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Kaum eine Horrorreihe der Achtzigerjahre trägt ein derart schweres Erbe wie die "Poltergeist"-Trilogie, und kein Teil davon ist so eng mit einer realen Tragödie verwoben wie ihr dritter und letzter Teil. Gary Sherman, der bereits mit Filmen wie "Dead & Buried" und "Vice Squad" sein Gespür für unbequeme, atmosphärisch dichte Genrekost bewiesen hatte, übernahm 1987 die Regie für "Poltergeist III" und verlegte das Grauen aus der beschaulichen kalifornischen Vorstadt in einen gläsernen Wolkenkratzer mitten in Chicago. Diese Entscheidung war kein bloßer Ortswechsel zur Auffrischung der Formel, sondern eine bewusste thematische Setzung: Sherman wollte zeigen, dass Isolation und Hilflosigkeit auch inmitten einer Millionenstadt möglich sind, dass das Böse selbst hinter unzähligen Nachbarwänden ungestört sein Unwesen treiben kann. Gemeinsam mit Co-Autor Brian Taggert, mit dem er bereits zuvor zusammengearbeitet hatte, entwickelte er ein Drehbuch, das sich unverkennbar an Lewis Carrolls "Alice hinter den Spiegeln" orientiert und Spiegelbilder zum zentralen visuellen Motiv des Films erhebt.


Ein Dreh im Schatten des Verlusts


Die Handlung schickt die inzwischen etwas ältere Carol Anne zu ihrer Tante Patricia und ihrem Onkel Bruce, die in einem von Bruce als Architekt mitgeplanten Luxushochhaus leben. Was als vermeintlich sichere Zuflucht gedacht ist, entpuppt sich rasch als neuer Schauplatz des Grauens, denn der finstere Reverend Kane hat Carol Anne erneut aufgespürt und dringt diesmal nicht in ein einzelnes Haus, sondern gleich in einen ganzen Wolkenkratzer aus Glas und Spiegeln ein. Was die Produktionsgeschichte des Films jedoch für immer überschatten sollte, ereignete sich während der Postproduktion: Hauptdarstellerin Heather O'Rourke, die bereits die ersten beiden Filme der Reihe geprägt hatte, verstarb im Februar 1988 im Alter von nur zwölf Jahren an den Folgen einer bis dahin unentdeckten Erkrankung, nur wenige Monate vor der geplanten Kinopremiere. Gary Sherman wollte den Film nach diesem Schicksalsschlag eigentlich nicht mehr zu Ende bringen, wurde jedoch vom Studio zur Fertigstellung gedrängt und musste das Ende mit einem Double nachdrehen lassen. Der fertige Film wurde schließlich dem Andenken der jungen Schauspielerin gewidmet, ein Umstand, der bis heute jede Betrachtung von "Poltergeist III" mit einer spürbaren Melancholie auflädt.


Die letzten Gesichter der Originalbesetzung


Von der ursprünglichen Besetzung der ersten beiden Filme kehrten für diesen dritten Teil nur zwei Darstellerinnen zurück: Heather O'Rourke als Carol Anne Freeling und Zelda Rubinstein in ihrer unverwechselbaren Rolle der Medium Tangina Barrons. Gerade Rubinstein verleiht dem Film in ihren wenigen, aber pointierten Szenen jene Vertrautheit, die eine Fortsetzung dieser Reihe überhaupt erst legitimiert. An ihrer Seite stehen mit Tom Skerritt und Nancy Allen zwei erfahrene Charakterdarsteller, die als Onkel Bruce und Tante Patricia in die Rolle der neuen Bezugspersonen für Carol Anne schlüpfen. Skerritt bringt seiner Figur des erfolgreichen, aber zunehmend überforderten Architekten eine glaubwürdige Bodenständigkeit mit, während Nancy Allen als zunächst emotional distanzierte Tante im Verlauf des Films eine bemerkenswerte Wandlung durchläuft, die dem Film seine eigentliche emotionale Substanz verleiht. Beide Darsteller äußerten sich in späteren Interviews offen über die schwierigen Umstände der Nachdreharbeiten und darüber, wie sehr der Tod ihrer jungen Kollegin die gesamte Produktion überschattete, was ihre Leistungen im fertigen Film rückblickend noch bewegender erscheinen lässt.


