Die Teufelin (She-Devil, 1989) – Filmreview & Blu-ray von One Gate Media
Regie: Susan Seidelman | Drehbuch: Barry Strugatz & Mark R. Burns | Vorlage: Fay Weldon | Laufzeit: ca. 96 Minuten | FSK: 12
Rache ist süß – und manchmal auch ein bisschen wahnsinnig
Es gibt Rachefantasien, und dann gibt es Die Teufelin. Susan Seidelmans schwarze Komödie von 1989, basierend auf Fay Weldons gleichnamigem Roman von 1983, ist ein Film, der mit einer so scheinbar simplen wie zeitlosen Prämisse arbeitet: Was passiert, wenn eine Frau, die jahrelang brav funktioniert hat, beschließt, dass sie damit fertig ist? Die Antwort ist bitterböse, gelegentlich schrill und dank einer der unwahrscheinlichsten Schauspielerpaarungen der Filmgeschichte zu einem kleinen Kultfilm der späten Achtziger geworden. One Gate Media bringt das Werk nun als Neuauflage auf Blu-ray – die erste Möglichkeit für viele Zuschauer, den Film in ordentlicher Bildqualität wiederzuentdecken.
Die Geschichte: Vom Heimchen zur Racheengelin
Ruth Patchett führt ein Leben, das nach außen hin geordnet wirkt und von innen heraus zermürbt. Sie ist Ehefrau, Mutter, Heimchen am Herd – und sie gibt alles, um ihrem Ehemann Bob zu gefallen. Bob jedoch, ein karrierebesessener Buchhalter mit großen Träumen von gesellschaftlichem Aufstieg, sieht in Ruth längst nur noch eine Belastung. Als er die glamouröse Bestseller-Romanautorin Mary Fisher kennenlernt, zögert er nicht lange: Er verlässt Ruth und die Kinder, zieht zu Mary in ihr pastellfarbenes Küstenparadies – und verspottet seine Ex-Frau beim Abgang noch als „Teufelin".
Damit hat Bob einen folgenschweren Fehler begangen. Denn Ruth nimmt die Beleidigung an – und macht sie sich zu eigen. Mit geradezu mörderischer Präzision und einem vierstufigen Plan beginnt sie, Bob Stück für Stück alles zu nehmen, was ihm wichtig ist: sein Zuhause, seine Familie, seine Karriere und schließlich seine Freiheit. Dabei ist Ruth keine Filmheldin im klassischen Sinne. Sie ist keine besonders sympathische Figur, keine strahlende Siegerin. Sie ist eine Frau am Rand ihrer Kräfte, die entdeckt, wozu sie fähig ist, wenn sie aufhört, nach Erlaubnis zu fragen.
Der Film funktioniert am besten als Satire auf die Geschlechterrollen der Reagan-Ära – auf das Ideal der unsichtbaren Ehefrau, der selbstgefälligen Männlichkeit und des glitzernden weiblichen Erfolgs, der sich auf dünnem Fundament erhebt. Weldons Vorlage hatte dabei noch schärfere Zähne; Seidelman mildert die dunkelsten Aspekte für die Leinwand etwas ab, behält aber genug bissigen Unterton, um das Werk weit über den Status einer harmlosen Komödie zu heben.
Die Hauptdarstellerinnen
Roseanne Barr als Ruth Patchett
Es war ihr erster Kinoauftritt überhaupt, und er war alles andere als risikolos. Roseanne Barr war zu diesem Zeitpunkt bereits durch ihre gleichnamige Sitcom ein Fernsehphänomen – aber Fernsehen ist nicht Kino, und neben Meryl Streep zu bestehen, ist keine Kleinigkeit. Dass sie es schafft, ist das heimliche Wunder des Films.
Barr spielt Ruth mit einer Zurückhaltung, die man von ihr nicht unbedingt erwartet hätte. Sie ist leiser als in ihrer Fernsehrolle, ernster, verletzlicher. In den frühen Szenen, in denen Ruth noch versucht, die perfekte Ehefrau zu sein und dabei immer weiter scheitert, ist spürbar echter Schmerz in ihrer Darstellung. Wenn die Verwandlung zur Rächerin einsetzt, trägt Barr diese Entwicklung mit einer stillen Entschlossenheit, die mehr Wirkung hat als jeder laute Ausbruch. Kritiker damals zweifelten an ihrer Fähigkeit, einen Kinofilm zu tragen. Im Rückblick ist das eine Fehleinschätzung – Barr beweist, dass in ihrer TV-Persona ein echter schauspielerischer Kern steckt, der auf der großen Leinwand standhält.
