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Crazy Instinct – Allein unter Idioten (Mediabook, Wicked Vision Media)


Es gibt Filmparodien, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, und es gibt Filmparodien, die im Schatten ihrer berühmteren Geschwister ein zähes Nischendasein fristen. "Crazy Instinct – Allein unter Idioten" gehört unzweifelhaft zur zweiten Kategorie. 1993 unter dem Originaltitel "Fatal Instinct" in die amerikanischen Kinos gebracht, versuchte Regie-Veteran Carl Reiner mit diesem Film, an den Erfolg der "Nackte Kanone"-Reihe anzuknüpfen, die zu jener Zeit das Genre der Neo-Noir- und Erotik-Thriller-Parodie bereits maßgeblich geprägt hatte. Herausgekommen ist ein Film, der zwar nie an die Klasse eines Leslie Nielsen heranreicht, der aber gerade wegen seiner Ecken und Kanten, seiner over-the-top-Besetzung und seiner liebevoll-chaotischen Attacken auf das Neo-Noir-Genre der frühen Neunziger heute ein echtes Kuriositätenkabinett darstellt – und genau deshalb bei Genrefans und Sammlern einen besonderen Stellenwert genießt. Wicked Vision Media bringt den Streifen nun als liebevoll aufbereitetes Mediabook mit Blu-ray und DVD zurück in die Regale, garniert mit einem ordentlichen Batzen an Bonusmaterial, das dem Film mehr Kontext verleiht, als er ihn zu seiner Zeit je bekommen hat.


Die Handlung: Ein Anwalt, ein Cop, zwei Frauen und jede Menge Wahnsinn


Ned Ravine (Armand Assante) führt ein Leben, das selbst für die schrägsten Genrekonventionen des Film Noir ungewöhnlich ist: Tagsüber jagt er als Polizist Verbrecher, abends verteidigt er als Strafverteidiger genau jene Kriminellen, die er selbst hinter Gitter gebracht hat. Ein Interessenkonflikt, der Ravine selbst nicht im Geringsten zu stören scheint. Sein Privatleben ist dabei kaum weniger verworren als sein Berufsalltag. Seine Ehefrau Lana (Kate Nelligan) betrügt ihn nicht nur mit einem Automechaniker, sondern plant gemeinsam mit ihrem Liebhaber recht konkret, ihn aus dem Weg zu räumen. Gleichzeitig taucht mit der geheimnisvollen Lola Cain (Sean Young) eine neue Mandantin auf, deren Verführungskünste kaum subtiler daherkommen als ihre mysteriöse Vergangenheit. Und als wäre das nicht genug, hegt auch Ravines Sekretärin Laura Lincolnberry (Sherilyn Fenn) offenkundig mehr als rein berufliches Interesse an ihrem Chef. Zu allem Überfluss wird der aus dem Gefängnis entlassene Gangster Max Shady (James Remar) von Rachegelüsten getrieben und verfolgt Ravine auf Schritt und Tritt – wenig überraschend meist hinter einer Zeitung versteckt, deren Titelseite ironischerweise über seine eigene Flucht berichtet. Am Ende entpuppt sich Lola Cain als Zwillingsschwester von Lana, deren Erscheinungsbild sich nach sage und schreibe 53 Schönheitsoperationen fundamental verändert hat – ein Twist, der so absurd ist, dass er beinahe schon wieder konsequent wirkt.


