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Mit "Drug Dealer Simulator 2" wagt sich das polnische Studio Byterunners an die Fortsetzung seines 2020 erschienenen Überraschungserfolgs und verschiebt den Schauplatz von den grimmigen, brutalistischen Straßenzügen des Originals auf das fiktive, südamerikanisch anmutende Inselarchipel Isla Sombra. Dieser Wechsel von urbaner Tristesse zu tropischem Paradies verleiht der Reihe optisch eine ganz neue, deutlich farbenfrohere Identität, die sich angenehm von der gewohnten Genreästhetik abhebt – mehr "Far Cry" trifft "Breaking Bad" als die düstere Atmosphäre des Vorgängers.


Erzählerisch schlüpft man in die Rolle von Eddie, einem Mann auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, der sich in den frühen 2000ern auf Isla Sombra eine neue Existenz als Drogendealer aufbaut. Die Geschichte um den Aufstieg vom Kleinkriminellen zum Drogenboss bedient dabei sämtliche bekannten Genre-Klischees, wie sie aus zahllosen Filmen und Serien über das organisierte Verbrechen bekannt sind, und bietet erzählerisch wenig Überraschendes. Bemerkenswert ist dennoch, wie viel erzählerisches Gewicht das Spiel seiner Kampagne mitgibt – ein Aspekt, der in der Fachpresse mit einigem Erstaunen aufgenommen wurde, da man von einem Simulator dieser Art eher beiläufige Inszenierung erwartet hätte. Die verschiedenen Fraktionen und Bandenchefs, deren Vertrauen man sich erarbeiten muss, verleihen der Spielwelt zumindest etwas strukturelle Tiefe.


Im Zentrum steht erwartungsgemäß die Simulation der Drogenproduktion und des Vertriebs: Von Marihuana-Anbau über die Herstellung verschiedenster Substanzen bis hin zur Lieferung an feste Kundschaft deckt das Spiel ein bemerkenswert komplexes Ressourcenmanagement ab. Mit wachsendem Umsatz lässt sich das eigene Versteck ausbauen und mit besserer Ausrüstung aufwerten, während ein neues Reputationssystem die Beziehungen zu den verschiedenen Fraktionen abbildet. Allerdings trübt sich der Eindruck bei genauerem Hinsehen: Im Vergleich zum eher haptischen ersten Teil, in dem das Schneiden, Mischen und Abpacken noch unmittelbar erlebbar war, wirkt der Produktionsprozess in der Fortsetzung deutlich steriler und stärker menügesteuert, was der Immersion merklich schadet. Hinzu kommt ein straffes Zeitmanagement bei der Auslieferung an Kunden, das schnell in hektischer Terminjonglage ausartet – ein Gameplay-Loop, der nach Ansicht mehrerer Tester eher auf kooperatives Spielen mit einem Freund ausgelegt scheint als auf entspanntes Solo-Spiel, auch wenn ein waschechter Koop-Modus für bis zu zwei Spieler vorhanden ist.


Handwerklich zeigt "Drug Dealer Simulator 2" deutliche Schwächen. Die Steuerung wirkt insgesamt unausgereift, das Kampfsystem regelrecht hölzern und wie nachträglich angeflanscht, ohne den spürbaren Impact zu bieten, den man von einer Egoperspektive erwarten würde. Auch die Menüführung wird wiederholt als umständlich und teils fehlerhaft beschrieben. Grafisch bewegt sich das Spiel auf solidem, aber unspektakulärem Niveau: Die verschiedenen Inselabschnitte sind visuell abwechslungsreich genug, um nicht eintönig zu wirken, doch Figurenmodelle und Animationen wirken oft technisch in die Jahre gekommen, begleitet von eher kargem Sounddesign. Der Soundtrack selbst, eine Mischung aus Hardcore-Rap und lateinamerikanischen Einflüssen, trifft dafür den richtigen Ton und unterstreicht die Atmosphäre des Inselparadieses glaubwürdig.


Der größte Widerspruch des Spiels liegt im schieren Umfang der gebotenen Beschäftigung: Es mangelt zu keinem Zeitpunkt an Aufgaben, doch viele davon entpuppen sich als repetitive Botengänge, die durch eine recht großzügig bemessene, aber nicht immer effizient bereiste Spielwelt zusätzlich gestreckt werden. Cartel-Ränge etwa bringen kaum spürbaren Mehrwert, und das Fahrzeugmanagement mit seinem auffällig hohen Spritverbrauch wirkt eher wie ein künstliches Zeitverlängerungsmittel als wie eine durchdachte Spielmechanik. Dennoch entfaltet die Kernschleife aus Anbau, Produktion und Imperiumsaufbau für Fans des Simulationsgenres eine gewisse Suchtwirkung, die über die offensichtlichen Schwächen hinwegtrösten kann.


Verglichen mit dem Vorgänger legt "Drug Dealer Simulator 2" in nahezu jeder Hinsicht zu, bleibt dabei aber spürbar unpoliert und wirkt phasenweise wie ein Spiel, das seine Systeme nicht konsequent zu Ende gedacht hat. Wer das Original mochte und mit gewissen Ecken und Kanten leben kann, dürfte an der größeren, komplexeren Fortsetzung dennoch Gefallen finden – insbesondere im Koop mit Freunden, wo sich viele der frustrierenden Aspekte in gemeinsamen Unfug auflösen. Wer hingegen ein poliertes, eigenständiges Solo-Erlebnis sucht, sollte die Erwartungen entsprechend zügeln.