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Seit 20 Jahren ist Elisabeth mit dem Spieldosen-Fabrikanten Johannes Brandt verheiratet – und noch immer wartet sie auf ihre Hochzeitsreise. Als sie sich endlich auf den Weg nach Konstanz macht, um ihren Gatten zu treffen und die längst überfällige Reise nachzuholen, nimmt das Schicksal eine unerwartete Wendung: Dort begegnet sie ihrem alten Jugendfreund Pierre Bonvant wieder. Alte Erinnerungen und längst vergessen geglaubte Gefühle erwachen in Elisabeth aufs Neue.


Doch auch Johannes bleibt nicht unberührt: Er macht die Bekanntschaft der attraktiven Madeleine – die sich im Laufe der Handlung als Pierres Verlobte entpuppt. Als beide Paare aufeinandertreffen, ist das Chaos vorprogrammiert: Eifersucht, Missverständnisse und alte Sehnsüchte wirbeln die gutbürgerliche Ordnung kräftig durcheinander. Erst der Liebeskummer der 18-jährigen Tochter Helga, die sich Hals über Kopf in den jungen Geschäftsführer ihres Vaters verliebt hat, bringt das Ehepaar Brandt wieder zur Besinnung und einander näher.


Einordnung und Atmosphäre


Was eine Frau im Frühling träumt ist ein waschechtes Kind seiner Zeit – eine jener leichten, warmherzigen Liebeskomödien, wie sie das westdeutsche Kino der 1950er-Jahre so meisterhaft hervorgebracht hat. Der Film atmet das Lebensgefühl der Wirtschaftswunderjahre auf jeder Ebene: gepflegte Bürgerlichkeit, beschwingte Eleganz, ein unerschütterlicher Glaube daran, dass sich am Ende alles zum Besten fügt. Wer dieses Jahrzehnt des deutschen Films mag, wird sich hier rundum wohlfühlen.


Regisseur Erik Ode, vielen Generationen als Schöpfer und Hauptdarsteller der Krimiserie Der Kommissar bekannt, beweist hier sein feines Gespür für Timing und zwischenmenschliche Dynamiken. Er inszeniert die Verwicklungen um die zwei Paare mit leichter Hand und nie aufgesetzter Heiterkeit. Die Verwechslungen und Eifersüchteleien wirken nie böswillig, sondern stets menschlich nachvollziehbar und mit einem sanften Augenzwinkern erzählt.


Darsteller


Das Herzstück des Films ist zweifelsohne das Ensemble. Winnie Markus verleiht der Elisabeth eine bezaubernde Mischung aus Würde, Wärme und verhaltener Sehnsucht. Ihre Elisabeth ist keine naive Frau, sondern eine gereifte Persönlichkeit, die weiß, was sie hat – und dennoch kurz ins Schwanken gerät. Markus, bekannt aus Was die Götter lieben und Morituri, trägt den Film mit souveräner Leichtigkeit.


Ihr zur Seite steht Rudolf Prack als Johannes Brandt, der den zugleich etwas steifen und im Grunde gutmütigen Ehemann mit gewohnter Verlässlichkeit spielt. Prack, die Idealbesetzung für den braven deutschen Familienvater der Adenauer-Ära, bekannt aus Grün ist die Heide und Kaisermanöver, fügt sich perfekt ins Bild. Die Chemie zwischen Markus und Prack trägt die Geschichte glaubwürdig bis zum versöhnlichen Ende.


Das Ensemble wird durch Claus Biederstaedt (Drei Männer im Schnee), Chariklia Baxevanos (Eva küsst nur Direktoren) und den charismatischen Ivan Desny (Anastasia, die letzte Zarentochter) wirkungsvoll ergänzt. Christine Görner (Gräfin Mariza) und Hilde Volk (Ohne Mutter geht es nicht) runden die Riege an Charakterdarstellern stimmig ab.


Bild und Ton (Blu-ray)


One Gate Media legt den Film erstmals auf Blu-ray vor, und das ist eine willkommene Aufwertung für diesen lange zu Unrecht übersehenen Titel. Das Bild präsentiert sich in ordentlicher Qualität für einen deutschen Film dieses Alters: Das Schwarzweiß-Bild kommt mit guter Schärfe und angenehm natürlichem Kontrast zur Geltung, Filmkorn ist sichtbar, aber nicht störend. Kleinere altersbedingte Schwächen im Quellmaterial lassen sich bei einer solchen Produktion kaum vermeiden und fallen nicht negativ ins Gewicht.
Der Ton ist klar und gut verständlich, die Dialoge kommen ohne störende Ausreißer, Musik und Atmosphäre fügen sich harmonisch ein. Für Liebhaber des deutschen Heimat- und Unterhaltungskinos der 50er-Jahre ist die vorliegende Blu-ray eine solide und empfehlenswerte Ausgabe.


Fazit


Was eine Frau im Frühling träumt ist eine charmante, gut gespielte und herrlich unbeschwerte Liebeskomödie, die das Lebensgefühl der Wirtschaftswunderjahre mit viel Esprit und Warmherzigkeit einfängt. Kein Film, der die Welt auf den Kopf stellt – aber ein Film, der genau das tut, was er tun soll: unterhalten, erheitern und mit einem Lächeln zurücklassen. Die Erstveröffentlichung auf Blu-ray durch One Gate Media in der Reihe Classics ist ein schöner Anlass, dieses kleine Juwel des deutschen Nachkriegskinos neu zu entdecken.