Handwerk zwischen Ambition und Kompromiss


Aus rein handwerklicher Sicht bleibt "Poltergeist III" ein interessanter, wenn auch zwiespältiger Fall. Sherman verzichtete bewusst auf die zu dieser Zeit üblichen optischen Spezialeffekte und setzte stattdessen auf aufwendige mechanische Effekte, die tatsächlich vor der Kamera stattfanden, darunter die inzwischen legendäre Spiegelsequenz, in der die Grenze zwischen Realität und Spiegelwelt buchstäblich vor laufender Kamera verschwimmt. Diese Sequenz gilt bis heute als technisches Glanzstück des Films und wird von Fans regelmäßig für ihre Raffinesse gelobt, selbst wenn kleinere Ungenauigkeiten bei genauem Hinsehen auffallen. Insgesamt fällt der Film jedoch spürbar unter dem Eindruck eines reduzierten Budgets und der tragischen Produktionsumstände zurück hinter das Niveau seiner beiden Vorgänger, was ihm seinerzeit vernichtende Kritiken einbrachte. Aus heutiger, retrospektiver Perspektive gewinnt "Poltergeist III" jedoch an Reiz gerade durch seine ungewöhnliche, fast surreale Bildsprache und die spürbare Melancholie, die über der gesamten Produktion liegt.


Das Mediabook von Wicked Vision


Wicked Vision widmet diesem oft unterschätzten Reihenausklang nun ein aufwendig gestaltetes Mediabook, das den Film sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD enthält und damit sowohl Sammler als auch Gelegenheitszuschauer bedient. Das Booklet umfasst 24 Seiten und enthält einen Essay von Christoph N. Kellerbach, der sich der wechselvollen Produktionsgeschichte und der bis heute nachwirkenden emotionalen Tragweite des Films widmet und damit dem Sammlerstück eine wertvolle inhaltliche Tiefe verleiht.


Umfangreiches Bonusmaterial


Wer sich näher mit der Entstehungsgeschichte von "Poltergeist III" befassen möchte, kommt bei diesem Mediabook voll auf seine Kosten. Gleich zwei Audiokommentare stehen zur Verfügung: Zum einen spricht Regisseur Gary Sherman selbst über die Produktion, seine gestalterischen Entscheidungen und offen auch über die Umstände, unter denen der Film letztlich fertiggestellt werden musste. Zum anderen liefert der als Webmaster der Fanseite bekannte David Furtney einen zweiten, eher detailversessenen Kommentar, der sich besonders an langjährige Kenner der Reihe richtet. Ergänzt wird dies durch das Interview "High Spirits" mit Drehbuchautor Brian Taggert, der Einblicke in die Entstehung der Geschichte und die Zusammenarbeit mit Sherman gibt, sowie durch "Reflections", ein Gespräch mit Nancy Allen, in dem sie auf ihre Rolle und die bewegenden Dreharbeiten zurückblickt. Das Interview "Mirror Images" widmet sich hingegen der technischen Seite der Produktion und lässt Special-Make-up-Effects-Creator John Caglione Jr. zu Wort kommen, der die aufwendigen praktischen Effekte des Films erläutert. Für Fans mit Interesse an den realen Schauplätzen bietet "The Grimmlife Collective Special" einen Vergleich der Drehorte damals und heute und zeigt eindrucksvoll, wie sich das Chicago der späten Achtziger seither verändert hat. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch das alternative Ende des Films, einen electronic Presskit, Behind-the-Scenes-Material speziell für Videothekenbesitzer aus der Entstehungszeit, den deutschen sowie den amerikanischen Originaltrailer, mehrere TV-Spots, das vollständige Drehbuch zum Nachlesen sowie eine umfangreiche Bildergalerie, die zahlreiche seltene Produktionsfotos versammelt.


Fazit


"Poltergeist III" wird wohl nie aus dem Schatten seines Vorgängers und der tragischen Umstände seiner Entstehung heraustreten können, doch gerade das macht ihn zu einem faszinierenden, zutiefst menschlichen Dokument des Genrekinos der Achtzigerjahre. Das Mediabook von Wicked Vision würdigt diesen zwiespältigen Reihenausklang mit einer beeindruckenden Fülle an liebevoll zusammengestelltem Bonusmaterial und macht ihn damit zu einer lohnenswerten Anschaffung für alle, die sich jenseits reiner Nostalgie mit der komplexen Geschichte dieses Films auseinandersetzen möchten.