Es gibt Spiele, die nicht einfach nur gespielt werden – sie werden überlebt. R-Type III: The Third Lightning war seit seinem Erscheinen 1994 auf dem Super Nintendo genau so ein Spiel: gnadenlos schwer, meisterhaft designt und in der Shmup-Community bis heute verehrt. Mehr als drei Jahrzehnte später wagt ININ Games in Zusammenarbeit mit Tozai und dem Originalhersteller Irem das Kunststück, diesen Klassiker für moderne Konsolen neu zu erfinden – ohne seinen Kern zu verraten. Das Ergebnis heißt R-Type Dimensions III und ist auf der PS5 jetzt endlich spielbar.
Setting: Krieg gegen das Unmögliche
Die Geschichte ist so alt wie die Serie selbst und dabei zeitlos in ihrer düsteren Schlichtheit. Die Menschheit steht kurz vor der Auslöschung. Das Bydo-Imperium – ein bio-mechanisches Wesen, das einst als menschliche Waffe erschaffen wurde und außer Kontrolle geriet – hat die bekannte Raumzeit korrumpiert und greift unerbittlich an. Als letztes Mittel schickt das Earth Space Corps den R-90 Ragnarok ins Feld, ein Kampfschiff der nächsten Generation. Mehr Story braucht es hier nicht. R-Type war nie ein Spiel, das seine Fäden durch aufwendige Zwischensequenzen spinnt – es erzählt durch sein Design, durch die Feinde, die Levels und die schiere Unnachgiebigkeit seiner Welt.
Das Force-System: Der Kern des Spiels
Wer R-Type noch nicht kennt: Das Herzstück des Spiels ist das sogenannte Force-Gerät. Dabei handelt es sich um eine kleine Zusatzeinheit, die man entweder an die Front oder das Heck des eigenen Schiffs andocken oder frei im Raum platzieren kann. Feinde, die damit in Berührung kommen, werden beschädigt. Schüsse des Spielers prallt das Force-Gerät in neue Richtungen ab. Und wer wirklich gut ist, kann es gezielt einsetzen, um Schwachstellen von Bossen zu treffen.
In Dimensions III kann man zu Beginn zwischen verschiedenen Force-Varianten wählen, die unterschiedliche Fähigkeiten, Angriffsmuster und Synergien mitbringen. Das eröffnet taktische Tiefe, die weit über das einfache Dauerfeuer hinausgeht. Die Steuerung selbst ist messerscharf und reaktionsschnell – in einem Spiel, in dem Pixel-genaues Ausweichen über Leben und Tod entscheidet, ist das keine Kleinigkeit, sondern eine absolute Grundvoraussetzung.
Schwierigkeit: Erbarmungslos wie eh und je
Wer sich erhofft hatte, Dimensions III würde das Original zahmer machen – Fehlanzeige. Das Spiel ist brutal. Der erste Level wirkt noch täuschend harmlos, aber schon kurz danach beginnt die eigentliche Lektion: Kugeln aus allen Richtungen, Trümmer, die den Bildschirm kreuzen, Strukturen, die plötzlich auftauchen und keinen Millimeter Fehlertoleranz lassen. R-Type Dimensions III ist ein Spiel, das Auswendiglernen fordert. Wer nicht weiß, was als nächstes kommt, wird sterben. Wer es weiß, stirbt trotzdem manchmal.
Gerade wenn man glaubt, ein Level im Griff zu haben, dreht sich buchstäblich alles – Plattformen rotieren, Kanonen feuern aus neuen Winkeln, und was einmal sicher schien, wird zur Todesfalle. Das ist keine Ungerechtigkeit, sondern das Prinzip, das R-Type seit Jahrzehnten definiert: Scheitern als Lernprozess. Wer diese Philosophie mag, wird Dimensions III lieben. Wer sie hasst, sollte das wissen, bevor er kauft.
Für weniger hartgesottene Spieler gibt es den sogenannten Infinite Mode, der nach dem Tod direkt weitermacht – ein sinnvoller Kompromiss, der das Spiel zugänglicher macht, ohne das Grundgefühl zu zerstören. Außerdem lässt sich nach dem Abschluss einzelner Abschnitte über eine Stufenauswahl direkt in jeden freigeschalteten Level einsteigen, was den Wiederspielwert erhöht.
