La Riffa – Rezension
Das Debüt einer Legende
Zur Veröffentlichung
Jahrzehntelang war La Riffa in Deutschland so gut wie nicht erhältlich – ein Kuriosum, bedenkt man, dass es sich um den Leinwanderstling einer der bekanntesten europäischen Filmstars handelt. Die Busch Media Group schließt diese Lücke nun endlich und bringt den 1991 erschienenen italienischen Film erstmals hierzulande als Blu-ray auf den Markt. Für Fans von Monica Bellucci ist das eine kleine Sensation.
Monica Bellucci – Eine kurze Biografie
Monica Anna Maria Bellucci wurde am 30. September 1964 im umbrischen Städtchen Città di Castello geboren. Ursprünglich studierte sie Jura an der Universität Perugia und finanzierte ihr Studium durch Modeljobs – bis die Laufbahnpläne als Anwältin zunehmend hinter die Karriere als Model zurücktraten. 1988 wechselte sie nach Mailand, wurde von der renommierten Agentur Elite unter Vertrag genommen und avancierte rasch zum gefragten Werbegesicht großer Modehäuser wie Dolce & Gabbana.
Den Sprung vor die Kamera wagte sie 1990 zunächst im italienischen Fernsehen, ehe sie 1991 mit La Riffa ihren ersten Kinoauftritt absolvierte. Bereits ein Jahr später folgte der Sprung nach Hollywood: Regisseur Francis Ford Coppola besetzte sie in Bram Stoker's Dracula (1992) als eine der drei Bräute des Grafen. Den endgültigen internationalen Durchbruch brachte ihr der französische Thriller Lügen der Liebe (1996), der ihr eine César-Nominierung als Beste Nachwuchsdarstellerin einbrachte. Beim Dreh lernte sie ihren späteren Ehemann, den Schauspieler Vincent Cassel, kennen – eine Verbindung, die bis 2013 hielt und aus der zwei Töchter hervorgingen.
In den folgenden Jahren entwickelte sich Bellucci zu einer der vielseitigsten und meistbeschäftigten Darstellerinnen Europas. Sie spielte Kleopatra in Asterix & Obelix: Mission Kleopatra (2002), Persephone in Matrix Reloaded und Matrix Revolutions (2003) und Maria Magdalena in Mel Gibsons Die Passion Christi (2004). Mit ihrer Rolle als Bond-Girl in Spectre (2015) schrieb sie Filmgeschichte – als älteste Darstellerin in dieser Rolle überhaupt, mit damals 50 Jahren. Seit 2023 ist sie mit Regisseur Tim Burton liiert, der sie in Beetlejuice Beetlejuice (2024) vor die Kamera holte. Monica Bellucci ist heute 61 Jahre alt und nach wie vor aktiv.
Die Geschichte: Eine Frau als Hauptgewinn
Der Film spielt im süditalienischen Bari. Francesca, eine wohlhabende und bildschöne Frau, verliert ihren Mann – und entdeckt kurz darauf, dass er sie nicht nur mit anderen Frauen betrogen, sondern auch einen riesigen Schuldenberg hinterlassen hat. Gemeinsam mit ihrem Freund und Anwalt Cesare verkauft sie nach und nach alles, was sie besitzt: Villa, Schmuck, Pelze, sogar die Yacht. Doch das reicht nicht. Als alle legalen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, entschließt sich Francesca zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie veranstaltet eine Lotterie. Zwanzig Teilnehmer zahlen je 100 Millionen Lire für ein Los, der Hauptgewinn ist Francesca selbst – vier Jahre Zusammenleben, mit allen sich daraus ergebenden Rechten. Die Lose sind schnell vergriffen. Doch dann tritt Antonio in ihr Leben, ein aufrechter, ehrlicher Mann, der ihre Gefühle weckt – und alles komplizierter macht.
Es ist eine Prämisse, die sowohl zur Tragikomödie als auch zum Melodrama taugt, und Regisseur Francesco Laudadio bedient sich an beiden Enden des Spektrums.