Wer diese Zutaten liest, erkennt schnell, worauf Carl Reiner und Drehbuchautor David O'Malley hinauswollten: Der Film ist eine dichte Aneinanderreihung von Anspielungen auf die Neo-Noir- und Erotikthriller-Welle der frühen Neunziger, allen voran natürlich "Basic Instinct", aber auch "Eine verhängnisvolle Affäre" und andere Genrevertreter jener Ära bekommen ihr Fett weg. Stilistisch orientiert sich "Crazy Instinct" dabei klar an der Machart der "Nackte Kanone"-Filme – kurze, oft mit dem Rest der Handlung nicht verbundene Gag-Einlagen, absurde Situationskomik und ein gewisser Hang zum Slapstick prägen den Look des Films. Dass nicht jeder dieser Gags zündet, ist im Nachhinein wenig überraschend – Kritiker bemängelten seinerzeit vor allem, dass viele der Sketche schlicht zu bemüht wirkten. Doch wer sich auf den trashigen Charme des Films einlässt, findet durchaus Vergnügen an der schieren Chuzpe, mit der hier durch das Genre gegrätscht wird.


Die Hauptdarsteller im Porträt


Armand Assante verkörpert mit Ned Ravine die tragende Figur des Films und bringt für die Rolle des tollpatschigen, aber selbstbewussten Cops und Anwalts sein markantes, kantiges Gesicht sowie eine physische Präsenz mit, die eigentlich prädestiniert für ernsthafte Rollen wirkt. Genau das macht seinen Auftritt in "Crazy Instinct" so eigenartig reizvoll: Assante, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein etablierter Charakterdarsteller mit Rollen in Dramen und Thrillern war, bekannt unter anderem für seine Darstellung in Filmen wie "Der Pate III"-Umfeld-Produktionen und diversen Fernsehfilmen, wagt sich hier bewusst ins komödiantische Fach und liefert dabei eine Performance ab, die zwischen ernsthaftem Method-Spiel und bewusster Selbstparodie changiert. Zeitgenössische Kritiker attestierten ihm zwar, dass er nicht gegen einen Leslie Nielsen ankomme, lobten aber gleichzeitig, dass er einer der wenigen Lichtblicke der Besetzung sei. Besonders im Gedächtnis bleibt eine Tanzszene, in der Assante in roten High Heels einen Mambo hinlegt – ein Moment comedic Selbstironie, den man dem eigentlich für seriöse Rollen bekannten Schauspieler kaum zugetraut hätte.


Sherilyn Fenn übernimmt die Rolle der Sekretärin Laura Lincolnberry und bringt damit genau jene Popkultur-Aura mit, die dem Film zusätzliches Gewicht verleiht: Fenn war zum Zeitpunkt der Produktion durch ihre Rolle als Audrey Horne in David Lynchs Kultserie "Twin Peaks" einem breiten Publikum bekannt geworden und genoss den Ruf einer der interessantesten jungen Schauspielerinnen ihrer Generation. In "Crazy Instinct" spielt sie die verliebte, loyale und dabei stets ein wenig neben der Spur agierende Sekretärin mit einer bemerkenswerten Wandlungsfähigkeit zwischen Zuneigung, Verzweiflung und komödiantischem Timing. Kritiker hoben gerade sie neben Assante als eine der wenigen Darstellerinnen hervor, die es schaffte, ihrer eigentlich klischeehaft angelegten Figur mehr Nuancen zu entlocken, als das Drehbuch eigentlich hergab. Fenns Karriere führte sie in den folgenden Jahren zu einer Vielzahl von Film- und Fernsehrollen, wobei sie sich stets zwischen Independent-Produktionen und größeren Studioprojekten bewegte.


Sean Young schließlich übernimmt mit Lola Cain die klassische Femme-Fatale-Rolle des Films – eine Figur, die direkt auf Sharon Stones Ikone aus "Basic Instinct" anspielt und deren Auftreten von der ersten Szene an mit größtmöglicher erotischer Aufladung inszeniert ist. Young, die bereits durch Rollen in "Blade Runner" und "Der Formel" internationale Bekanntheit erlangt hatte und für ihre Interpretation komplexer, oft ambivalenter Frauenfiguren bekannt war, bringt in "Crazy Instinct" genau jene kühle, unnahbare Ausstrahlung mit, die die Parodie ihrer Zielvorlage so nötig braucht. Ihre Darstellung wurde retrospektiv unterschiedlich bewertet – während einige Kritiker ihr vorwarfen, zu sehr in der reinen Abziehbild-Funktion der Figur zu verharren, loben andere gerade diese bewusste Künstlichkeit als integralen Bestandteil der Parodie. Der finale Twist um ihre wahre Identität als Zwillingsschwester gibt Young zumindest die Gelegenheit, im letzten Akt noch einmal eine andere Facette der Figur zu zeigen.