Präsentation: Zwei Welten, eine Schaltfläche
Das wohl auffälligste Feature von Dimensions III ist die Möglichkeit, jederzeit während des Spiels zwischen zwei völlig unterschiedlichen visuellen Stilen umzuschalten. Auf der einen Seite steht das vollständig neu gerenderte 3D-Bild mit modernen Lichteffekten, überarbeiteten Animationen und detailreich gestalteten Umgebungen. Auf der anderen Seite wartet die klassische 2D-Präsentation, die dem Original-SNES-Look nahekommen soll – bis hin zu einem optionalen CRT-Filter für das volle Retrofeeling.
Beide Modi haben ihre Stärken. Die 3D-Grafik sieht auf einem modernen Bildschirm beeindruckend aus und verleiht den Bosskämpfen eine neue Wucht. Die klassische Darstellung hingegen ist oft klarer lesbar – gerade bei einem Spiel, in dem jede Millisekunde zählt, können zu viele visuelle Effekte ablenken und das Erkennen von Projektilen erschweren. Es gibt außerdem einen „Crazy Camera"-Modus, der die Perspektive leicht kippt und dem Spielgeschehen eine kinematografische Note verleiht. Schön anzuschauen, aber für den Ernstfall eher hinderlich, da feindliche Angriffe dabei schwerer zu lesen sind.
Der Soundtrack wurde komplett neu eingespielt und klingt kraftvoll und atmosphärisch – wer aber den originalen Chip-Klang bevorzugt, kann auch hier per Knopfdruck zurückschalten. Diese Doppelstrategie ist ein echtes Geschenk an alle Spielertypen und zeigt, wie viel Respekt die Macher vor dem Original haben.
Neue Features & Modi
Neben dem Infinite Mode gibt es einen Advanced Mode sowie überarbeitete Punktesysteme und Überlebensmechaniken, die besonders für Speedrunner und Score-Jäger interessant sind. Lokaler Koop für zwei Spieler ist ebenfalls dabei – ein großer Spaß, der das Chaos auf dem Bildschirm verdoppelt und gleichzeitig das Teamwork fördert. Online-Koop fehlt leider, was angesichts des modernen Konsolen-Zeitalters ein kleiner Rückschritt ist.
Anpassbare Steuerung, eine Jukebox mit Musik und Soundeffekten sowie eine Stufenauswahl nach dem Freischalten runden das Paket solide ab. Das sind keine spektakulären Extras, aber durchdachte Komfortfunktionen, die den Alltag mit dem Spiel angenehmer gestalten.
Collector's Edition & physische Ausgaben
Für Sammler hat ININ ordentlich zugelegt. Neben der digitalen Version gibt es eine Special Edition mit Artbook und Soundtrack sowie eine aufwendige Collector's Edition mit Postern, Stickern, einer zweischeibenstarken Soundtrack-Ausgabe, Replika-Boxen und einer 15 cm großen Harz-Figur von Dobkeratops – einem der ikonischsten Bosse der Serie, der jetzt sogar von Wētā Workshop gefertigt wird. Die physischen Standardausgaben sowie Special Editions wurden auf August 2026 verschoben, die Collector's Edition sogar auf Q4 2026. Wer die PS5-Version digital spielt, bekommt das Spiel aber sofort.
Gesamtfazit
R-Type Dimensions III ist genau das, was es sein will: eine liebevolle, sorgfältig umgesetzte Neufassung eines zeitlosen Klassikers, die weder Kompromisse beim Schwierigkeitsgrad eingeht noch den Geist des Originals verrät. Die Möglichkeit, jederzeit zwischen klassischer und moderner Darstellung zu wechseln, ist ein cleverer Zug und macht das Spiel sowohl für Veteranen als auch für Neulinge attraktiv.
Wer jedoch hofft, R-Type sei mit den Jahren milder geworden, wird schnell eines Besseren belehrt. Das Spiel ist hart, es bestraft Fehler sofort und verlangt Ausdauer, Gedächtnis und Präzision. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen der besten Shoot 'em ups überhaupt – in einem noch nie dagewesenen Gewand.
Für Fans des Genres ist Dimensions III eine klare Empfehlung. Alle anderen sollten zumindest die kostenlose Demo ausprobieren – und sich dann fragen, ob sie bereit sind, dieselbe Stelle zwanzig Mal zu sterben.