Exzess und seiner kulturellen Grenzgängerschaft liegt seine besondere Qualität. Die Blu-ray macht dieses ungewöhnliche Werk nun in angemessener Qualität zugänglich und lädt dazu ein, den Film weniger als klassisches Drama denn als faszinierendes, provokantes Kuriosum zwischen Mythos, Erotik und Popkino zu betrachten.