Der Comicband Wolverine & Kitty Pryde: Die böse alte Zeit, erschienen bei Panini, ist eine ebenso nostalgische wie behutsam erneuerte Rückkehr zu einem der emotional prägendsten Kapitel der X-Men-Geschichte. Mit dieser neuen Story knüpft Chris Claremont, einer der einflussreichsten Autoren der X-Historie, direkt an seine legendäre Miniserie Kitty Pryde and Wolverine an und beweist, dass die dort angelegten Themen auch Jahrzehnte später nichts von ihrer erzählerischen Kraft verloren haben.
Im Zentrum steht Kitty Pryde, die nach ihrer Befreiung aus dem manipulativen und zerstörerischen Einfluss von Logans früherem Lehrmeister Ogun mit den psychischen Nachwirkungen ihrer Gehirnwäsche ringt. Claremont nimmt sich Zeit für diese Verletzlichkeit und verzichtet bewusst darauf, Kitty sofort wieder als unerschütterliche Heldin zu zeigen. Stattdessen zeichnet er das Bild einer jungen Frau, die mit Schuldgefühlen, Angst und Identitätsfragen kämpft. Der Aufenthalt in Japan, der bereits in der ursprünglichen Miniserie eine zentrale Rolle spielte, wird hier erneut zum Schauplatz innerer Heilung – aber auch neuer Bedrohungen.
Die Beziehung zwischen Kitty und Wolverine bildet dabei das emotionale Rückgrat der Geschichte. Logan erscheint weniger als unaufhaltsame Kampfmaschine, sondern als Beschützer, Mentor und jemand, der selbst nur zu gut weiß, wie lange Schatten die Vergangenheit werfen kann. Die Einbindung von Mariko Yashida, Wolverines großer Liebe, verleiht dem Band zusätzliche Tiefe und emotionale Wärme. In ihrer Obhut versucht Kitty, zur Ruhe zu kommen, während die familiäre Nähe zu ihrem Vater einen weiteren, oft unterschätzten Ankerpunkt darstellt. Diese leisen, zwischenmenschlichen Momente gehören zu den größten Stärken des Comics.
Gleichzeitig ruht sich Die böse alte Zeit keineswegs auf Nostalgie aus. Eine geheimnisvolle Macht tritt auf den Plan und bedroht nicht nur Kitty und Logan, sondern auch ihr Umfeld. Claremont versteht es, Spannung langsam aufzubauen und dabei klassische X-Men-Motive wie Schuld, Verantwortung und die Unausweichlichkeit der Vergangenheit miteinander zu verweben. Besonders reizvoll ist die Idee, ausgerechnet einen alten Feind in eine Schlüsselrolle zu bringen, der für eine unerwartete Wendung sorgt und die moralischen Grauzonen der Geschichte weiter vertieft.
Die enthaltenen Ausgaben Wolverine and Kitty Pryde (2025) 1–5 fügen sich zu einem geschlossenen Erzählbogen zusammen, der sich sowohl an langjährige Fans als auch an neue Leserinnen und Leser richtet. Kenner der ursprünglichen Miniserie werden zahlreiche inhaltliche und emotionale Verweise entdecken, während Neulinge problemlos Zugang zu den Figuren und Konflikten finden. Der Ton ist dabei klassisch Claremont: dialogreich, gefühlvoll und stark auf Charakterentwicklung fokussiert.
Insgesamt ist Wolverine & Kitty Pryde: Die böse alte Zeit eine gelungene Rückkehr zu einem ikonischen X-Men-Duo, die Vergangenheit und Gegenwart sensibel miteinander verbindet. Der Band überzeugt weniger durch spektakuläre Action als durch emotionale Tiefe, psychologische Feinzeichnung und das ehrliche Interesse an seinen Figuren. Für Fans von Wolverine, Kitty Pryde und klassischem X-Men-Storytelling ist diese Geschichte eine lohnende und berührende Lektüre.
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