Regisseur Carl Reiner: Eine Hollywood-Institution


Hinter der Kamera von "Crazy Instinct" steht mit Carl Reiner eine der prägendsten Figuren der amerikanischen Comedy-Geschichte. Reiner, der seine Karriere bereits in den 1950er-Jahren als Schauspieler und Autor bei "Your Show of Shows" begann und später mit der von ihm geschaffenen Sitcom "The Dick Van Dyke Show" zu einer festen Größe des amerikanischen Fernsehens wurde, hatte sich spätestens seit den 1970er- und 80er-Jahren auch als Kinoregisseur einen Namen gemacht. Seine Zusammenarbeit mit Steve Martin gehört dabei zu den prägendsten Regie-Kapiteln seiner Karriere: Filme wie "Ein Mann, zwei Frau'n" oder eben "Tote tragen keine Karos" – bei letzterem schrieb Reiner sogar selbst am Drehbuch mit – etablierten ihn als Meister der Genre-Parodie, der komödiantisches Timing mit einer offensichtlichen Zuneigung zu den parodierten Stoffen verband. Diese Zuneigung zum klassischen Film Noir, die bereits "Tote tragen keine Karos" durchzieht, findet in "Crazy Instinct" gewissermaßen ihre Fortsetzung im Gewand der neunziger Jahre – nur dass Reiner diesmal nicht die Ästhetik der vierziger Jahre, sondern die Erotikthriller-Welle seiner Gegenwart ins Visier nimmt. Bei aller Kritik, die dem Film seinerzeit entgegenschlug, lässt sich Reiners Handschrift – der Sinn für absurde Situationskomik, das Vertrauen in eine bis in Nebenrollen hochkarätig besetzte Ensembleleistung und die generelle Verspieltheit im Umgang mit Genrekonventionen – klar erkennen. Reiner, Vater des ebenfalls als Regisseur erfolgreichen Rob Reiner, blieb bis ins hohe Alter kreativ tätig und genoss bis zu seinem Tod 2020 den Ruf eines der letzten großen Grandseigneurs der klassischen amerikanischen Filmkomödie.


Das Mediabook von Wicked Vision: Bild, Ton und Ausstattung


Wicked Vision Media hat sich in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf als Label erarbeitet, das sich gezielt vergessener oder unterschätzter Genreware der achtziger und neunziger Jahre annimmt und diese mit spürbarer Sammlerliebe neu auflegt – und "Crazy Instinct" fügt sich nahtlos in diese Reihe ein. Das Mediabook kombiniert Blu-ray und DVD in einer Edition und bietet gleich mehrere Tonoptionen, die unterschiedlichen Sichtungsvorlieben gerecht werden. Neben der restaurierten deutschen Tonspur mit den originalen Musik-Tracks steht auch die restaurierte englische Originalfassung mit ihrer ursprünglichen Musikuntermalung zur Verfügung – ein Detail, das für Musikfilm-Enthusiasten und Score-Liebhaber besonders wertvoll ist, da gerade bei Parodiefilmen die musikalische Untermalung oft entscheidend zur komödiantischen Wirkung beiträgt. Zusätzlich hat sich Wicked Vision die Mühe gemacht, auch die 2018er-Version des englischen Audiotracks mit neuer Musik zu integrieren, wodurch Sammler direkt vergleichen können, wie unterschiedlich sich verschiedene musikalische Untermalungen auf die Wahrnehmung einzelner Szenen auswirken.


