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Mit "Urban Jungle" bringen das deutsche Indie-Label Assemble Entertainment und das thailändische Studio Kylyk Games ihr cosy-Erfolgsrezept nun auch auf die Switch, nachdem das Spiel bereits auf PC und Xbox eine treue Fangemeinde gefunden hat. Wer Genrevertreter wie "Unpacking" oder "A Little to the Left" kennt, weiß ungefähr, worauf er sich einlässt: Statt Zeitdruck, Kampf oder Wettbewerb steht hier das geduldige, meditative Arrangieren von Gegenständen im Mittelpunkt – nur dass es sich diesmal nicht um Umzugskartons, sondern um Pflanzen handelt.


Im Zentrum der Geschichte steht Ayta Borisova, die ihre Liebe zu Grünpflanzen schon als Kind durch ihre Großmutter entdeckt, während ihre Mutter sie eher in Richtung eines "vernünftigen" Berufswegs drängt. Über mehrere Kapitel hinweg, die von Aytas Kindheitszimmer bis zu ihrem eigenen Zuhause als Erwachsene reichen, begleitet man sie durch familiäre Spannungen, den Konflikt zwischen Erwartung und Leidenschaft und schließlich die Entscheidung, beruflich ganz auf die eigene Passion für Pflanzen zu setzen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Handlung fast vollständig über die Umgebung selbst erzählt wird, ganz ohne ausufernde Dialoge: Die Einrichtung der Räume, kleine Details und Gegenstände erzählen die Geschichte einer jungen Frau, die sich ihren eigenen Platz im Leben erkämpft. Diese zurückhaltende, aber durchaus berührende Erzählweise wird in der Fachpresse mehrfach positiv hervorgehoben und verleiht dem Spiel über die reine Dekorationsmechanik hinaus emotionale Tiefe.


Spielerisch dreht sich bei "Urban Jungle" alles um das Platzieren von Pflanzen in zunächst leeren, kistenbeladenen Räumen. Anders als der Name vermuten lässt, verlangt das Spiel den Spielenden kein Gießen oder Schädlingsbekämpfung ab – stattdessen geht es rein um die richtige Position. Jede Pflanze hat eigene Vorlieben hinsichtlich Licht, Feuchtigkeit und Nachbarschaft zu anderen Gewächsen, was dem auf den ersten Blick simplen Dekorieren eine angenehme taktische Komponente verleiht. Um ins nächste Kapitel zu gelangen, muss eine gewisse Punktzahl erreicht werden, sodass das bloße Hübschmachen des Raums durchaus auch von strategischem Kalkül begleitet wird. Nebenbei lassen sich Aufgaben erledigen, um Münzen zu verdienen und Aytas Pflanzensammlung im Journal zu erweitern, was dem Ganzen eine leichte Progressionsschiene verleiht, ohne je in Stress auszuarten. Spielerischen Druck gibt es ohnehin nicht: Wer eine Anordnung nicht mag, kann sie jederzeit umgestalten, frei experimentieren und sein eigenes Tempo bestimmen.


Kleinere Kritikpunkte gibt es dennoch. Die feste isometrische Perspektive erschwert mitunter die präzise Platzierung einzelner Objekte, was bei filigranen Arrangements für etwas Frust sorgen kann. Auch wird angemerkt, dass die schiere Menge an Pflanzen, die im Laufe des Spiels freigeschaltet werden, dem ursprünglichen Ziel eines gemütlichen, übersichtlichen Zuhauses gelegentlich zuwiderläuft – wer alles unterbringen möchte, verliert leicht den kuratierten, wohnlichen Charme aus den Augen. Spielerisch bewegt sich "Urban Jungle" damit spürbar im Windschatten von Genregrößen wie "Unpacking" oder "Islanders", ohne deren Charme ganz zu erreichen, bleibt aber dennoch eine kurzweilige Erfahrung für ein paar entspannte Stunden.


Atmosphärisch gehört das Spiel zu seinen größten Stärken: Die warme, einladende Farbpalette und die handgezeichneten Details verleihen jedem Apartment ein wohnliches, gelebtes Gefühl, während sanft im Wind schwankende Blätter und kleine Soundeffekte wie raschelndes Laub oder das leise Summen eines Luftbefeuchters die Räume zusätzlich beleben. Ein besonderes i-Tüpfelchen ist Aytas Kater Rufus, der sich streicheln lässt und mit unterschiedlichen Posen reagiert – ein kleines, aber liebevoll umgesetztes Detail, das in praktisch jeder Besprechung des Spiels goutiert wird. Inhaltlich lässt sich "Urban Jungle" in wenigen, kurzen Sitzungen durchspielen, was angesichts des entspannten Spielprinzips völlig angemessen erscheint; ein Kreativmodus ohne Vorgaben lädt im Anschluss zum freien Gestalten ein.


Auf der Switch funktioniert das Konzept besonders gut, da sich das gemütliche Pflanzenarrangieren ideal für kurze Sessions auf dem Sofa oder im Bett eignet – passend zum entschleunigten Charakter des Spiels. Wer Cosy Games mit Fokus auf Dekoration, leichte Rätselelemente und eine warmherzige, unaufdringlich erzählte Geschichte schätzt, findet in "Urban Jungle" einen soliden, wenn auch nicht völlig eigenständigen Vertreter des Genres.