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Mit Ghostly Whiskers für die PlayStation 5 gelingt ein ungewöhnlich einfühlsames Abenteuer, das sanften Grusel mit emotionaler Wärme verbindet. Statt mutiger Held*innen oder bewaffneter Geisterjäger stehen hier zwei Katzen im Mittelpunkt, deren geliebter Mensch spurlos im Nebel verschwunden ist. Was zunächst wie ein charmantes Indie-Konzept wirkt, entfaltet sich schnell zu einer atmosphärisch dichten Reise durch ein Haus, das mehr zu beobachten scheint, als man ihm zutraut.


Das Herzstück des Spiels ist die Erkundung einer geheimnisvollen Villa, die in jedem Raum ihre eigene Geschichte erzählt. Die Umgebung wirkt lebendig, beinahe atmend, und lebt von kleinen Details, flackernden Lichtern und leisen Geräuschen, die eine konstant gespannte, aber nie erdrückende Stimmung erzeugen. Der Horror bleibt bewusst „soft“ – es geht weniger um Schockmomente als um unterschwellige Unruhe, Melancholie und Neugier. Gerade diese Zurückhaltung macht den Reiz aus und sorgt dafür, dass sich Ghostly Whiskers auch für Spieler*innen eignet, die sonst einen Bogen um Horrorspiele machen.
Spielmechanisch nutzt der Titel seine feline Perspektive clever aus. Als Katze schlüpft man durch enge Spalten, erklimmt Möbelstücke und folgt Geruchsspuren, um Erinnerungsfragmente und Hinweise aufzuspüren. Diese Fähigkeiten fühlen sich nicht wie ein Gimmick an, sondern sind sinnvoll in Rätsel und Leveldesign integriert. Besonders gelungen ist der Einsatz der Taschenlampe, die weit mehr offenbart als nur den Weg durch die Dunkelheit. Verborgene Symbole, geisterhafte Schemen und Fragmente der Vergangenheit tauchen erst im Licht auf und laden dazu ein, jede Ecke aufmerksam zu untersuchen.


Ein großes Plus ist der optionale lokale Koop-Modus im Splitscreen. Gemeinsam mit einer zweiten Person zu spielen, verstärkt nicht nur den spielerischen Aspekt der Rätsel, sondern auch die emotionale Bindung zwischen den beiden Katzen. Kleine Momente des Zusammenspiels, gegenseitige Hilfe und geteilte Spannung verleihen dem Abenteuer eine besondere Intimität, die solo zwar ebenfalls funktioniert, im Koop aber noch intensiver wirkt.


Technisch zeigt sich die PS5-Version solide und stimmungsvoll. Ladezeiten sind kurz, die Beleuchtungseffekte kommen gut zur Geltung, und die ruhige, zurückhaltende Musik unterstützt die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Das Spieltempo ist bewusst gemächlich, was hervorragend zur erzählerischen Ausrichtung passt, aber Geduld voraussetzt.


Ghostly Whiskers ist kein lautes, actionreiches Spiel, sondern ein leiser, gefühlvoller Titel über Loyalität, Mut und das Band zwischen Mensch und Tier. Wer sich auf diese entschleunigte Mischung aus Erkundung, Rätseln und emotionaler Erzählung einlässt, wird mit einem besonderen Erlebnis belohnt, das lange nachhallt. Ein kleines, aber bemerkenswertes Abenteuer, bei dem am Ende nicht der Schrecken, sondern die Liebe im Gedächtnis bleibt.