Das Bookletdesign selbst umfasst 24 Seiten und enthält einen ausführlichen Essay von Christoph N. Kellerbach, der den Film in seinen historischen und genrehistorischen Kontext einordnet – eine Einordnung, die dem Film angesichts seines Status als Nischentitel durchaus gut zu Gesicht steht und Sammlern hilft, "Crazy Instinct" jenseits der reinen Popcorn-Unterhaltung zu würdigen.


Die Extras im Detail


Wicked Vision hat dem Film ein Bonusmaterial-Paket spendiert, das für einen relativ obskuren Genrevertreter überraschend umfangreich ausfällt:


24-seitiges Booklet mit Essay von Christoph N. Kellerbach – eine fundierte schriftliche Einordnung des Films, seiner Entstehungsgeschichte und seiner Stellung innerhalb der Neo-Noir-Parodie-Welle der frühen Neunziger.


Restaurierter deutscher Ton mit den originalen Musik-Tracks – die Synchronfassung in aufgefrischter Klangqualität, die die ursprüngliche musikalische Untermalung des Films bewahrt.


Restaurierter englischer Ton mit den originalen Musik-Tracks – das amerikanische Original in seiner ursprünglichen musikalischen Fassung, ideal für Puristen, die den Film in seiner authentischen Erstfassung erleben möchten.


2018er-Version des englischen Audiotracks mit neuer Musik – eine alternative Tonspur, die interessierten Sammlern einen direkten Vergleich zwischen der ursprünglichen und einer überarbeiteten musikalischen Untermalung ermöglicht.


Audiokommentar mit Regisseur Carl Reiner und Drehbuchautor David O'Malley – zweifellos das Herzstück des Bonusmaterials. Dieser Kommentar bietet die seltene Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, wie die zahlreichen Gags und Anspielungen des Films entstanden sind, welche Produktionsschwierigkeiten es gab und wie das Duo Reiner/O'Malley an die Parodie des Neo-Noir-Genres herangegangen ist.


Geschnittene Szenen mit optionalem Audiokommentar – zusätzliches Material, das ursprünglich nicht den Weg in die Kinofassung fand, ergänzt durch Kommentierung, die Kontext zu den Streichungen liefert und Einblicke in den Schnittprozess gewährt.


Trailer – der originale Kinowerbetrailer als klassische Ergänzung jeder Sammleredition.


Bildergalerie – eine Sammlung von Produktionsfotos, Setbildern und Werbematerial, die einen zusätzlichen visuellen Einblick in die Entstehung des Films gewährt.


Fazit


"Crazy Instinct – Allein unter Idioten" wird wohl nie den Kultstatus einer "Nackten Kanone" erreichen, und auch im Vergleich zu Carl Reiners eigenem "Tote tragen keine Karos" bleibt der Film in seiner komödiantischen Treffsicherheit merklich zurück. Und doch besitzt der Streifen genau jenen eigenwilligen Charme, der ihn zu einem lohnenswerten Sammlerstück macht: eine hochkarätige, sichtlich engagierte Besetzung rund um Armand Assante, Sherilyn Fenn und Sean Young, eine liebevolle wenn auch nicht immer treffsichere Parodie der Neo-Noir-Welle der frühen Neunziger und die Handschrift eines Regisseurs, der zu den ganz Großen der amerikanischen Filmkomödie zählt. Wicked Vision Media hat dem Film mit diesem Mediabook eine Edition spendiert, die weit über das hinausgeht, was man für einen derart randständigen Titel erwarten würde – von den mehreren Tonoptionen über den hörenswerten Audiokommentar bis hin zum fundierten Booklet-Essay wird hier mit spürbarer Sammlerliebe gearbeitet. Für Fans des Genreparodien-Booms der neunziger Jahre und für Sammler, die auch abseits der bekannten Klassiker fündig werden wollen, ist diese Veröffentlichung eine klare Empfehlung.