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Deadpool Heft 16

Deadpool 16 – Rache, Adamantium und eine Portion schwarzer Humor


Es gibt Comicfiguren, die einfach funktionieren. Immer. Deadpool gehört dazu. Der Söldner mit der großen Klappe, dem kaputten Kopf und der noch kaputter en Moral hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass er sowohl als Parodie auf das Superheldengenre als auch als ernstzunehmende Actionfigur bestehen kann – manchmal sogar beides gleichzeitig. Panini Comics setzt die laufende Deadpool-Reihe mit Heft 16 fort und präsentiert dabei zwei Ausgaben der amerikanischen Deadpool-Serie von 2024, nämlich die Hefte 13 und 14, in gewohnt kompakter Form.


Cody Ziglar hat die Deadpool-Serie in den letzten Heften mit einer klaren Handschrift versehen: Er nimmt den Charakter ernst genug, um echte Konsequenzen zuzulassen, lässt aber nie den Witz zu kurz kommen, der Deadpool zu Deadpool macht. Die Prämisse dieser Ausgabe ist dabei so klassisch wie effektiv. Wade Wilson wurde tatsächlich getötet – von Death Grip, einem diabolischen Kultanführer, der offenbar die Mittel hatte, selbst den unsterblichsten aller Söldner dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen. Dass Deadpool nun wieder lebt, ist weniger eine Überraschung als eine Erleichterung, und Ziglar nutzt diese Ausgangssituation clever, um Wade in bester Laune auf Rachefeldzug zu schicken.


Der erste Stopp auf diesem Rachefeldzug führt ihn zu Solem, jenem Mutanten mit der unverwüstlichen Adamantium-Haut, der dem ganzen Schlamassel überhaupt erst seinen Lauf gegeben hat, indem er Death Grip die berühmte Muramasa-Klinge überließ. Für Leser, die die Muramasa-Klinge aus anderen Marvel-Zusammenhängen kennen – sie taucht immer wieder in Wolverine-nahen Geschichten auf und gilt als eine der wenigen Waffen, die Heilfaktoren auszuhebeln vermögen – ist allein diese Einbettung ein schönes Stück Marvel-Mythologie. Ziglar spielt damit geschickt, ohne die Geschichte in reines Fan-Service-Territorium abgleiten zu lassen.


Was diese Ausgabe besonders macht, ist der Rhythmus. Ziglar wechselt souverän zwischen knallharten Actionsequenzen und Momenten, in denen Deadpool seinem inneren Monolog freien Lauf lässt – und genau in diesen Momenten zeigt sich, warum der Charakter so langlebig ist. Wade ist nicht einfach nur lustig. Er ist auf eine sehr spezifische Art kaputt, und diese Kaputtheit macht ihn menschlicher als viele Helden, die nach außen hin weitaus gesünder wirken. Ziglars Dialoge treffen den richtigen Ton, ohne in billiges Klamauk-Territorium abzurutschen.


Zeichnerisch liefert Roge Antonio solide, flüssige Arbeit ab. Sein Stil ist energetisch und actionorientiert, die Panels haben Drive und die Kämpfe lesen sich dynamisch. Antonio versteht es, Deadpools Körpersprache – dieses übertriebene, fast cartoonhafte Agieren – visuell überzeugend umzusetzen, ohne dabei die ernsten Momente der Geschichte zu untergraben. Die Farbgebung ist kräftig und kontrastreich, was dem Heft eine angenehm direkte visuelle Energie verleiht. Wer sehr detailverliebte, kleinteilige Zeichnungen bevorzugt, könnte Antonios etwas breiteren Stil als zu skizzenhaft empfinden – für das Tempo und den Ton dieser Geschichte passt er jedoch gut.


Mit 48 Seiten fällt dieses Heft etwas schmaler aus als manch andere Ausgaben der Panini-Reihe, enthält dafür aber zwei vollständige Serienhefte, die zusammen einen befriedigenden Handlungsbogen bilden. Der Einstieg mitten in einen laufenden Storyarc setzt dabei durchaus etwas Vorwissen voraus. Wer Deadpool 16 ohne die vorangegangenen Hefte zur Hand nimmt, wird die Grundsituation zwar dank der kompakten Inhaltsangabe erfassen, aber den vollen emotionalen und erzählerischen Kontext erst nach einigen Seiten greifen. Für treue Leser der Reihe ist das selbstverständlich kein Problem.


Fazit: 

Deadpool 16 ist kurzweilige, gut gelaunt-bösartige Unterhaltung, die zeigt, dass Cody Ziglar ein gutes Gespür für den Charakter mitbringt. Rache, schwarzer Humor, Adamantium und eine Prise Marvel-Mythologie ergeben ein solides Serienpaket, das Deadpool-Fans nicht enttäuschen wird. Wer die Reihe verfolgt, greift bedenkenlos zu. Neueinsteiger sollten am besten von vorne beginnen – aber das ist bei laufenden Serien nun einmal so.