Meryl Streep als Mary Fisher
Und dann ist da Meryl Streep. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war sie bereits mehrfache Oscar-Gewinnerin, die Verkörperung des ernsthaften, anspruchsvollen Schauspielkinos. Was sie hier abliefert, ist das genaue Gegenteil – und es ist herrlich.
Mary Fisher ist im Grunde eine wandelnde Karikatur: rosa gekleidet, in einem Anwesen residierend, das aussieht wie ein Traum aus Zuckerwatte und schlechtem Geschmack, schreibend mit aufgesetzter Schwärmerei über Liebe und Leidenschaft, die sie selbst kaum versteht. Streep hätte diese Rolle mit routinierter Eleganz bewältigen können. Stattdessen wirft sie sich mit einer Spielfreude hinein, die man in ihrer Karriere bis dahin schlicht nicht kannte. Ihre Mary Fisher ist eine Selbstparodie auf alle weiblichen Idealbilder der Zeit: die unfehlbare Schönheit, die mühelos erfolgreiche Künstlerin, die begehrte Geliebte. Und je mehr dieser Fassade bröckelt, desto genüsslicher spielt Streep das Chaos.
Es war ihre erste Golden-Globe-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin in einer Komödie oder Musical – ein Bereich, in dem sie bis dahin schlicht keine Filmographie hatte. Der Schritt wirkte damals mutig, fast wie eine Laune. Heute ist er als einer ihrer unterschätztesten Auftritte zu betrachten, weil er zeigt, dass ihre Bandbreite weit über die tragischen Figuren hinausgeht, mit denen sie berühmt wurde.
Das Aufeinandertreffen der beiden
Was den Film letztlich trägt, ist die Dynamik zwischen diesen beiden grundverschiedenen Frauen – und den grundverschiedenen Frauen, die sie verkörpern. Barr, die aus dem Nichts kam, und Streep, die bereits alles gewonnen hatte. Dieser Kontrast ist nicht nur Fiktion; er ist real, und er gibt dem Film eine zweite Ebene. Ruth und Mary sind Spiegelbilder einer gespaltenen weiblichen Erfahrung: die eine unsichtbar, die andere überbeleuchtet. Dass beide am Ende gebrochen und verändert aus der Geschichte hervorgehen, ist kein Zufall.
Regie und Inszenierung
Susan Seidelman, bekannt durch Desperately Seeking Susan, hat ein Händchen für Komödien, die nicht auf klassische Pointen setzen, sondern auf die schräge innere Logik ihrer Figuren. Die Teufelin ist kein glatt polierter Film – er ist episodisch, gelegentlich uneben im Tempo, und manche Sequenzen gehen nicht ganz auf. Aber Seidelman hält den satirischen Ton mit sicherer Hand, und die Szenen, die funktionieren, funktionieren glänzend. Mary Fishers Anwesen – ein Schlaraffenland aus Pastellrosa und Kitsch – ist allein schon ein Kunstwerk der Ausstattung.
Die Blu-ray von One Gate Media
One Gate Media bringt Die Teufelin als Neuauflage auf Blu-ray heraus – für viele Zuschauer hierzulande die erste Gelegenheit, den Film in High Definition zu sehen. Die Disc enthält die ungeschnittene Kinofassung mit einer Laufzeit von rund 96 Minuten. Für Fans des Films ist diese Veröffentlichung eine willkommene Aufwertung gegenüber älteren DVD-Ausgaben, und der Preis von rund 14,99 Euro macht die Neuauflage zu einem fairen Angebot für alle, die diesen zu Unrecht vergessenen Klassiker (wieder-)entdecken möchten.
Fazit
Die Teufelin ist kein perfekter Film, aber ein außergewöhnlich lebhafter. Er ist eine Komödie über weibliche Wut zu einer Zeit, als das Kino für dieses Thema kaum eine Sprache hatte. Er ist ein Schaulaufen zweier Frauen, die auf der Leinwand eigentlich nichts gemein haben und sich dennoch gegenseitig zu Höchstleistungen treiben. Und er ist, trotz aller Unebenheiten, ein Film, der im Gedächtnis bleibt – weil er etwas Wahres über Selbstermächtigung, gesellschaftliche Erwartungen und die stille Wut hinter dem braven Lächeln erzählt.
Die Neuauflage von One Gate Media gibt einem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Werk eine zweite Chance. Eine, die es verdient hat.