Dungeons & Dragons: Das Buch der Drachen
von Michael Witwer
DK Verlag · Hardcover · Drachenhaut-Einband
Autor: Michael Witwer
Verlag: DK (Dorling Kindersley)
Originaltitel: D&D: Book of Dragons
Ein Buch, das man anfassen will, bevor man es aufschlägt
Es gibt Bücher, die man kauft. Und es gibt Bücher, die man besitzen will – die man in die Hand nimmt und schon beim ersten Kontakt spürt, dass hier jemand an alles gedacht hat. Das Buch der Drachen gehört zur zweiten Kategorie. Der Einband in Drachenhaut-Optik ist kein Marketingversprechen, sondern tatsächlich ein haptisches Erlebnis: strukturiert, leicht glänzend, unverkennbar schuppig. Wer das Buch in ein Regal stellt, stellt etwas Besonderes ins Regal. Wer es verschenkt, verschenkt mehr als ein Buch.
Aber fangen wir von vorne an.
Inhalt: Die Drachen des D&D-Universums, endlich versammelt
Das Dungeons & Dragons-Universum ist seit Jahrzehnten bevölkert von Drachen aller Art – chromatischen und metallischen, guten und bösen, uralten und halbvergessenen. Vieles davon war bislang über Regelwerke, Abenteuerbände und Lore-Texte verstreut. Das Buch der Drachen versammelt das Bedeutendste davon in einem einzigen, prachtvoll gestalteten Band.
Erzählt wird das Ganze aus einer besonders klugen Perspektive: aus der Sicht der Drachengötter Tiamat und Bahamut, den mächtigen Antipoden des D&D-Kosmos – sie verkörpern das Böse und das Gute, das Chaotische und das Gerechte. Durch diesen erzählerischen Rahmen wird das Buch mehr als ein bloßes Lexikon. Es wird zur Drachenkunde aus erster Hand, zur Mythologie von innen. Das verleiht jedem Porträt eine Stimme, eine Haltung, eine Perspektive – und hebt den Band weit über ein reines Nachschlagewerk hinaus.
Versammelt sind die bedeutendsten Drachen des Universums: vom uralten roten Dämonendrachen Ashardalon, dessen Name in Abenteuerkreisen Schauer auslöst, über den goldenen Großwyrm Protanther bis zur melancholischen Geisterdrachendame Miirym. Auch der Eisige Tod – einer der gefürchtetsten weißen Drachen – bekommt sein Porträt. Jede Kreatur wird mit Herkunft, Kräften und Legenden vorgestellt. Wer diese Drachen bisher nur aus dem Spiel kannte, lernt sie hier in einer Tiefe kennen, die das nächste Abenteuer unweigerlich reicher macht.
Gestaltung: Illustration als Kunstform
Ein Buch über Drachen steht und fällt mit seinen Illustrationen – und hier liefert Das Buch der Drachen auf ganzer Linie. Die Bilder sind spektakulär. Nicht im Sinne von laut oder überladen, sondern im buchstäblichen Wortsinn: Sie erzeugen Staunen.
Jeder Schuppenpanzer ist durchdacht, jede Flügelspitze mit Sorgfalt gezeichnet, jede finstere Silhouette so komponiert, dass die Größe und Macht der Wesen körperlich spürbar wird. Chromatische Drachen in Schwarz, Rot, Blau, Grün und Weiß strahlen Bedrohung aus; metallische in Gold, Silber, Bronze und Kupfer eine schwere, fast königliche Würde. Die Edelsteindrachen – eine vergleichsweise junge Kategorie im D&D-Kosmos – schimmern in einer Magie eigener Art.
Das Layout fügt sich den Bildern unter, ohne zu verschwinden. Texte und Illustrationen sind in einem Rhythmus arrangiert, der das Blättern zu einem eigenen Erlebnis macht. Dieses Buch liest man nicht nur – man schaut es an, und beides zusammen ergibt mehr als die Summe der Teile.
Für wen ist dieses Buch?
Die ehrliche Antwort: für sehr viele Menschen.
Für den D&D-Spieler, der die Lore vertiefen will. Für die Dungeon Masterin, die einen Drachen für ihre Kampagne sucht und ihn nun mit echter Geschichte, mit Charakter und Mythos ausstatten kann. Für den Fantasy-Fan, der nie eine Runde D&D gespielt hat, aber Drachen seit Kindheitstagen liebt. Und natürlich für alle, die einfach ein außergewöhnlich schönes, außergewöhnlich gemachtes Buch ihr Eigen nennen wollen.
Als Geschenk ist Das Buch der Drachen nahezu unschlagbar. Der Einband allein rechtfertigt das Auspacken. Der Inhalt rechtfertigt alles andere.
Michael Witwer: Ein Autor, der sein Universum kennt
Michael Witwer ist kein Außenseiter, der sich dem D&D-Universum von außen nähert. Als ausgewiesener Kenner der Geschichte und Welt von Dungeons & Dragons – bekannt unter anderem durch Empire of Imagination, seine Biografie über D&D-Mitbegründer Gary Gygax – bringt er die nötige Tiefe mit, um Drachen nicht nur zu beschreiben, sondern zu verstehen. Das merkt man. Die Texte sind kompetent, flüssig und liebevoll geschrieben – nie trocken, nie beliebig.
Fazit: Prachtvoll, substanziell, unverzichtbar
Das Buch der Drachen ist das, was ein offizielles D&D-Kompendium sein sollte: inhaltlich tief, gestalterisch makellos und als physisches Objekt ein Genuss. Es ehrt die Kreaturen, über die es schreibt – und es ehrt die Spielerinnen und Spieler, die sich seit Jahrzehnten für diese Welt begeistern.
Ob man es zum Nachschlagen nutzt, zum Vorlesen, zum Staunen oder einfach zum Aufstellen – dieses Buch macht jede dieser Optionen zu einem Vergnügen.
★★★★★ – Uneingeschränkte Empfehlung
Für Abenteurer, Rollenspieler und alle, die Drachen für die würdigsten Wesen der Fantasy-Literatur halten. Zurecht.