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Mit „Flesh Made Fear" bringt Assemble einen Titel auf die PlayStation 5, der ohne Umschweife sein Herz auf der Zunge trägt: eine kompromisslose Hommage an die klassischen Resident-Evil-Spiele der ausgehenden Neunziger und frühen Zweitausender. Wer sich nach den festen Kameraperspektiven, der drückenden Ressourcenknappheit und der eigenwilligen, aber kultig gewordenen Panzersteuerung jener Ära sehnt, findet hier ein Spiel, das diese Mechaniken nicht nur zitiert, sondern mit spürbarer Hingabe wiederbelebt.


Die Geschichte versetzt Spielerinnen und Spieler in die Rolle einer Spezialeinheit der geheimen Reaper Intervention Platoon, kurz R.I.P., die in eine verlassene, von grausamen Experimenten heimgesuchte Stadt vorrückt. Ihr Auftrag führt sie auf die Spur des abtrünnigen Ex-CIA-Agenten Victor „The Dripper" Ripper, dessen verstörende Forschungen es zu stoppen gilt. Was zunächst als verdeckte Operation beginnt, verwandelt sich rasch in einen verzweifelten Überlebenskampf zwischen verfallenen Straßenzügen, düsteren Wäldern und einem albtraumhaften Herrenhaus-Labor, das unweigerlich Erinnerungen an die berühmte Villa aus dem ersten Resident Evil weckt. Die Erzählung selbst bewegt sich dabei bewusst im Spannungsfeld zwischen Body Horror, Verschwörung und Okkultismus – ein Themenmix, der dem Genre seit jeher eigen ist und hier mit erkennbarer Liebe zum Detail umgesetzt wurde.


Spielmechanisch setzt „Flesh Made Fear" konsequent auf die Tugenden des Old-School-Survival-Horrors. Begrenzte Speicherpunkte zwingen zu taktischem Vorausplanen, knappe Munition macht jede Konfrontation zu einer Abwägung zwischen Kampf und Flucht, und ein limitiertes Inventar erfordert ständiges Verwalten und schwierige Entscheidungen darüber, was mitgenommen und was zurückgelassen wird. Diese bewusste Rückbesinnung auf eine Zeit, in der Survival-Horror noch tatsächlich ums Überleben und nicht primär um actionreiche Bekämpfung von Gegnerhorden ging, dürfte besonders bei Fans des Genres auf große Zustimmung stoßen. Die Rätsel, die sich zwischen den Konfrontationen mit grotesken Kreaturen, okkulten Schrecken und geistig kontrollierten Opfern auftun, fügen sich dabei organisch in das aus den Resident-Evil-Klassikern bekannte Erkundungsprinzip ein und belohnen aufmerksames Spielen sowie genaues Beobachten der Umgebung.


Für zusätzliche Wiederspielbarkeit sorgen zwei spielbare Charaktere mit jeweils unterschiedlichen Werten, eigenen Inventaren und individuellen Storylines. Dieses aus der Serien-Tradition bekannte Prinzip motiviert dazu, das albtraumhafte Szenario aus verschiedenen Perspektiven zu erleben und so ein vollständigeres Bild der Ereignisse rund um Ripper und seine Experimente zu gewinnen. Die PlayStation-5-Version bringt zudem japanische Sprachunterstützung mit, was dem Spiel über die ursprüngliche Steam-Veröffentlichung hinaus ein noch breiteres internationales Publikum erschließen dürfte, gerade weil die Genre-Wurzeln von Resident Evil selbst tief im japanischen Survival-Horror verankert sind.


Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte des Titels. „Flesh Made Fear" stammt aus der Feder von Michael Cosio, einem Solo-Entwickler aus Kalifornien, der mit Titeln wie „Massacre at the Mirage", „Terror at Oakheart" und „Suffer the Night" bereits mehrfach seine Leidenschaft für das Horror-Genre unter Beweis gestellt hat und derzeit an seinem nächsten Projekt „The Skin Stapler" arbeitet. Dass ein einzelner Entwickler ein derart stimmungsvolles, mechanisch durchdachtes Survival-Horror-Erlebnis auf die Beine stellen kann, verdient besondere Anerkennung und unterstreicht einmal mehr, welche kreative Kraft in der Indie-Horror-Szene steckt. Bereits die Steam-Version konnte sich mit durchweg positiven Bewertungen unter Liebhabern des Old-School-Horrors etablieren, und auch innerhalb der Horror-Content-Creator-Szene sorgte der Titel für Aufmerksamkeit, unter anderem bei bekannten Namen wie Residence of Evil, SplatterCatGaming, Hollow, Elajjaz und LaynaLazar.


Insgesamt präsentiert sich „Flesh Made Fear" als gelungene, mit erkennbarer Detailverliebtheit gestaltete Rückbesinnung auf die goldene Ära des Survival-Horrors. Wer die Panzersteuerung, die drückende Atmosphäre und die taktische Ressourcenknappheit der frühen Resident-Evil-Titel vermisst hat, findet hier ein Spiel, das diese Elemente nicht bloß kopiert, sondern mit eigenem Charme und erkennbarer Genre-Kenntnis neu interpretiert. Ein echter Geheimtipp für alle, die sich nach klassischem, kompromisslosem Horror sehnen.