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Rezension: Batman #109
Panini Comics, Autoren: Jeff Lemire, Tom Taylor – Zeichner: Dustin Nguyen, Mikel Janín


Gotham unter Quarantäne – und Batman ermittelt in Metropolis


Batman #109 ist eine jener Ausgaben, die man als Leser mit einem zufriedenen Nicken zur Seite legt. Nicht weil sie die Welt auf den Kopf stellt, sondern weil sie handwerklich ausgezeichnet gemacht ist, zwei starke Geschichten unter einem Deckel vereint und mit Kombinationen aufwartet, die Spaß machen. Jeff Lemire und Tom Taylor sind zwei der zuverlässigsten Namen im amerikanischen Mainstream-Comic – und dieses Heft zeigt, warum.


Die Hauptgeschichte: Der Löwe, ein Virus und Lois Lane
Ein neuer Schurke namens Der Löwe bedroht Gotham mit einem Virus. Das klingt zunächst nach einem vertrauten Setup – Gotham ist seit Jahrzehnten Zielscheibe von Bösewichten mit apokalyptischen Ambitionen. Was diese Geschichte interessant macht, ist die Verlagerung des Schauplatzes und die ungewöhnliche Partnerschaft, die daraus entsteht.


Batman ist bereits infiziert. Er ermittelt dennoch – und tut das in Metropolis, an der Seite von Lois Lane. Diese Konstellation ist eine der klügsten Entscheidungen des Heftes. Lois Lane ist eine der stärksten Figuren im DC-Universum, wird aber außerhalb ihres eigenen Titels und der Superman-Geschichten zu selten als vollwertige Partnerin eingesetzt. Hier bekommt sie echten Raum. Sie ist nicht Beiwerk, sie ist Ermittlerin – mit einem anderen Blick auf die Welt als Batman, einem anderen Werkzeugkasten und einer anderen Art, an Probleme heranzugehen.


Jeff Lemire versteht es, diese Dynamik auszuspielen. Batman und Lois Lane sind kein offensichtliches Duo, und genau das macht ihre Zusammenarbeit reizvoll. Zwei Menschen mit demselben Ziel, aber grundverschiedenen Methoden und Persönlichkeiten – das ist klassischer Geschichtenstoff, und Lemire nutzt ihn gut. Dazu kommt die körperliche Bedrohung durch die Infektion, die Batmans gewohnte Unverwundbarkeit untergräbt und ihm eine menschliche Verletzlichkeit verleiht, die der Geschichte gut tut.


Der Löwe selbst ist als Schurke noch im Aufbau – 109 Ausgaben in einen laufenden Titel einzusteigen bedeutet, dass man dem Antagonisten nicht sofort alles auf den Tisch legt. Was bisher gezeigt wird, ist vielversprechend: eine globale Bedrohung, ein klarer Plan, ein Gegner, der nicht nur auf körperliche Konfrontation setzt. Ob Der Löwe das Potenzial hat, zu einem dauerhaften Batman-Widersacher zu werden, wird die Zukunft zeigen – dieser erste Auftritt macht jedenfalls Lust auf mehr.


Dustin Nguyens Zeichnungen


Dustin Nguyen ist für den Hauptteil des Heftes zuständig, und seine Arbeit ist wie gewohnt eine Klasse für sich. Nguyen hat einen Stil, der sich von vielen seiner Kollegen im Superhelden-Mainstream abhebt: weicher, atmosphärischer, manchmal fast aquarellhaft in seiner Wirkung, ohne dabei die Dynamik zu verlieren, die Actionsequenzen brauchen. Metropolis unter seiner Feder sieht anders aus als Gotham – heller, offener, aber mit einem unterschwelligen Unbehagen, das dem Virus-Plot gut steht. Und Batman in Metropolis, leicht fremd in einer Stadt, die nicht seine ist, wird von Nguyen mit subtiler Körpersprache erzählt, die mehr sagt als mancher Dialog.


