Mit Postal: Brain Damaged hat das polnische Studio Hyperstrange der berüchtigten Postal-Reihe einen unerwarteten, aber erstaunlich gut funktionierenden Neustart verpasst. Statt der offenen Sandbox-Struktur früherer Teile wie Postal 2 setzt dieser Ableger komplett auf das Konzept eines rasanten Retro-Shooters. Das Spiel wirkt wie eine Mischung aus klassischem Arena-Shooter und einem völlig durchgedrehten Fiebertraum, der direkt aus dem Kopf des Postal Dude entspringt. Genau dort spielt die Handlung nämlich auch: im Geist des Protagonisten, was den Entwicklern erlaubt, mit surrealen Schauplätzen, grotesken Gegnern und überzogener Satire zu experimentieren. Auf der PlayStation 5 läuft das Ganze erfreulich flüssig und profitiert von einer sehr direkten Steuerung, die das schnelle Gameplay unterstützt.
Schon im Hauptspiel wird klar, dass sich Postal: Brain Damaged stark an klassischen Shootern wie Doom oder Quake orientiert. Statt Deckungssystemen und taktischem Vorgehen steht hier permanentes Movement im Mittelpunkt. Man sprintet durch Arena-artige Level, springt zwischen Plattformen, sucht nach Geheimnissen und leert Magazin um Magazin in Horden grotesker Gegner. Dabei sorgt vor allem das Waffenarsenal für einen großen Teil des Unterhaltungswerts. Typisch für die Reihe sind die Werkzeuge nämlich nicht nur effektiv, sondern auch maximal absurd. Der Spieler kann unter anderem mit der sogenannten Nyanbrella kämpfen, einem Sonnenschirm, der an einer schweren Bohrmaschine befestigt ist, oder mit der grotesk benannten Weiner-Grinder Shotgun, deren Funktionsprinzip man sich wohl besser nicht allzu genau vorstellt. Natürlich darf auch der legendäre Klassiker der Reihe nicht fehlen: die Piss Gun, mit der Gegner buchstäblich weggespült werden. Trotz aller Albernheit funktionieren diese Waffen spielerisch erstaunlich gut, denn viele besitzen alternative Feuermodi und unterschiedliche taktische Einsatzmöglichkeiten.
Der DLC These Sunny Daze baut genau auf diesen Stärken auf und liefert eine weitere Portion anarchischen Wahnsinns. Die Handlung ist bewusst so überzogen, dass sie fast schon wie eine Parodie auf sich selbst wirkt. Ein präsidialer Erlass verbietet plötzlich alle Rothaarigen und unterbricht damit den eigentlich entspannten Urlaub des Postal Dude. Statt sich mit dieser Situation abzufinden, greift er – ganz im Sinne der Reihe – einfach zur nächstbesten Waffe und zieht wieder in den Kampf. Der DLC erweitert das Spiel um neue halb offene Level, die etwas mehr Erkundung erlauben als viele Abschnitte des Hauptspiels. Dadurch entsteht ein angenehmer Rhythmus zwischen hektischen Kämpfen und kurzen Momenten der Orientierung, während man nach Munition, Geheimnissen oder alternativen Wegen sucht.
Atmosphärisch bleibt These Sunny Daze dem Stil des Hauptspiels treu, dreht die Absurdität aber noch einmal ein Stück weiter auf. Gegnerdesign, Dialoge und visuelle Gags wirken oft bewusst übertrieben und teilweise sogar komplett irrational, was jedoch gut zum Konzept eines Shooters passt, der im Kopf einer ohnehin völlig überdrehten Figur spielt. Der Humor bleibt dabei typisch für die Postal-Reihe: provokant, respektlos und bewusst geschmacklos. Für Fans der Serie ist genau das Teil des Charmes, während andere Spieler die Witze vermutlich eher als plump oder überzogen empfinden werden.
Technisch präsentiert sich das Spiel auf der PS5 sehr solide. Die Framerate bleibt stabil, die Ladezeiten sind kurz und die Steuerung reagiert präzise genug, um auch in den hektischsten Gefechten die Kontrolle zu behalten. Die Grafik wirkt zwar bewusst altmodisch, doch dieser Retro-Look ist klar gewollt und orientiert sich am Stil moderner Boomer-Shooter. Dadurch entsteht ein eigenständiger visueller Charakter, der gut zum schnellen Gameplay passt.
Unterm Strich erweist sich Postal: Brain Damaged als überraschend gelungenes Spin-off einer Reihe, die lange Zeit eher für Kontroversen als für spielerische Qualität bekannt war. Der DLC These Sunny Daze ergänzt das Hauptspiel sinnvoll, liefert neue Level, zusätzliche Waffen und vor allem noch mehr von dem anarchischen Humor, der die Serie seit jeher definiert. Wer schnelle Retro-Shooter mag und mit der extremen Art von Humor umgehen kann, bekommt hier ein chaotisches, aber äußerst unterhaltsames Spielerlebnis.