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Klar Schiff zum Gefecht

Klar Schiff zum Gefecht (1955) – Filmkritik
DVD-Neuveröffentlichung von One Gate Media (Reihe: Classics)


Im Pazifik tobt der Zweite Weltkrieg, und mittendrin: das US-Transportschiff Belinda. Was als Routineeinsatz beginnt, wird zum blanken Überlebenskampf, als japanische Kamikazeflieger angreifen und die Besatzung an ihre äußersten Grenzen treiben. Mit "Klar Schiff zum Gefecht" legte Regisseur Joseph Pevney 1955 einen der aufwändigsten und ambitioniertesten Kriegsfilme jener Ära vor – ein Werk, das weit mehr ist als reines Actionkino und das nun durch One Gate Media in der Reihe Classics eine verdiente Wiederveröffentlichung auf DVD erfährt.


Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Edward L. Beach, einem ehemaligen US-Marine-Offizier, und diese Herkunft merkt man dem Stoff deutlich an. Hier schreibt jemand, der weiß, wovon er spricht. Die Darstellung des militärischen Alltags an Bord, die Hierarchien, die kleinen Konflikte, die Erschöpfung und der Galgenhumor einer Besatzung unter extremem Druck – all das wirkt nicht konstruiert, sondern gelebt und authentisch. Pevney, der in jenen Jahren zwischen Melodramen, Krimis und Abenteuerstoffen pendelte, beweist hier ein sicheres Händchen für das Zusammenspiel von großem Spektakel und menschlichem Drama.


Im Mittelpunkt steht Captain Jeb Hawks, der seine unerfahrene Besatzung durch die Hölle des Pazifikkrieges führen muss. Doch Pevney belässt es nicht bei der Figur des unerschütterlichen Helden. Was den Film von vielen Zeitgenossen unterscheidet, ist sein Interesse am Menschen hinter der Uniform. Hawks zweifelt, Hawks kalkuliert, Hawks trägt Verantwortung, die ihn sichtbar fordert. Diese Vielschichtigkeit macht ihn zu einer der interessanteren Offizierfiguren des klassischen Hollywoodkinos jener Dekade.


Besonders hervorzuheben ist die Inszenierung der Kamikaze-Angriffe. Für die damalige Zeit sind diese Sequenzen von beachtlicher Wucht und Glaubwürdigkeit. Man spürte, dass erhebliche Mittel in die Produktion geflossen sind – sowohl in die Kulissen als auch in die Spezialeffekte. Das Schiff selbst wird dabei fast zur eigenen Figur, ein Mikrokosmos des Krieges, auf dem sich Mut, Versagen, Kameradschaft und Opfer in konzentrierter Form entfalten.


Für Filmfreunde besonders interessant: "Klar Schiff zum Gefecht" bietet frühe Auftritte von Lex Barker und George Nader, bevor beide zu gefragten Gesichtern des deutschen und europäischen Unterhaltungskinos wurden. Lex Barker, der zu diesem Zeitpunkt gerade seine Tarzan-Ära hinter sich gelassen hatte, und George Nader, der als smarter Allround-Darsteller vielseitig einsetzbar war, tragen zum soliden Ensemblecharakter des Films bei. Es ist ein vergnügliches Zeitzeugnis, die beiden in diesem frühen Stadium ihrer Karrieren zu erleben.


One Gate Media hat den Film in der Reihe Classics neu auf DVD gebracht und damit einem Werk eine zweite Chance gegeben, das im deutschen Sprachraum lange ein Schattendasein geführt hat. Für Liebhaber des klassischen Kriegsfilms der 1950er Jahre ist diese Veröffentlichung ein echter Gewinn. Der Film gehört in eine Reihe mit anderen handwerklich sorgfältig gemachten Produktionen jener Ära, die den Krieg weder glorifizieren noch verharmlosen, sondern als menschliche Extremsituation begreifen.


Was "Klar Schiff zum Gefecht" am Ende überraschend zeitlos macht, ist seine Frage nach Führung und Verantwortung: Was macht einen Menschen in der Krise aus? Wie viel kann man von anderen verlangen, und wie viel von sich selbst? Diese Fragen stellt Pevney mit ruhiger Konsequenz – und sie haben, wie man unschwer erkennen kann, nichts von ihrer Relevanz verloren.


Ein packender, vielschichtiger Kriegsfilm aus der Blütezeit des klassischen Hollywoodkinos – empfehlenswert für alle, die das Genre in seiner reiferen, nachdenklicheren Form schätzen.