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Es gibt Kindheitserinnerungen, die sich tief ins Gedächtnis eingraben und dort bleiben, warm und unverrückbar, wie ein vertrautes Licht in einer dunklen Ecke. Für Generationen von Kindern, die in der DDR aufgewachsen sind oder das Fernsehprogramm jener Ära kannten, gehören die „Geschichten aus dem Märchenwald" zweifellos dazu. Mit der Neuauflage dieser geliebten Miniserien auf DVD leistet One Gate Media wertvolle Erhaltungsarbeit an einem Stück Fernsehgeschichte, das zu Unrecht in Vergessenheit zu geraten droht – und sorgt gleichzeitig dafür, dass eine neue Generation von Kindern die bezaubernden Bewohner des Märchenwaldes kennenlernen kann.


Der Märchenwald selbst ist eine Welt von wohltuender Überschaubarkeit. Herr Fuchs und Frau Elster, Mauz und Hoppel, der kleine Borstel mit seiner Mutter Frau Igel, der weise Onkel Uhu und das quirlige Eichhörnchen Putzi – sie alle bewohnen einen Wald, der nach eigenen Regeln funktioniert und in dem die großen und kleinen Dramen des Alltags mit einer Leichtigkeit und Wärme verhandelt werden, die das Herzstück dieser Produktionen ausmacht. Hier geht es nicht um Helden und Schurken, nicht um Gut gegen Böse im großen Sinne, sondern um das alltägliche Miteinander, um Missgeschicke, Missverständnisse, Hilfsbereitschaft und die stille Komik, die entsteht, wenn jemand etwas Großes plant und die Wirklichkeit ganz anders mitspielt.


Der Märchenwaldzirkus


Den Hauptteil dieser DVD-Veröffentlichung bildet „Der Märchenwaldzirkus" mit seinen vierzehn Episoden, und schon die Grundidee ist ein kleines Kabinettstück: Herr Fuchs, von Natur aus ehrgeizig, eitel und stets überzeugt von seinen eigenen Fähigkeiten, beschließt, einen Zirkus zu gründen. Als Zirkusdirektor sieht er sich natürlich in seiner ganzen Würde bestätigt – die Peitsche in der Hand, die Manege vor Augen, das staunende Publikum in Gedanken. Was folgt, ist eine charmante Folge von Versuchen, Irrtümern und Neustarts, die in ihrer episodischen Struktur perfekt auf das junge Publikum zugeschnitten sind.


Die Episodenliste liest sich wie eine kleine Dramaturgie des Scheiterns und Weitermachens:


Episode 1 – „Herr Fuchs übt mit der Peitsche" führt in die Ambitionen des selbsternannten Zirkusdirektors ein und setzt den Grundton der Serie: Herr Fuchs ist begeistert, die Realität weniger. Episode 2 – „Der perfekte Knall" vertieft das Peitschenthema mit vorhersehbar unperfekten Ergebnissen. Episode 3 – „Die Raubtiernummer" zeigt, wie groß der Traum und wie bescheiden die Mittel sind. Episode 4 – „Herr Fuchs dressiert Mäuse" bringt die übrigen Waldbewohner ins Spiel und sorgt für herrliche Verwirrung. Episode 5 – „Der Besuch" öffnet den Märchenwald für Gäste und damit für neue Komplikationen. Episode 6 – „Herr Fuchs sprengt die Kette" verspricht mehr Kühnheit als das Ergebnis am Ende hergeben wird. Episode 7 – „Die Schlangendressur" führt ein neues Kapitel der tierischen Missverständnisse ein. Episode 8 – „Der Hirschkäferkäfig" und Episode 9 – „Die Hirschkäferinvasion" bilden eine kleine Doppelgeschichte rund um ungebetene sechsbeinige Gäste, die sich zu einem der komödiantischen Höhepunkte der Staffel entwickeln. Episode 10 – „Zauberkunststücke" deutet bereits auf den zweiten Teil der DVD voraus und zeigt Herrn Fuchs auf der Suche nach neuen Talenten. Episode 11 – „Die Verhandlung" bringt die diplomatische Seite des Märchenwaldes zum Vorschein. Episode 12 – „Der Zirkustusch" läutet die große Schlussphase ein. Episode 13 – „Das Zirkuszelt" lässt den Traum greifbar nah erscheinen. Und Episode 14 – „Hurra! Der Zirkus ist da!" bildet den triumphalen – wenn auch sicher nicht reibungslosen – Abschluss des großen Zirkusprojekts.


