DRAGONKIN: THE BANISHED – PS5 Review Drachenjagd mit Potenzial – aber auch mit spürbaren Grenzen
Es gibt Spiele, die von Anfang an so vertraut wirken, als hätte man sie schon hundert Mal gespielt – und dennoch gelingt es ihnen, einen in ihren Bann zu ziehen. Dragonkin: The Banished von Entwickler Eko Software und Publisher Nacon ist so ein Titel. Das isometrische Action-RPG, das im März 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC erschienen ist, wagt sich in ein überaus hart umkämpftes Genre und schlägt sich dabei besser als erwartet – wenn auch nicht ohne Schwächen.
Die Welt von Dragonkin ist von Drachenblut verseucht. Mächtige Dragon Lords sind zurückgekehrt und haben die einst friedliche Welt ins Chaos gestürzt. Als einer von vier legendären Drachenjägern ist es die Aufgabe des Spielers, die sich ausbreitende Korruption zurückzudrängen und die Verantwortlichen ein für alle Mal zur Strecke zu bringen. Das klingt nach vertrautem High-Fantasy-Stoff – und das ist es auch. Dragonkin erfindet das Rad nicht neu, dreht es aber mit spürbarem Handwerk und einigen frischen Ideen weiter.
Der erste Eindruck ist stark. Das Spiel beginnt mit einem der befriedigendsten Prologe, die das Genre zu bieten hat: Man steuert alle vier Klassen in ihrer maximal ausgebauten Form und erlebt die ursprüngliche Verbannung der Drachen nach. Das gibt dem Spieler einen faszinierenden Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird – welche Klasse zum eigenen Spielstil passt und wie sich echter Fortschritt anfühlen kann. Ein cleverer Kniff, der Lust auf mehr macht.
Die vier Heldenklassen – Knight, Oracle, Barbarian und Tracker – spielen sich spürbar verschieden und bedienen klassische Archetypen: vom feuerlanzenschwingenden Krieger über die elektrisierende Magierin bis hin zum kampfgehärteten Barbar. Jede Klasse hat ihre eigene Identität, ihre eigenen Fähigkeiten und – das ist entscheidend – ihr eigenes sogenanntes Ancestral Grid. Dieses Progressionssystem ist das kreativste Element des gesamten Spiels: Fähigkeiten werden als Beute aus Kämpfen gelooted und müssen strategisch in einem Raster platziert werden, das sich durch verschiedene Modifikatoren noch weiter verfeinern lässt. Das Grid ist das Herzstück des Spiels und liefert jenen taktischen Tiefgang, den Genre-Kenner erwarten. Wer Freude daran hat, Builds zu tüfteln und Synergien zu entdecken, wird hier bestens bedient.
Das Kampfsystem selbst ist der wohl stärkste Aspekt des gesamten Erlebnisses. Die Steuerung funktioniert tadellos: Schläge, Fähigkeiten und Bewegung fühlen sich flüssig und reaktionsschnell an, Treffer haben Gewicht, und Gegner fliegen beim Tod wuchtig durch die Luft – ein kleines, aber wirkungsvolles Detail, das sich nach jeder Auseinandersetzung befriedigend anfühlt. Auf der PS5 profitiert das Spiel von einer gelungenen Controller-Integration: Fähigkeiten sind komfortabel auf Gesichtstasten und Trigger verteilt, und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wirkt die Steuerung intuitiv und natürlich. Zur Wahl stehen außerdem zwei Kameramodi – eine nähere Action-Perspektive und die klassisch isometrische Ansicht – was unterschiedlichen Vorlieben entgegenkommt.
Besonders stark sind die Bosskämpfe. Die Begegnungen mit den Dragon Lords gehören zu den eindrucksvollsten Momenten, die das Spiel zu bieten hat. Die mächtigen Drachen sind wuchtig inszeniert und verleihen dem Kampf eine Intensität, die im regulären Spielgeschehen so nicht zu finden ist. Diese Höhepunkte sind es, die einen durch die weniger aufregenden Passagen tragen – und davon gibt es leider einige.
