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Misdirection: Rache sitzt tief

Mit „Misdirection: Rache sitzt tief“ inszeniert Kevin Lewis nach seinem grell-bizarren Ausflug in Willy’s Wonderland einen deutlich geerdeteren, aber nicht minder nervenaufreibenden Thriller. Der Home-Invasion-Stoff entfaltet sich als perfides Kammerspiel, das mit jeder Wendung an psychologischer Schärfe gewinnt – und liegt nun in einer sehenswerten Blu-ray-Edition von Meteor Film vor.


Im Zentrum steht ein klassisches Setup: Sara und Jason planen ihren letzten großen Coup. Der Einbruch in die Villa des prominenten Strafverteidigers David soll alle Schulden tilgen. Ein scheinbar einfacher Job – doch als David unerwartet früh nach Hause kommt, kippt die Situation. Was folgt, ist eine lange Nacht, in der sich Machtverhältnisse verschieben, Allianzen bröckeln und die Grenzen zwischen Opfer und Täter zunehmend verschwimmen.


Lewis spielt virtuos mit Erwartungshaltungen. Was als routinierter Einbruch beginnt, wird schnell zum paranoiden Katz-und-Maus-Spiel. Der Film lebt weniger von exzessiver Action als von psychologischer Manipulation und überraschenden Twists. Immer wieder entzieht der Regisseur dem Publikum den sicheren Boden unter den Füßen – ganz im Sinne eines „Mindfuck“-Thrillers, der sein Vergnügen aus Täuschung und Perspektivwechseln zieht.


Darstellerisch überzeugt vor allem Olga Kurylenko als undurchsichtige Sara. Zwischen Verletzlichkeit und eiskalter Entschlossenheit changierend, verleiht sie der Figur eine faszinierende Ambivalenz. Frank Grillo bringt als Hausherr eine bedrohliche Körperlichkeit ins Spiel, während Oliver Trevena als Jason die nervöse Energie des zunehmend überforderten Komplizen verkörpert. Das Zusammenspiel der drei ist das eigentliche Kraftzentrum des Films: ein permanentes Kräftemessen, das jederzeit zu explodieren droht.


Visuell setzt Lewis auf eine stilisierte, kontrastreiche Bildsprache. Die nächtliche Villa wird zum klaustrophobischen Labyrinth, in dem Licht und Schatten moralische Grauzonen spiegeln. Die Inszenierung bleibt dabei straff und temporeich; Leerlauf entsteht kaum, auch wenn einige Wendungen bewusst überzeichnet wirken. Doch gerade diese kalkulierte Übertreibung verleiht dem Film seinen pulstreibenden Reiz.


Die neue Blu-ray von Meteor Film präsentiert „Misdirection: Rache sitzt tief“ in sehr guter Bildqualität mit satten Schwarzwerten und klarer Detailzeichnung – ein wichtiger Faktor bei einem Thriller, der so stark mit Dunkelheit und visuellen Nuancen arbeitet. Auch akustisch entfaltet der Film seine Spannung effektiv: Dialoge bleiben präzise verständlich, während Musik und Sounddesign die bedrohliche Atmosphäre wirkungsvoll verdichten.


„Misdirection: Rache sitzt tief“ ist kein revolutionärer Beitrag zum Genre, aber ein packend inszenierter Thriller mit starken Performances und genügend fiesen Pointen, um Genrefans bei Laune zu halten. Kevin Lewis beweist, dass er nicht nur schrille Horror-Exzesse beherrscht, sondern auch das kontrollierte Spiel mit psychologischer Spannung – ein intensiver Pulstreiber für eine dunkle Filmnacht.