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„Look Mum No Computer“ ist eines jener Spiele, die sich konsequent weigern, in bekannte Schubladen zu passen – und gerade dadurch eine eigenständige Faszination entfalten. Als Twin-Stick-Shooter mit Action-RPG-Elementen, musikalischem Experimentierkasten und liebevoll-chaotischem Pixel-Art-Abenteuer verbindet es Mechanik, Sound und Stil zu einem ungewöhnlich organischen Gesamterlebnis. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Hier geht es nicht nur um Reflexe und Loot, sondern um Rhythmus, Kreativität und den spielerischen Dialog zwischen Technik und Musik.


Das Herzstück des Spiels ist seine interaktive Musik. Anders als in klassischen Actiontiteln dient der Soundtrack nicht bloß als Hintergrundkulisse, sondern entsteht direkt aus dem Gameplay. Die Synthesizer-Module, die man craftet und upgradet, sind gleichzeitig Waffen, Werkzeuge und Instrumente. Jede Entscheidung im Baukasten verändert nicht nur die Effektivität im Kampf, sondern auch den Klang der Welt. Dieses Konzept wirkt nicht wie ein aufgesetztes Gimmick, sondern wie eine konsequent durchdachte Designidee, die sich in jeder Spielminute bemerkbar macht. Wer Freude daran hat, mit Klangfarben zu experimentieren, findet hier eine seltene Form spielerischer Selbstentfaltung.


Spielerisch bleibt „Look Mum No Computer“ dabei erstaunlich zugänglich. Die Twin-Stick-Steuerung fühlt sich präzise an, die Kämpfe sind dynamisch und fordernd, ohne unfair zu wirken. Besonders gelungen ist die Balance zwischen Action und Experimentierfreude: Man kann sich in hektische Gefechte stürzen, aber ebenso Zeit investieren, um neue Module zu basteln und den eigenen Spielstil zu verfeinern. Das DIY-Crafting-System passt perfekt zur thematischen DNA des Spiels – Basteln, Schrauben, Improvisieren – und vermittelt ein Gefühl von kreativer Kontrolle, das man in dieser Form selten erlebt.


Die Welt von Soldersworth ist ein weiteres Highlight. Die Pixel-Art-Landschaften im Inneren von Geräten sind nicht nur visuell abwechslungsreich, sondern voller skurriler Ideen und grotesker Kreaturen. Von säurespuckenden Kondensatoren bis zu absurd-humorvollen Gegnern wie untotem Brokkoli entfaltet das Spiel eine verspielte Fantasie, die irgendwo zwischen Retro-Charme, britischem Humor und surrealem Techno-Märchen angesiedelt ist. Quests und Bosskämpfe sorgen dafür, dass die Erkundung nie zur bloßen Kulisse verkommt, sondern narrativ und spielmechanisch motiviert bleibt.


Auch erzählerisch setzt das Spiel weniger auf klassische Dramaturgie als auf Atmosphäre. Die Reise mit Sam und seinem Synthesizer-Gefährten Kosmo wirkt wie ein musikalischer Roadtrip durch eine Welt, in der Maschinen lebendig geworden sind und Emotionen in Schaltkreisen stecken. Diese Mischung aus Chaos, Humor und Melancholie verleiht dem Abenteuer eine eigene Identität, die besonders Musikliebhaber anspricht, aber auch Retro-Fans und Indie-Spieler begeistert.


Technisch zeigt sich die PS5-Version solide. Ladezeiten sind kurz, die Steuerung reaktionsschnell, und die audiovisuelle Präsentation wirkt stimmig. Gerade der Sound profitiert von der Hardware: Die dynamischen Beats entfalten eine Tiefe, die man mit guten Kopfhörern oder einer ordentlichen Anlage besonders intensiv erlebt. Kleine Schwächen gibt es dennoch: Nicht jede Gameplay-Idee ist perfekt ausbalanciert, und gelegentlich wirkt das Chaos der Mechaniken etwas überladen. Doch genau dieses Übermaß gehört auch zum Charakter des Spiels.


Unterm Strich ist „Look Mum No Computer“ kein Mainstream-Titel, sondern ein kreatives Statement. Es richtet sich an Spielerinnen und Spieler, die Lust auf Experimente haben, die Musik nicht nur hören, sondern spielen wollen und die Freude an ungewöhnlichen Ideen schätzen. Wer sich auf dieses verrückte Zusammenspiel aus Shooter, RPG und elektronischem Klanglabor einlässt, erlebt ein Abenteuer, das weniger nach Konvention und mehr nach Leidenschaft klingt – ein Spiel, das man nicht einfach konsumiert, sondern miterfindet.