Denn Dragonkin kämpft auch mit einem der häufigsten Probleme seines Genres: Repetition. Zwar sind die verschiedenen Biome – Wälder, Dschungel, Sümpfe und verschneite Gebirge – optisch abwechslungsreich, doch innerhalb dieser Umgebungen fühlen sich viele Begegnungen monoton an. Welle um Welle ähnlicher Gegnertypen, unterbrochen von gelegentlichen Variationen wie dem Befreien von Geiseln oder dem Zerstören von Dracheneiern – aber auch dann warten zuvor immer dieselben Aufräumarbeiten. Wer irgendwann das Gefühl bekommt, einfach geradeaus durchzurennen, liegt damit nicht ganz falsch.
Die Stadtmechanik rund um den Hub Montescail fügt dem Spiel eine weitere Ebene hinzu, die jedoch etwas oberflächlich bleibt. Das Spiel wirbt mit einer Art Stadtentwicklung, doch in der Praxis wählt man lediglich zwischen vorgegebenen Upgrades – echtes Aufbau-Feeling mit Ressourcenmanagement oder freier Gestaltung stellt sich nie ein. Als Treffpunkt für den Koop-Modus funktioniert Montescail hingegen gut. Das gesamte Abenteuer lässt sich nämlich mit bis zu vier Spielern online bestreiten – vom ersten Schritt in der Stadt bis zu den Endgame-Aktivitäten auf den höheren Charakterstufen.
Erzählerisch bleibt Dragonkin hinter seinen Möglichkeiten zurück. Obwohl das Worldbuilding gelegentlich auf etwas Substanzielleres hindeutet – mit einem Rat mächtiger Anführer und politischen Spannungen innerhalb der letzten menschlichen Bastion – bleibt der Spielercharakter stumm und distanziert, was es schwer macht, sich wirklich in die Geschichte hineingezogen zu fühlen. Die Erzählung überhäuft den Spieler mit Namen, Begriffen und Orten, ohne diese jemals wirklich greifbar zu machen. Die Nebencharaktere machen eine deutlich bessere Figur: Jorn etwa, ein fast wikingerhafter Barbar, wird in gemeinsamen Missionen glaubwürdig motiviert – nicht aus Heldenmut, sondern aus persönlicher Eitelkeit. Diese Momente sind ehrlich gesagt unterhaltsamer als weite Teile der Haupthandlung.
Technisch präsentiert sich das Spiel auf der PS5 ordentlich, ohne besonders beeindruckend zu sein. Die Umgebungen wechseln zwischen üppigem Dschungel und karger Ödnis, gefrorenen Landschaften und zerstörten Siedlungen – das trägt dazu bei, die optische Monotonie eines reinen Dungeon-Crawlers zu durchbrechen. Gegnerdesigns und Zaubereffekte sind solide, hinterlassen aber selten bleibenden Eindruck. Der Soundtrack folgt einem ähnlichen Muster: funktional und gelegentlich atmosphärisch, neigt bei längeren Spielsessions jedoch zur Wiederholung. Zwei Grafikoptionen – Quality für Auflösung und Performance für eine höhere Bildrate – erlauben zumindest eine grundlegende Anpassung nach eigenem Geschmack.
Unterm Strich ist Dragonkin: The Banished ein ehrliches, solides Action-RPG, das mit dem richtigen Publikum sehr gut funktioniert. Wer die Genre-Schwergewichte wie Diablo als zu komplex oder zu umfangreich empfindet, findet hier eine zugängliche und dennoch spieltiefe Alternative. Das Spiel deutet immer wieder an, wie gut es sein könnte – das Progressionssystem zeigt echte Kreativität, der Kampf ist befriedigend genug, um weiterzumachen, und die Dragon-Lord-Begegnungen liefern echte Highlights. Gleichzeitig gelingt es dem Spiel nicht vollständig, sich von den Platzhirschen des Genres abzugrenzen. Zu einem Preis von knapp 40 Euro ist Dragonkin jedoch ein überschaubares Risiko für alle, die Lust auf eine neue Drachenjagd haben – auch wenn die großen Titanen des Genres vorerst auf ihren Thronen sitzen bleiben.