Was diese vierzehn Episoden zusammenhält, ist nicht allein die Figur des Herrn Fuchs, sondern das Gemeinschaftsgefühl des Märchenwaldes. Die anderen Bewohner – mal hilfreich, mal skeptisch, mal unwissentlich im Weg – sorgen dafür, dass die Serie nie zur reinen Ein-Mann-Show wird. Die Episoden sind kurz und in sich geschlossen genug, um auch für die Jüngsten verständlich und spannend zu sein, bilden zusammen aber einen erzählerischen Bogen, der das Weiterschauen belohnt.


Die Zauberkiste


Der zweite Teil der DVD ist mit drei Episoden deutlich kürzer, aber in seiner Konzentration auf das Wesentliche ebenso reizvoll. Herr Fuchs entdeckt in seinem Schuppen eine geheimnisvolle Kiste voller Zauberutensilien – und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, sich sogleich als Zauberkünstler zu versuchen. Die drei Episoden – „Die Entdeckung", „Der Zauberlehrling" und „Missglückte Zauberei" – erzählen eine kompakte Geschichte voller Situationskomik und leiser Weisheit: Wer mehr sein will, als er ist, stolpert unweigerlich über die eigenen Ambitionen. Dass Herr Fuchs dabei nie wirklich unsympathisch wirkt, liegt an der liebevollen Art, mit der die Figur gezeichnet ist. Er ist kein Hochstapler, sondern ein Träumer – und das macht ihn menschlich, trotz seiner spitzen Schnauze und buschigen Rute.


Nostalgie und Zeitlosigkeit


Was diese Produktionen aus der DDR-Fernsehgeschichte auch heute noch so sehenswert macht, ist eine Qualität, die im modernen Kinderfernsehen selten geworden ist: Entschleunigung. Die Geschichten nehmen sich Zeit. Die Figuren denken nach, machen Fehler und lernen daraus, ohne dass die Moral dabei mit dem Hammer eingetrieben wird. Es wird nicht überstimuliert, nicht überreizt und nicht erklärt, was das Publikum selbst erkennen kann. Kinder, die mit diesen Folgen aufgewachsen sind, erinnern sich deshalb so gern daran – nicht weil sie besonders aufregend waren, sondern weil sie etwas hatten, das man heute Herzwärme nennen würde.


One Gate Media hat mit dieser Neuauflage dafür gesorgt, dass dieses Stück Kulturgeschichte zugänglich bleibt. Die DVD-Präsentation ist dem Alter des Materials angemessen und solide, der Charme der Originale kommt unverfälscht zur Geltung. Als Geschenk für Großeltern, die ihren Enkeln etwas aus ihrer eigenen Kindheit zeigen möchten, ist diese Veröffentlichung schlicht ideal. Aber auch Eltern, die ihren Kindern eine Alternative zum reizüberfluteten Gegenwartsprogramm anbieten möchten, werden hier fündig.


Fazit: 

„Geschichten aus dem Märchenwald: Der Märchenwaldzirkus / Die Zauberkiste" ist Nostalgie im besten Sinne – kein wehmütiges Zurückschauen, sondern ein echter Beweis dafür, dass gutes Kinderfernsehen keine aufwendige Produktion und kein grelles Spektakel braucht. Es braucht liebenswerte Figuren, eine Prise Humor, ein bisschen Chaos und das Herz am rechten Fleck. All das hat der Märchenwald reichlich zu bieten. Uneingeschränkte Empfehlung für Fans der ersten Stunde und alle, die ihn noch vor sich haben.