Mit „TRON: Ares“ führt Disney die legendäre Science-Fiction-Reihe in eine neue Ära und verbindet visuelle Wucht mit überraschender inhaltlicher Tiefe. Regisseur Joachim Rønning gelingt es, das TRON-Universum nicht nur fortzuführen, sondern es konsequent weiterzudenken und an die großen Fragen unserer Gegenwart anzubinden. Der Film erzählt von dem hochentwickelten Programm Ares, das auf eine gefährliche Mission aus der digitalen Welt in die reale Welt geschickt wird. Zum ersten Mal begegnet die Menschheit KI-basierten Wesen, die nicht länger bloße Werkzeuge sind, sondern eigenständige Entitäten mit Bewusstsein, Motivation und inneren Konflikten. Damit verschiebt „TRON: Ares“ den Fokus der Reihe von der reinen digitalen Abenteuerwelt hin zu einer Reflexion über Technologie, Identität und Verantwortung.
Im Zentrum steht Ares, gespielt von Jared Leto, dessen Darstellung zwischen kühler Präzision und emotionaler Fragilität changiert. Leto verleiht der Figur eine faszinierende Ambivalenz: Ares ist weder klassischer Held noch reiner Antagonist, sondern ein Wesen im Übergang, das beginnt, die menschliche Welt zu hinterfragen und sich selbst neu zu definieren. Seine Begegnungen mit der Realität wirken zugleich neugierig, verstörend und existenziell. Greta Lee ergänzt diese Perspektive mit einer Figur, die Menschlichkeit, Zweifel und moralische Verantwortung verkörpert. Ihre Präsenz verleiht dem Film emotionale Erdung und schafft Momente der Intimität, die den philosophischen Kern der Geschichte spürbar machen. Jeff Bridges schließlich knüpft als ikonische Figur des Franchise an die Vergangenheit an und fungiert als Bindeglied zwischen den Generationen von TRON. Seine Rolle ist weniger dominant, aber von symbolischer Bedeutung, da sie das Erbe der Reihe und die Frage nach den Konsequenzen menschlicher Schöpfung verkörpert.
Joachim Rønning inszeniert „TRON: Ares“ als audiovisuelles Erlebnis, das sich durch eine klare, kühle Bildsprache und eine hypnotische Atmosphäre auszeichnet. Digitale Architektur, neonleuchtende Strukturen und reale Schauplätze verschmelzen zu einer Welt, in der die Grenzen zwischen Code und Realität zunehmend verschwimmen. Der Film setzt nicht auf ununterbrochenen Effektbombast, sondern auf eine dramaturgisch durchdachte Balance zwischen ruhigen, kontemplativen Momenten und spektakulären Actionsequenzen. Diese Struktur verleiht der Erzählung eine eigene Rhythmik, die den Zuschauer nicht nur mitreißt, sondern auch zum Nachdenken zwingt. Der Soundtrack und das Sounddesign verstärken diesen Eindruck, indem elektronische Klangwelten mit orchestralen Elementen verschmelzen und so den hybriden Charakter der erzählten Welt widerspiegeln.
Thematisch erweist sich „TRON: Ares“ als überraschend aktueller Film. Die Frage nach der Rolle künstlicher Intelligenz, nach Kontrolle, Autonomie und Verantwortung zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Der Film stellt keine einfachen Antworten bereit, sondern konfrontiert sein Publikum mit Unsicherheiten und moralischen Dilemmata. Was unterscheidet menschliches Bewusstsein von algorithmischer Intelligenz? Wer trägt Verantwortung für Wesen, die wir selbst erschaffen haben? Und was geschieht, wenn diese Wesen beginnen, eigene Ziele zu verfolgen? In dieser Hinsicht ist „TRON: Ares“ weniger ein klassischer Blockbuster als vielmehr ein Science-Fiction-Drama, das die Ästhetik des Genres nutzt, um existenzielle Fragen zu verhandeln.
Auch im Vergleich zu seinen Vorgängern nimmt der Film eine besondere Stellung ein. Während der Originalfilm „TRON“ vor allem die Faszination der digitalen Welt erkundete und „TRON: Legacy“ diese visuell modernisierte, geht „TRON: Ares“ einen entscheidenden Schritt weiter, indem er die digitale Sphäre in die reale Welt überführt und damit die Konsequenzen technologischer Entwicklung ins Zentrum rückt. Der Film wirkt dadurch reifer, komplexer und emotional vielschichtiger als seine Vorgänger, ohne deren visuelle und narrative DNA zu verleugnen. Zwar leidet der Mittelteil stellenweise unter einer gewissen Länge, und einige Nebenfiguren bleiben skizzenhaft, doch diese Schwächen mindern die Gesamtwirkung nur geringfügig.
Die neue Blu-ray-Veröffentlichung von Disney rundet das Erlebnis überzeugend ab. Bild und Ton präsentieren sich in hoher Qualität, mit scharfen Details, kräftigen Kontrasten und einer besonders eindrucksvollen Darstellung der neongetränkten digitalen Sequenzen. Der Sound überzeugt durch klare Dialoge, präzise Raumklänge und eine dichte Atmosphäre, die sowohl die Action als auch die ruhigeren Passagen trägt. Das Bonusmaterial erweitert den Film sinnvoll und bietet Featurettes, die Einblicke in die Entstehung, die visuelle Gestaltung und die thematischen Hintergründe geben, sowie gelöschte Szenen, die zusätzliche Charakter- und Handlungsmomente sichtbar machen. Dadurch wird die Blu-ray nicht nur zur technischen Präsentation des Films, sondern zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit dem TRON-Universum.
„TRON: Ares“ erweist sich damit als visionärer Science-Fiction-Film, der das Franchise nicht nur fortsetzt, sondern neu definiert. Er verbindet spektakuläres Kino mit philosophischer Tiefe und emotionaler Resonanz und zeigt, dass große Blockbuster durchaus in der Lage sind, komplexe Fragen unserer Zeit zu reflektieren. Als Film ist „TRON: Ares“ ein faszinierender Blick in eine mögliche Zukunft, als Blu-ray ein hochwertiges Heimkino-Erlebnis – und als Beitrag zum TRON-Kosmos ein mutiger, konsequenter Schritt nach vorn. Insgesamt ist „TRON: Ares“ ein intensives, atmosphärisches und nachhaltiges Science-Fiction-Erlebnis, das lange nachhallt und die Reihe auf ein neues Niveau hebt.