Der Comicband Gotham City Sirens: Disco aus dem All ist ein wilder, farbenfroher und bewusst überdrehter Ausflug in eine der unterhaltsamsten Ecken des DC-Universums. Statt düsterer Gotham-Atmosphäre setzt diese Geschichte auf grelle Farben, absurde Ideen und eine Dynamik, die eher an ein Pop-Spektakel als an einen klassischen Superheldencomic erinnert. Genau darin liegt aber auch seine größte Stärke: Der Band will gar nicht ernst oder realistisch sein, sondern funktioniert als energiegeladenes, fast schon anarchisches Abenteuer mit einer klaren Portion Selbstironie.
Im Zentrum stehen natürlich die drei Protagonistinnen, allen voran Catwoman, die mit ihrem typischen Mix aus Eleganz und Eigennutz den ursprünglichen Plan vorantreibt: ein wertvolles Artefakt aus dem angesagten Nachtclub Lunaria zu stehlen. Unterstützt wird sie von Harley Quinn und Poison Ivy, die beide ihre ganz eigenen Motivationen und Eigenheiten mitbringen. Gerade das Zusammenspiel dieses Trios ist einer der größten Pluspunkte des Bandes. Die Dialoge sind schnell, bissig und voller Anspielungen, wobei sich die Figuren ständig gegenseitig kontern, ergänzen oder ins Chaos treiben. Dadurch entsteht eine Dynamik, die den Comic durchgehend lebendig hält.
Die Handlung selbst beginnt vergleichsweise klassisch, entwickelt sich jedoch schnell in eine völlig andere Richtung. Der Nachtclub Lunaria entpuppt sich nicht nur als stilvolle Kulisse, sondern als Dreh- und Angelpunkt eines zunehmend eskalierenden Szenarios, in dem außerirdische Einflüsse, bizarre Kreaturen und unerwartete Bedrohungen eine zentrale Rolle spielen. Spätestens mit dem Auftauchen von Despero wird klar, dass hier größere Kräfte am Werk sind, als zunächst angenommen. Dennoch verliert die Geschichte nie ihren humorvollen Tonfall und balanciert geschickt zwischen Action, Absurdität und Charakterspiel.
Auffällig ist vor allem der visuelle Stil, für den Haining verantwortlich ist. Die Zeichnungen orientieren sich stark an einer Manga-Ästhetik, die sich deutlich von klassischen westlichen Superheldencomics unterscheidet. Große, expressive Figuren, dynamische Panelaufteilungen und eine fast schon neonartige Farbgebung prägen das Gesamtbild. Diese visuelle Überdrehtheit passt perfekt zur Handlung und verstärkt den Eindruck, dass man es hier mit einem bewusst stilisierten, fast schon popkulturellen Remix des Gotham-Settings zu tun hat. Manche Leser mögen diesen Stil als zu grell oder ungewohnt empfinden, doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer sehr eigenständigen und frischen Interpretation belohnt.
Auch erzählerisch setzt Leah Williams stark auf Tempo und Witz. Die Story nimmt sich kaum Zeit für längere Erklärungen oder tiefgehende Hintergründe, sondern wirft die Leser direkt ins Geschehen. Das kann stellenweise etwas chaotisch wirken, trägt aber gleichzeitig zum Reiz des Bandes bei. Die vielen Ideen – von tödlichen DJs über tragische Weltraumwesen bis hin zu einem mysteriösen Kind mit besonderen Fähigkeiten – werden nicht immer bis ins Detail ausgearbeitet, sorgen aber für eine enorme Vielfalt und einen konstant hohen Unterhaltungswert.
Inhaltlich sollte man allerdings keine klassische, tiefgründige Superheldengeschichte erwarten. „Disco aus dem All“ setzt klar auf Spaß, Tempo und visuelle Kreativität, weniger auf komplexe Charakterentwicklung oder dramatische Tiefe. Wer genau das sucht, könnte den Band als oberflächlich empfinden. Wer jedoch Lust auf ein energiegeladenes, ungewöhnliches Abenteuer hat, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt, wird hier bestens bedient.
Unterm Strich ist dieser Comicband ein bewusst schrilles und unterhaltsames Werk, das sich deutlich von der Masse abhebt. Er lebt von seinem Stil, seinem Humor und der Chemie zwischen den Hauptfiguren. Besonders Fans der Gotham City Sirens dürften auf ihre Kosten kommen, aber auch Leser, die einfach etwas Frisches und Unkonventionelles suchen, finden hier ein echtes Highlight. „Disco aus dem All“ ist kein typischer Gotham-Comic – und genau das macht ihn so reizvoll.
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