Stärken: Bellucci trägt den Film
Der Film steht und fällt mit seiner Hauptdarstellerin – und Monica Bellucci trägt ihn mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Für einen Erstlingsauftritt zeigt sie eine Präsenz und Reife, die weit über das bloße Vorführen ihrer Schönheit hinausgeht. Francesca ist keine passive Figur, die auf ihr Schicksal wartet: Sie handelt, kalkuliert, kämpft. Bellucci gibt ihr eine innere Zerrissenheit, die dem Film seinen emotionalen Kern verleiht – das Spannungsfeld zwischen Pragmatismus und dem Wunsch nach echter Zuneigung.
Die Chemie zwischen Bellucci und Giulio Scarpati als Antonio funktioniert gut; die Szenen, in denen sich Francescas Haltung langsam wandelt, gehören zu den stärksten des Films. Auch das süditalienische Ambiente verleiht der Geschichte eine warme, lebhafte Atmosphäre, die zwischen Sommerkomödie und bitterem Sittengemälde changiert.
Schwächen: Uneinheitliche Tonalität
La Riffa ist kein makellos inszenierter Film. Laudadio schwankt im Drehbuch und in der Regie spürbar zwischen komödiantischen Elementen und ernsthafteren Reflexionen über die gesellschaftliche Lage einer Frau, die buchstäblich zum Objekt ihrer eigenen Rettung wird. Diese Grundspannung ist durchaus interessant – aber der Film entschärft sie zu häufig durch leichten Humor, statt sie wirklich auszuloten. Die feministische Lesart, die das Sujet erlauben würde, bleibt weitgehend ungenutzt.
Die Nebenrollen sind solide, aber wenig dreidimensional, und der dramaturgische Bogen des letzten Drittels wirkt etwas abrupt. Wer einen tiefgründigen Arthouse-Film erwartet, wird enttäuscht sein. La Riffa ist Unterhaltungskino mit gelegentlichen Ambitionen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Blu-ray: Technik und Bonusmaterial
Die Busch Media Group präsentiert den Film in einer soliden Blu-ray-Ausstattung. Angesichts des Alters des Films und des Umstands, dass es sich um die erste offizielle deutsche Veröffentlichung handelt, ist das Bild erfreulich ansehnlich. Das Bonusmaterial fällt überschaubar aus: Eine Trailershow, der Originaltrailer sowie ein Wendecover sind enthalten. Letzteres ist eine nette Geste für Sammler, bleibt inhaltlich aber natürlich ohne Mehrwert. Filmkenner hätten sich ein Making-of oder zumindest ein Interview mit Bellucci gewünscht – gerade weil der historische Wert dieses Debütfilms ein solches Dokument durchaus gerechtfertigt hätte.
Fazit
La Riffa ist kein großes Kino, aber ein höchst interessantes Zeitdokument – und vor allem ein unentbehrliches Stück Filmgeschichte für alle, die Monica Bellucci von Anfang an erleben wollen. Sie zeigt bereits in diesem frühen Werk, warum sie zur Ikone werden sollte: Nicht allein wegen ihrer außergewöhnlichen Ausstrahlung, sondern weil hinter der Schönheit eine Schauspielerin steckt, die ihren Figuren echtes Leben einhaucht. Dass der Film nun erstmals in Deutschland erhältlich ist, ist ein willkommener Anlass, diese Entdeckung nachzuholen.
Für Bellucci-Fans unverzichtbar. Für alle anderen ein gefälliges, kurzweiliges Erotik-Drama mit echtem Charme – und dem seltenen Vergnügen, eine Weltkarriere ganz am Anfang zu beobachten.
La Riffa | Italien 1991 | Regie: Francesco Laudadio | Darsteller: Monica Bellucci, Giulio Scarpati, Massimo Ghini | Laufzeit: ca. 89 Minuten | Blu-ray: Busch Media Group | Bonusmaterial: Trailershow, Originaltrailer, Wendecover