Die Nebengeschichte: Jason Todd – Der Anfang


Der zweite Teil des Heftes startet die dreiteilige Miniserie über den jungen Jason Todd – also Robin in seinen frühen Jahren, bevor aus ihm Red Hood wurde. Tom Taylor übernimmt das Steuer, Mikel Janín zeichnet.


Diese Kombination ist ein Versprechen. Tom Taylor hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er ein feines Gespür für DC-Charaktere hat und besonders gut darin ist, Figuren mit schwerer emotionaler Vergangenheit zu behandeln, ohne in Sentimentalität abzugleiten. Jason Todd ist eine dieser Figuren: ein Robin, der starb, zurückkam und seitdem zwischen Held und Antiheld pendelt. Sein Ursprung – ein Straßenkind, das Batman als Teenager kennenlernt – ist eine der tragischsten und menschlichsten Geschichten im Batman-Universum.


Dieser erste Teil der Miniserie legt die Grundlagen mit Bedacht. Taylor nimmt sich Zeit für Jason als Person, nicht nur als zukünftigen Kostümträger. Die Fragen, die diese Geschichte aufwirft – Vertrauen, Zugehörigkeit, was es bedeutet, von jemandem wie Batman adoptiert zu werden – sind nicht neu, aber Taylor stellt sie mit einer Frische, die zeigt, dass er wirklich etwas zu sagen hat.


Mikel Janín ist der ideale Zeichner für diesen Stoff. Sein Stil ist präzise und ausdrucksstark, mit einer Fähigkeit, Gesichter zu zeichnen, die echte Emotionen tragen. Für eine Geschichte, die so stark von Charaktermomenten lebt, ist das unverzichtbar. Janín liefert.


Zwei Geschichten, zwei Stile


Ein Heft mit zwei Geschichten und zwei Zeichnerteams läuft immer Gefahr, unruhig zu wirken. Batman #109 entgeht dieser Gefahr, weil beide Teile klar voneinander getrennt sind und jeder seinen eigenen Ton hat. Nguyen und Janín sind stilistisch unterschiedlich genug, um keine Verwechslung aufkommen zu lassen, aber beide auf einem Niveau, das dem Heft insgesamt eine hohe Qualität sichert. Und Lemire und Taylor sind beide Autoren, die wissen, wie man in begrenztem Raum eine Geschichte setzt, die wirkt.


Für wen ist dieses Heft?


Batman-Leserinnen und -Leser, die dem laufenden Titel folgen, werden mit diesem Heft gut bedient. Die Hauptgeschichte treibt den Löwen-Plot voran, die Nebengeschichte eröffnet einen neuen Erzählbogen, der großes Potenzial hat. Wer bisher noch nicht eingestiegen ist, findet hier einen durchaus möglichen Einstiegspunkt – beide Geschichten starten Bögen, die man von Anfang an mitverfolgen kann.


Fans von Jason Todd sollten besonders aufmerksam sein. Eine dreiteilige Miniserie über seine Ursprünge, geschrieben von Tom Taylor und gezeichnet von Mikel Janín, ist keine selbstverständliche Angelegenheit. Das ist eine Kombination, auf die man gewartet hat.


Fazit


Batman #109 ist ein rundes, qualitativ überzeugendes Heft, das zwei starke Geschichten mit zwei starken Teams liefert. Die Hauptstory mit dem Löwen und der ungewöhnlichen Ermittlungspartnerschaft zwischen Batman und Lois Lane macht Spaß und zeigt Lemire und Nguyen in guter Form. Der Auftakt der Jason-Todd-Miniserie von Taylor und Janín ist der Beginn von etwas, das man im Auge behalten sollte. Panini liefert hier einen soliden Monat für Batman-Fans.


Empfehlung: Empfehlenswert für alle Batman-Leser – und ein besonderer Hinweis für alle, die Jason Todd in all seiner tragischen Komplexität schätzen.