Superman: Darkseids Legion (Panini Comics)
Wenige Verbündete stehen in der Geschichte des Mannes aus Stahl für so viel unbändigen Optimismus wie die Legion der Superhelden – jenes Team aus dem 31. Jahrhundert, das seit Jahrzehnten als leuchtendes Symbol dafür dient, dass Supermans Werte auch in einer fernen Zukunft Bestand haben. Umso perfider ist die Grundprämisse von "Superman: Darkseids Legion", dem neuesten Sammelband aus der laufenden Superman-Serie bei Panini Comics: Was, wenn ausgerechnet diese Ikonen der Hoffnung sich als Werkzeuge des finstersten Tyrannen des DC-Universums entpuppen? Autor Joshua Williamson und Zeichner Dan Mora nehmen dieses beunruhigende Szenario zum Ausgangspunkt einer Geschichte, die nicht nur als eigenständiges Superman-Abenteuer funktioniert, sondern gleichzeitig den Weg zum diesjährigen großen DC-Crossover-Event "DC K.O." ebnet.
Die Handlung: Alte Freunde, neue Feinde
Der Band eröffnet mit einem Bild, das Superman-Leser zutiefst verstören dürfte: Saturn Girl, Cosmic Boy und Lightning Lad – drei der bekanntesten Gründungsmitglieder der klassischen Legion der Superhelden – tauchen unvermittelt in Smallville auf. Doch statt ihrer gewohnten Symbolik tragen sie das Emblem Darkseids, jenes düsteren Gottes von Apokolips, der seit Jahrzehnten zu den gefährlichsten Widersachern der gesamten Justice-League-Riege zählt. Was zunächst wie eine surreale Fehlwahrnehmung wirken könnte, entpuppt sich schnell als bittere Realität: Diese Legion hat sich Darkseids Willen unterworfen, und ihr erster Angriff gilt ausgerechnet dem Wachturm der Justice League Unlimited sowie – in einem besonders schmerzhaften erzählerischen Kniff – Ma Kent, jener Figur, die für Supermans Verwurzelung in seiner irdischen Heimat und seine menschlichen Werte steht.
Von diesem brutalen Auftakt aus entwickelt sich die eigentliche Prüfung für Superman, die ihn deutlich über sein gewohntes Terrain hinausführt: Auf der Suche nach dem verschollenen Booster Gold begibt er sich direkt in die Welt dieser dunklen Legion, wo ihn nicht nur die pervertierte Version seiner sonst so verlässlichen Verbündeten erwartet, sondern auch die Rückkehr eines der schillerndsten und zugleich problematischsten Antagonisten der jüngeren DC-Geschichte: Superboy-Prime. Diese Figur, deren Auftritte in der Vergangenheit stets für erzählerische Wucht sorgten, verleiht dem Band eine zusätzliche Schicht an Bedrohung und macht deutlich, dass hier weit mehr auf dem Spiel steht als eine gewöhnliche Superschurken-Konfrontation.
Das Kreativteam: Williamson und Mora auf Event-Kurs
Joshua Williamson hat sich in den vergangenen Jahren als einer der verlässlichsten Architekten großer DC-Event-Geschichten etabliert, nicht zuletzt durch seine Arbeit an "Dark Crisis", das die DC-Continuity nachhaltig prägte und zeigte, wie geschickt er es versteht, ikonische Figurenkonstellationen gegeneinander auszuspielen, ohne dabei den emotionalen Kern der beteiligten Charaktere zu verlieren. Diese Stärke zeigt sich auch in "Darkseids Legion" deutlich: Die Perversion der klassischen Legion-Mitglieder funktioniert gerade deshalb so wirkungsvoll, weil Williamson genau weiß, wofür diese Figuren im kollektiven Gedächtnis der Leserschaft stehen, und dieses Wissen gezielt gegen die Erwartungshaltung einsetzt.
An seiner Seite liefert Zeichner Dan Mora, der zuletzt mit seiner Arbeit an "Absolute Power" und "Justice League Unlimited" für Aufsehen sorgte, erneut ein visuelles Feuerwerk ab. Moras Stil zeichnet sich durch eine seltene Kombination aus dynamischer Actionchoreografie und emotionaler Ausdruckskraft aus – gerade in den Szenen, in denen Superman der korrumpierten Version seiner Verbündeten gegenübersteht, gelingt es ihm, sowohl die schiere physische Wucht der Konfrontationen als auch die emotionale Tragweite dieser Begegnungen einzufangen. Unterstützt wird er dabei von Eddy Barrows, dessen Beteiligung an ausgewählten Kapiteln dem Band zusätzliche zeichnerische Vielfalt verleiht, ohne den stilistischen Gesamteindruck zu stören.
Ein Baustein auf dem Weg zu "DC K.O."
Was "Darkseids Legion" besonders interessant macht, ist seine Funktion als narrativer Wegbereiter für das diesjährige große DC-Event "DC K.O.". Wie schon bei früheren Event-Vorbereitungen erkennbar, verstehen es Williamson und sein Team, einzelne Bausteine zu liefern, die sowohl für sich stehen können als auch im größeren Kontext des kommenden Crossovers an Bedeutung gewinnen werden. Die Enthüllungen rund um Booster Gold sowie die ungeklärte Frage, wie und warum sich die Legion Darkseids Willen unterworfen hat, deuten dabei bereits Fäden an, die in den kommenden Monaten sicherlich weitergesponnen werden. Für Leser, die dem großen Event-Geschehen bei DC folgen möchten, dürfte dieser Band damit zur Pflichtlektüre werden – für alle anderen bietet er dennoch ein in sich geschlossenes, spannungsgeladenes Superman-Abenteuer.
Inhalt des Bandes
Der Sammelband umfasst die Ausgaben Superman (2023) #28 bis #30 sowie das Special "Justice League: The Omega Act" #1, wodurch Leser nicht nur die Kernhandlung um die korrumpierte Legion und Superboy-Prime erhalten, sondern auch zusätzlichen Kontext zu den Hintergründen von Darkseids Plan und dessen Auswirkungen auf die weitere Justice-League-Kontinuität.
Fazit
"Superman: Darkseids Legion" gelingt ein seltener Balanceakt: Der Band funktioniert sowohl als packendes, in sich geschlossenes Superman-Abenteuer als auch als geschickt platzierter Wegbereiter für ein größeres Event-Geschehen. Williamsons Gespür für die emotionale Wucht korrumpierter Ikonen trifft dabei auf Dan Moras kraftvolles, ausdrucksstarkes Artwork und ergibt eine Geschichte, die Fans klassischer Legion-der-Superhelden-Mythologie ebenso begeistern dürfte wie Leser, die sich auf "DC K.O." vorbereiten möchten. Die Rückkehr von Superboy-Prime verleiht der Handlung zusätzliche Brisanz und macht deutlich, dass DC hier bewusst mit dem Erbe seiner ikonischsten Ereignisse spielt. Eine klare Empfehlung für alle Superman- und Event-Fans.