MIO: Memories in Orbit (PS5) – Review
Ein melancholisches Metroidvania zwischen Schönheit, Einsamkeit und Präzision
Mit MIO: Memories in Orbit liefern Focus Entertainment und das französische Studio Douze Dixièmes ein Metroidvania ab, das sich weniger über bombastische Action definiert, sondern über Atmosphäre, Entdeckungslust und emotionale Zwischentöne. Auf der PlayStation 5 entfaltet das Sci-Fi-Adventure eine eigene Identität – irgendwo zwischen poetischer Erkundung, anspruchsvollem Platforming und klassischem Genre-Design.
Eine Reise durch die Ruinen eines verlorenen Raumschiffs
Die Geschichte beginnt leise. Spieler erwachen als Android MIO auf der „Vessel“, einem gigantischen, verlassenen Raumschiff, das ziellos durch das All treibt. Statt langer Erklärungen setzt das Spiel auf subtile Erzählweise: Fragmente der Vergangenheit, visuelle Hinweise und kryptische Begegnungen zeichnen nach und nach ein Bild dessen, was hier einst geschah.
Diese narrative Zurückhaltung funktioniert erstaunlich gut. Die Vessel wirkt nicht wie ein bloßes Leveldesign, sondern wie ein eigener Charakter – ein Ort voller Erinnerungen, Gefahren und melancholischer Schönheit. Wer aufmerksam erkundet, entdeckt nicht nur neue Wege, sondern auch emotionale Spuren einer vergessenen Zivilisation.
Gameplay: Klassisches Metroidvania mit modernem Feinschliff
Spielerisch orientiert sich MIO klar am klassischen Metroidvania-Prinzip. Neue Fähigkeiten öffnen zuvor unerreichbare Bereiche, Abkürzungen verknüpfen die Karte, und die Welt entfaltet sich Stück für Stück. Dabei setzt das Spiel stark auf präzises Platforming: Sprünge, Dashs, Wandläufe und Luftmanöver verlangen Timing und Konzentration.
Die Kämpfe sind dynamisch, aber nie überladen. Gegner wirken oft wie fehlerhafte Maschinen oder bizarre Kreaturen, deren Bewegungsmuster gelernt werden müssen. Bosskämpfe sind selten spektakulär im Sinne von Effektgewitter, dafür aber taktisch anspruchsvoll und atmosphärisch inszeniert.
Besonders gelungen ist das Fortschrittssystem. Neue Fähigkeiten fühlen sich nicht wie bloße Werkzeuge an, sondern verändern spürbar den Spielstil. Mods und Upgrades erlauben es, MIO an die eigene Spielweise anzupassen – ob offensiv, defensiv oder mobilitätsorientiert.
Herausforderung statt Komfort
MIO: Memories in Orbit nimmt seine Spieler ernst – und das bedeutet auch, dass es kaum Hilfestellungen gibt. Die Karte ist bewusst fragmentiert, Hinweise sind selten, und viele Wege müssen durch Experimentieren entdeckt werden. Das sorgt für echte Entdeckungsmomente, kann aber Einsteiger gelegentlich frustrieren.
Der Schwierigkeitsgrad steigt kontinuierlich an. Besonders in späteren Abschnitten verlangt das Spiel präzises Movement und schnelle Reaktionen. Fehler werden nicht gnadenlos bestraft, aber spürbar – was die Erfolge umso befriedigender macht.
Atmosphäre als größter Trumpf
Die größte Stärke von MIO ist seine audiovisuelle Präsentation. Der Grafikstil wirkt wie eine Mischung aus Graphic Novel, Anime und klassischer Sci-Fi-Ästhetik. Jede Szene ist sorgfältig komponiert: überwucherte Metallgänge, flackernde Lichter, fremdartige Maschinen – die Vessel wirkt zugleich wunderschön und bedrohlich.
Der Soundtrack verstärkt diesen Eindruck enorm. Ambient-Klänge, Synthesizer und chorale Elemente schaffen eine dichte, fast hypnotische Stimmung. Musik und Bild verschmelzen zu einem Erlebnis, das lange im Gedächtnis bleibt – ein seltenes Qualitätsmerkmal im Genre.
Technik und PS5-Umsetzung
Auf der PlayStation 5 läuft MIO: Memories in Orbit technisch sauber. Ladezeiten sind kurz, die Performance stabil, und die Steuerung präzise. Besonders das responsive Gameplay profitiert von der flüssigen Darstellung – ein entscheidender Faktor bei einem Spiel, das stark auf Timing setzt.
Grafisch ist MIO kein High-End-Titel im Sinne realistischer Technikdemonstrationen, doch sein Stil ist bewusst gewählt und konsequent umgesetzt. Genau dadurch hebt es sich von vielen anderen Indie-Metroidvanias ab.
Schwächen im Detail
So überzeugend die Atmosphäre und das Gameplay sind, ganz ohne Kritik bleibt das Spiel nicht. Die Story bleibt bewusst fragmentarisch, was nicht jeder Spieler als Stärke empfinden wird. Einige Areale ähneln sich visuell, und manche Gegner wirken eher funktional als erinnerungswürdig. Zudem könnte die Balance zwischen Erkundung und Orientierung an manchen Stellen etwas zugänglicher sein.
Fazit: Ein leises, aber starkes Metroidvania
MIO: Memories in Orbit ist kein lautes, spektakuläres Actionspiel – sondern ein poetisches Sci-Fi-Abenteuer, das Geduld, Neugier und Können belohnt. Wer Metroidvanias liebt und Wert auf Atmosphäre, künstlerischen Stil und anspruchsvolles Gameplay legt, findet hier einen der interessantesten Genrevertreter der letzten Zeit.
Für 19,99 € bietet das Spiel ein bemerkenswert dichtes Erlebnis, das besonders auf der PS5 seine Stärken ausspielt. MIO ist ein Titel, der nicht sofort überwältigt, sondern langsam wächst – und gerade deshalb lange nachhallt.