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Wenn ein kleines italienisches Indie-Studio die Kühnheit hat, ein rundenbasiertes Taktik-RPG mit Mecha-Anime-Ästhetik zu entwickeln und es selbst als „Spaghetti Anime" zu bezeichnen, verdient das zumindest Respekt. DESTINYbit verbindet cineastische Mech-Gefechte, Crew-Management und Sandbox-RPG-Elemente zu einem ungewöhnlichen Gesamtpaket – mit gemischtem Ergebnis.


Setting & Story


Die Prämisse ist düster und direkt: Die Menschheit hat den Krieg gegen die Maschinen verloren. Die Ödlande sind von fehlerhafter KI und plündernden Kampfrobotern überschwemmt, während die letzten überlebenden Städte hoch über dem verwüsteten Boden thronen. Als Söldnertrupp kämpft man ums Überleben, nimmt Aufträge an und versucht gleichzeitig, dem drohenden Untergang etwas entgegenzusetzen.


Die vollständige Version des Spiels bringt endlich eine ausgewachsene Hauptquest mit, die neue Charaktere, Zwischensequenzen und frische Soundtrack-Tracks mit sich bringt. Das klingt vielversprechend – und doch bleibt die Geschichte hinter ihrem Potenzial zurück. Die Handlung zündet nie wirklich, die Charaktere wirken blass, und das Narrativ funktioniert eher als loser Rahmen denn als treibende Kraft. Wer tiefgründiges Storytelling à la großer JRPG-Klassiker erwartet, wird enttäuscht nach Hause gehen.


Gameplay & Kampfsystem


Das Herzstück von Nitro Gen Omega ist sein Kampfsystem – und genau hier leistet das Spiel tatsächlich etwas Besonderes. Jede Auseinandersetzung ist in zwei klar getrennte Phasen unterteilt: Zuerst kommt die Planungsphase, in der man alle Aktionen seiner Piloten auf einer Zeitleiste festlegt. Dann folgt die Auflösungsphase, in der das Geplante in vollanimierten Anime-Sequenzen zum Leben erwacht.


Das Schlachtfeld selbst ist in vier Zonen aufgeteilt, was ständiges Nachdenken über Positionierung erfordert. Nahkampfangriffe setzen voraus, dass man sich im exakt gleichen Quadranten wie das Ziel befindet. Fernkampfangriffe decken größere Bereiche ab, verlangen aber präzises Timing. Jede Aktion kostet einen Zug, weshalb man Angriff, Nachladen und Ausweichen stets sorgfältig gegeneinander abwägen muss. Nimmt ein Mech zu viel Schaden, leidet nicht nur die Maschine – auch der Pilot kann aus dem Tritt geraten, was weitreichende Folgen für die nächste Mission haben kann.


Das System ist ausgesprochen tiefgründig, aber auch anfangs wenig intuitiv. Eine ordentliche Einführung sucht man weitgehend vergebens, und so braucht es mehrere Kämpfe, bis die Mechaniken wirklich greifen. Wer die nötige Geduld mitbringt, wird jedoch mit einem der originelleren Kampfsysteme der letzten Jahre belohnt.


Crew-Management & Mech-Anpassung


Neben dem eigentlichen Kampf spielt das Management der eigenen Crew eine zentrale Rolle. Gesundheit, Erschöpfung und Moral jedes Piloten müssen aktiv gepflegt werden – durch Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und gezielte Erholung. Wer seine Mannschaft vernachlässigt, merkt das schnell auf dem Schlachtfeld: Ein demotiviertes Team kämpft schlechter, macht mehr Fehler und kann in kritischen Momenten zusammenbrechen.


Die Mech-Anpassung ist ebenfalls ein starkes Element. Ähnlich wie in Armored Core lässt sich die eigene Maschine nach und nach zu einem persönlichen Kampfgerät formen. Mit jeder Aufrüstung eröffnen sich neue Möglichkeiten, neue Taktiken und neue Kombinationen – und dieses Gefühl des Fortschritts ist einer der echten Stärken des Spiels.


Präsentation & Stil


Visuell ist Nitro Gen Omega ein echter Hingucker. Das Spiel sieht schlicht fantastisch aus – jede Aktion strotzt vor Bewegung, jeder Kampf fühlt sich an wie eine Szene aus einem klassischen Anime der 90er oder frühen 2000er. Farbenfroh, energetisch und mit einer Liebe zum Detail, die man einem kleinen Indie-Studio kaum zugetraut hätte.


Der Soundtrack tut sein Übriges: Er passt perfekt zur Ästhetik und treibt die Gefechte mit treibenden Beats und emotionalen Melodien voran. Wer auf Mecha-Anime-Vibes steht, wird hier bestens bedient.


Ein Wermutstropfen: Die Kampfanimationen wiederholen sich mit der Zeit. Nach einigen Stunden hat man die meisten Sequenzen bereits mehrfach gesehen, und der anfängliche Wow-Effekt nutzt sich spürbar ab.


Schwächen & Kritikpunkte


Grindlastige Progression: Schon nach wenigen Missionen stoßen Spieler auf deutlich stärkere Gegner, die einen komplett überrennen, wenn man nicht ausreichend ausgerüstet ist. Das zwingt zu teils mühsamen Wiederholungsschleifen, die den Spielfluss erheblich bremsen.


Leere Oberwelt: Die offene Welt wirkt trotz ihrer Größe dünn besiedelt und wenig lebendig. Settlements fühlen sich funktional, aber nicht einladend an – eher wie Zwischenstopps denn wie Orte mit Charakter.


Schwache Charaktere: Die Piloten der Crew erfüllen ihre spielerische Funktion, bleiben als Persönlichkeiten aber erstaunlich blass. Die Bindungsmechaniken wirken sich zwar aufs Gameplay aus, emotional packt einen das Schicksal der Truppe selten.


Steile Lernkurve ohne ausreichende Anleitung: Das Spiel erklärt seine Systeme nur unzureichend, was gerade in den ersten Stunden zu Frustration führen kann. Ein besseres Tutorial hätte hier Wunder gewirkt.


Gesamtfazit


Nitro Gen Omega ist ein ambitioniertes, stilsicheres und stellenweise wirklich begeisterndes Taktik-RPG, das konsequent seine eigene Vision verfolgt. Das Kampfsystem ist originell und tiefgründig, die Präsentation voller Energie, und wenn alles zusammenspielt, entsteht ein Spielgefühl, das seinesgleichen sucht.


Gleichzeitig muss man ehrlich bleiben: Das Spiel verlangt viel – Geduld, Frustrations­toleranz und die Bereitschaft, sich durch eine anfangs sperrige Mechanik zu kämpfen. Die Geschichte enttäuscht, die Welt wirkt leer, und das Grinding zermürbt mehr als nötig.


Wer jedoch ein Fan von rundenbasierten Taktik-RPGs ist, Mecha-Anime liebt und sich gern in komplexe Systeme einarbeitet, findet hier eine der originellsten Überraschungen des Jahres 2026.