Mit „Das Drama – Nochmal auf Anfang" bringt Leonine einen der meistdiskutierten A24-Titel des Jahres 2026 auf Blu-ray in die deutschen Wohnzimmer. Regisseur Kristoffer Borgli, der sich mit „Sick of Myself" und vor allem mit dem von Nicolas Cage getragenen „Dream Scenario" als eigenständige Stimme des zeitgenössischen Arthouse-Kinos etabliert hat, wagt sich hier an ein Genre, das man von ihm zunächst nicht erwartet hätte: die romantische Komödie. Dass daraus am Ende alles andere als eine gewöhnliche Liebesgeschichte wird, ist dabei durchaus Programm.
Eine Hochzeit, ein Geständnis, ein Erdbeben
Im Zentrum steht das Paar Emma und Charlie, gespielt von Zendaya und Robert Pattinson, das kurz vor der Traumhochzeit steht, als eine Enthüllung aus Emmas Vergangenheit die sorgfältig aufgebaute Fassade ihrer Beziehung ins Wanken bringt. Borgli inszeniert dabei zunächst mit den klassischen Versatzstücken des Genres, dem Meet Cute, der stürmischen Romanze, dem Heiratsantrag, um die Erzählung dann während eines geselligen Abends mit engen Freunden abrupt auf den Kopf zu stellen. Ein harmloses Gesellschaftsspiel unter Freunden, bei dem jeder von seiner schlimmsten Tat berichten soll, wird zum Wendepunkt, der nicht nur Emmas Beziehung zu Charlie, sondern auch das Verhältnis zu dessen bestem Freund Mike und dessen Frau Rachel auf eine harte Probe stellt.
Borgli selbst beschreibt sein Interesse an diesem Spannungsfeld treffend: Es gehe ihm darum, wie Liebe gleichzeitig als stabilisierende und als destabilisierende Kraft wirken kann. Statt einer eindeutigen moralischen Auflösung liefert der Film ein vielschichtiges Psychogramm zweier Menschen, die zwischen Verstand und Gefühl, zwischen Vergebungsbereitschaft und Vertrauensverlust hin- und hergerissen sind. Besonders interessant ist dabei die Konstellation der beiden Hauptfiguren: Während Emma, geprägt von einer schwierigen Kindheit in einem Vorort von Louisiana, von Beginn an bereit ist, ihre Wunden offenzulegen, verkörpert Charlie als britischer Einwanderer in den USA eine kontrollierte, nach außen makellose Fassade, hinter der sich tief sitzende Unsicherheit verbirgt.
Referenzen mit Tiefgang
Bemerkenswert ist der cineastische Unterbau, den Borgli seinen Darstellern in der Vorbereitung mitgegeben hat. Für die Probenphase ließ er das Ensemble unter anderem Paul Mazurskys Beziehungssatire „Bob & Carol & Ted & Alice", Lars von Triers „Melancholia" als, wie Borgli es selbst nennt, „großartig verkorkster Hochzeitsfilm", sowie Michael Hanekes „Die Klavierspielerin" und Ingmar Bergmans „Passion" sichten. Diese Bezugspunkte lassen bereits erahnen, in welche Richtung sich der vermeintliche Rom-Com-Stoff entwickelt: hin zu einem unbequemen, psychologisch grundierten Kammerspiel, das Genüsse und Unbehagen eng nebeneinanderstellt.
Zendaya selbst beschreibt den Balanceakt des Films treffend, wenn sie von komischen Momenten spricht, die dennoch unangenehm und zeitweise beängstigend bleiben, während sich später romantische Töne wieder mit Momenten der Angst abwechseln. Genau in diesem ständigen Tonwechsel liegt die eigentliche Stärke von Borglis Inszenierung, die sich keiner klaren Genrezuordnung unterordnen lässt.
Starbesetzung mit Chemie
Dass Zendaya sich für die Rolle der Emma aktiv bei Borgli und den Produzenten beworben hat, spricht für die Qualität des Materials, das sie bereits beim ersten Lesen des Drehbuchs überzeugte. An ihrer Seite bringt Robert Pattinson, der Borgli bereits bei der Premiere von „Dream Scenario" kennengelernt hatte, seine für ihn typische Mischung aus Zurückhaltung und emotionaler Brüchigkeit in die Rolle des Charlie ein. Verstärkt wird das Ensemble durch Alana Haim als Rachels bissige Trauzeugin, die Emmas Geständnis am wenigsten verzeihen kann, sowie Mamoudou Athie als besonnener Gegenpol in der Rolle des Mike. Die zweiwöchige Probenphase, in der Borgli das Drehbuch gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern weiterentwickelte und verfeinerte, zahlt sich sichtbar aus: Die Figuren wirken auf der Leinwand vielschichtig und nie auf simple Funktionen im Beziehungsdrama reduziert.
Gedreht wurde der Großteil des Films im herbstlichen Cambridge, während für die Rückblenden in Emmas Kindheit im winterlichen New Orleans gefilmt wurde, ein bewusster atmosphärischer Kontrast, der die unterschiedlichen emotionalen Register der Erzählung visuell unterstreicht. Für die Bildgestaltung zeichnet mit Arseni Khachaturan ein Kameramann verantwortlich, der zuletzt mit Werken wie Luca Guadagninos „Bones and All" und Dea Kulumbegashvilis „April" für Aufsehen sorgte, während der Score von Daniel Pemberton stammt, dessen Filmografie von „The Trial of the Chicago 7" bis „Ferrari" reicht.
Fazit
„Das Drama – Nochmal auf Anfang" ist ein Film, der sich seinem Publikum bewusst entzieht, sobald es sich in vertrautem Rom-Com-Terrain wähnt. Kristoffer Borgli gelingt mit Zendaya und Robert Pattinson in den Hauptrollen ein vielschichtiges, unbequemes Beziehungsdrama, das die Illusion romantischer Perfektion seziert und dabei bewusst auf einfache moralische Antworten verzichtet. Wer sich auf die eigenwillige Tonalität des norwegischen Regisseurs einlässt, wird mit einem Film belohnt, der noch lange nach dem Abspann zum Diskutieren einlädt. Die Blu-ray von Leonine bringt diesen sehenswerten A24-Beitrag nun auch für die heimische Sammlung ins Haus.