Manche Filme sind Zeitkapseln im besten Sinne: Sie transportieren nicht nur eine Geschichte, sondern auch den ganz eigenen Humor, die Ästhetik und die sorglose Albernheit eines bestimmten Jahrzehnts. „Einmal beißen bitte" aus dem Jahr 1985 ist so eine Kapsel, und sie öffnet sich mit einem jungen Jim Carrey, der hier, noch Jahre vor seinem Weltruhm als Ace Ventura oder in „Die Maske", bereits jene physische Komik und jenes schelmische Grinsen zeigt, das ihn später zum Comedy-Superstar machen sollte. Wicked Vision bringt diese sexy Horror-Vampir-Komödie nun als liebevoll aufgemachte Blu-ray-Edition zurück auf den deutschen Markt.
Handlung: Ein Teenager, eine Verführerin und ein Anti-Aging-Programm der besonderen Art
Im Zentrum steht der jugendliche Mark, der eigentlich nur ein Ziel verfolgt: endlich mit seiner Freundin Robin zu schlafen. Doch die zögert, und der sexuell frustrierte Mark zieht durch das nächtliche Los Angeles auf der Suche nach einem Ersatz für seine erste Nacht. Was er dabei findet, übertrifft seine kühnsten Erwartungen – und wird sich bald als sein größter Albtraum entpuppen. Die geheimnisvolle Schöne, mit der er die Nacht verbringt, hat nämlich alles andere als romantische Absichten. Sie ist auf der Suche nach frischem Blut, um ihre eigene Jugend zu bewahren, und Mark wird binnen kürzester Zeit zum unfreiwilligen Spender ihres ganz speziellen Anti-Aging-Programms. Als er an sich selbst merkwürdige Veränderungen bemerkt, beginnt er zu ahnen, in welch bizarre Geschichte er hineingeraten ist.
Der Film verbindet Teenie-Sex-Komödie und Vampirmythos mit einer Leichtigkeit, die typisch ist für die Genremischungen der Achtziger, und nimmt sich dabei selbst nie zu ernst.
Howard Storm – ein Regisseur aus der Fernsehcomedy
Regie führte Howard Storm, der sein Handwerk vor allem im amerikanischen Fernsehen erlernt hatte, wo er zahlreiche Sitcom-Episoden inszenierte, bevor er sich mit „Einmal beißen bitte" an einen Kinospielfilm wagte. Diese Herkunft ist dem Film deutlich anzumerken: Storm inszeniert mit dem Timing und der pointierten Schlagfertigkeit eines erfahrenen Comedy-Regisseurs, der weiß, wie man Gags setzt und Situationskomik zum Tragen bringt. Statt auf gruselige Atmosphäre setzt er konsequent auf die humoristische Seite des Vampirstoffs und lässt seinen jungen Hauptdarsteller dabei ausgiebig glänzen. Es ist ein Film, der ganz bewusst auf schnelle Pointen und schrille Situationskomik setzt, statt eine dichte Horroratmosphäre aufzubauen, und genau darin liegt sein Charme.
Die Besetzung: Ein junger Jim Carrey und erfahrene Partner
Jim Carrey, der hier eine seiner frühen Kinorollen übernahm, zeigt bereits das komödiantische Talent, das ihn wenige Jahre später mit „Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv" und „Die Maske" zum internationalen Star machen sollte. Seine physische Präsenz, seine Grimassen und sein Gespür für den absurden Moment sind schon hier in vollem Umfang zu erkennen, auch wenn der Film ihm noch nicht die ganz große Bühne bietet, die er später erobern würde. Lauren Hutton, bekannt unter anderem aus „Ein Mann für gewisse Stunden", verleiht der geheimnisvollen Verführerin eine kühle Eleganz und eine latente Bedrohlichkeit, die den comedy-lastigen Ton des Films angenehm kontrastiert. Ihre Präsenz sorgt dafür, dass die Vampirfigur trotz aller Situationskomik eine gewisse Klasse behält. Cleavon Little, der als markantes Charaktergesicht des amerikanischen Kinos und Fernsehens jener Jahre gilt, rundet die Besetzung mit seiner unverwechselbaren komödiantischen Note ab und trägt zur schrägen Grundstimmung des Films maßgeblich bei. Zusammen ergibt das Ensemble eine Mischung aus jugendlichem Elan und routiniertem Können, die dem Film seinen eigentümlichen Achtziger-Charme verleiht.
Stil und Tonalität
„Einmal beißen bitte" ist ein Film, der sich seiner eigenen Albernheit vollkommen bewusst ist und diese auch genüsslich auskostet. Die Vampirmythologie dient hier weniger als Quelle des Schreckens, sondern vielmehr als Aufhänger für eine Reihe komödiantischer Situationen rund um jugendliche Sexualität, Selbstfindung und die Ängste des Erwachsenwerdens. Die schrille, farbenfrohe Ästhetik der Achtziger, die ausgestellten Frisuren und Outfits sowie der sorglose Umgang mit dem Genre machen den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen für alle, die dem Nostalgiefaktor dieser Dekade etwas abgewinnen können. Ernst nehmen sollte man das Ganze nicht, und genau das ist auch nicht die Absicht des Films.
Die Blu-ray von Wicked Vision
Die neue Edition von Wicked Vision erscheint mit einer limitierten O-Card für die ersten 1000 Exemplare, die dem Release schon äußerlich eine gewisse Sammlerqualität verleiht. Für besonders schnelle Käufer gibt es zudem ein exklusives Artcard-Set für die ersten 333 verkauften Exemplare, das ausschließlich über den Shop erhältlich ist und damit einen zusätzlichen Anreiz für Fans und Komplettisten darstellt, die sich frühzeitig für die Veröffentlichung entscheiden.
Die Extras im Detail
Das Bonusmaterial fällt bei dieser Veröffentlichung bewusst kompakt aus, punktet dafür aber mit einem technischen Highlight für deutsche Zuschauer: Gleich drei restaurierte deutsche Tonspuren stehen zur Verfügung und tragen der bewegten Synchronisationsgeschichte des Films Rechnung, die im Laufe der Jahre mehrfach neu vertont wurde. Wer den Film also in unterschiedlichen deutschen Fassungen kennt oder vergleichen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten. Ergänzt wird das Angebot durch den Trailer sowie eine Bildergalerie, die einen zusätzlichen visuellen Blick auf die Produktion erlaubt. Auch wenn das Zusatzmaterial im Vergleich zu umfangreicheren Mediabook-Editionen überschaubar bleibt, liegt der eigentliche Mehrwert dieser Veröffentlichung klar in der sorgfältigen tontechnischen Aufarbeitung.
Fazit
„Einmal beißen bitte" ist ein herrlich albernes Stück Achtziger-Genrekino, das seinen Reiz vor allem aus der Kombination von Vampirhorror und Teenie-Komödie sowie aus einem jungen, bereits sichtlich talentierten Jim Carrey zieht. Wicked Vision liefert mit dieser Blu-ray eine ansprechend limitierte Edition, die zwar beim Bonusmaterial nicht mit den ganz großen Mediabooks mithalten kann, dafür aber mit gleich drei restaurierten deutschen Tonspuren ein echtes Argument für Sammler und Synchronfans liefert. Für Fans schräger Achtziger-Komödien und für alle, die Jim Carrey von seinen frühesten Anfängen an verfolgen möchten, eine sehr empfehlenswerte Anschaffung.