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Panini bringt mit Laura Kinney - Wolverine: Die ultimative Killerin einen Comicband auf den Markt, der eine der interessantesten Figuren des Marvel-Universums endlich in den Mittelpunkt rückt, die sie verdient. Laura Kinney, einst als X-23 zur perfekten Waffe gezüchtet, hat eine der bewegendsten Entwicklungsgeschichten im gesamten Marvel-Kosmos hinter sich, und dieses Buch zeigt eindrucksvoll, wo sie heute steht.


Das kreative Team aus Autorin Erica Schultz und Zeichnerin Giada Belviso erweist sich als ausgezeichnete Wahl für dieses Projekt. Schultz, bekannt durch ihre Arbeit an Moon Knight, versteht es, komplexe Charaktere mit moralischen Graubereichen zu schreiben, ohne sie dabei zu vereinfachen oder zu romantisieren. Das kommt Laura Kinney sehr zugute, denn ihre Geschichte trägt Gewicht, und dieses Gewicht spürt man auf jeder Seite.


Der Einstieg des Bandes macht sofort klar, womit man es zu tun hat. Die Vergangenheit als X-23 wird nicht verdrängt oder kleingeschrieben, sondern als das behandelt, was sie ist: ein prägender Teil von Lauras Identität, den sie weder vergessen kann noch vergessen will. Schultz nutzt diese Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschickt als Antrieb für die Handlung. Laura kämpft nicht trotz ihrer Geschichte, sondern auch wegen ihr. Das verleiht ihren Entscheidungen eine Konsequenz, die man als Leser nachvollziehen und respektieren kann.


Besonders überzeugend ist die Darstellung von Laura als neue Wolverine. Es geht nicht darum, Logan zu ersetzen oder zu kopieren, sondern darum, den Mantel auf eine eigenständige Weise zu tragen. Laura bringt ihre eigene Perspektive mit, eine, die von Schmerz, Ausbeutung und dem langen Weg zur Selbstbestimmung geprägt ist. Wenn sie sich für Mutanten einsetzt, die in einer zunehmend feindseligen Welt Hilfe brauchen, wirkt das nie wie ein aufgesetztes Heldenmotiv, sondern wie eine logische Fortsetzung ihrer persönlichen Entwicklung.


Die gesellschaftliche Dimension des Bandes ist ebenfalls bemerkenswert. Der Hass gegen Mutanten, der hier thematisiert wird, ist keine abstrakte Bedrohung aus dem Hintergrund, sondern eine greifbare, alltägliche Realität für die Figuren. Schultz zeichnet ein Bild einer Welt, in der Andersartigkeit systematisch bekämpft wird, und macht damit deutlich, warum es jemanden wie Laura Kinney braucht.


Giada Belviso liefert als Zeichnerin eine starke Leistung ab. Ihr Stil ist präzise und ausdrucksstark, mit einem feinen Gespür für Körpersprache und Mimik. Die Actionsequenzen sind dynamisch und klar strukturiert, man verliert nie den Überblick, auch wenn es auf mehreren Panels gleichzeitig zur Sache geht. Besonders gelungen sind die ruhigeren Momente zwischen den Kämpfen, in denen Belviso Lauras innere Zerrissenheit durch subtile zeichnerische Mittel sichtbar macht, ohne dass ein einziges Wort fallen muss.


Die fünf enthaltenen Hefte aus der amerikanischen Originalserie von 2024 ergeben einen runden, in sich geschlossenen Erzählbogen, der sowohl als Einstieg in Lauras Geschichte als auch als Fortsetzung für bestehende Fans funktioniert. Vorkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Schultz sorgt dafür, dass alle relevanten Informationen organisch in die Handlung eingebettet sind.


Wer befürchtet, dass ein Band, der so stark auf Charakter und Emotion setzt, zu wenig Action biete, wird schnell eines Besseren belehrt. Laura Kinney ist und bleibt eine der gefährlichsten Figuren im Marvel-Universum, und das lässt der Band zu keiner Sekunde vergessen. Die Kombination aus emotionaler Tiefe und knallharter Action ist eines der größten Stärken dieser Veröffentlichung.


Fazit: 

Laura Kinney - Wolverine: Die ultimative Killerin ist ein überzeugender, vielschichtiger Comicband, der seiner Protagonistin vollauf gerecht wird. Erica Schultz und Giada Belviso liefern gemeinsam ein Werk ab, das sowohl inhaltlich als auch visuell überzeugt. Panini hat mit dieser Veröffentlichung einmal mehr bewiesen, dass starke Frauenfiguren im Superheldencomic funktionieren, wenn sie mit dem nötigen Respekt und handwerklichem Können behandelt werden. Eine klare Empfehlung für alle, die mehr wollen als bunte Explosionen.