Celebrity – Schön. Reich. Berühmt.
Ein bitterer Blick hinter die Fassade des Ruhms
Mit „Celebrity" legte Woody Allen 1998 eine seiner schärfsten Milieustudien vor – eine in kühlem Schwarzweiß gehaltene Satire, die sich mit unverhohlener Häme durch die glitzernde, aber zutiefst hohle Welt der Prominenz gräbt. Der Film erzählt von Lee Simon, einem gescheiterten Romancier, der sich als Society-Journalist durchschlägt und dabei zwischen Filmstars, Models und Selbstdarstellern nach jenem Glanz sucht, der ihm selbst versagt bleibt. Parallel dazu verfolgt Allen den entgegengesetzten Weg seiner Ex-Frau Robin, die nach der Scheidung unerwartet Fuß in genau jener Medienwelt fasst, die Lee vergeblich zu erobern versucht. Aus dieser Gegenüberstellung zweier Lebenswege entsteht ein episodenhaftes, oft bissig-komisches Sittengemälde über Eitelkeit, Bedeutungslosigkeit und die zermürbende Sehnsucht nach Anerkennung – ein Thema, das angesichts der heutigen Selbstinszenierungskultur nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
Woody Allen als Regisseur im Hintergrund
Bemerkenswert an „Celebrity" ist, dass Allen sich hier bewusst hinter die Kamera zurückzog und die Hauptrolle nicht selbst übernahm – ein für ihn zu jener Zeit ungewöhnlicher Schritt, nachdem er in mehreren vorangegangenen Filmen noch selbst vor der Linse gestanden hatte. Stattdessen überließ er die Rolle des Lee Simon Kenneth Branagh, der die für Allen so typischen Sprachmuster, das nervöse Stottern und die selbstironischen Gesten mit bemerkenswerter Hingabe übernimmt. Diese Entscheidung sorgte seinerzeit für geteilte Reaktionen unter Kritikern, verleiht dem Film aus heutiger Sicht jedoch einen eigenwilligen Reiz: Branagh spielt weniger eine eigenständige Figur als vielmehr eine Persona, durch die Allens Handschrift umso deutlicher hindurchscheint.
Die Besetzung: Ein Who-is-Who der neunziger Jahre
Kenneth Branagh, dem britischen Publikum vor allem durch seine gefeierten Shakespeare-Verfilmungen wie „Henry V." bekannt, verleiht Lee Simon jene Mischung aus Verzweiflung und Selbstüberschätzung, die den Charakter zugleich lächerlich und tragisch macht. An seiner Seite steht Judy Davis als seine Ex-Frau Robin, deren Wandlung von der unsicheren Lehrerin zur aufstrebenden Fernsehpersönlichkeit den heimlichen emotionalen Kern des Films bildet – eine Rolle, die in ihrer neurotischen Verletzlichkeit an Davis' vielbeachtete Arbeit in Allens „Ehemänner und Ehefrauen" erinnert. Melanie Griffith, spätestens seit „Die Waffen der Frauen" als Hollywood-Ikone etabliert, gibt eine launische Diva, deren Starallüren Lees Illusionen über die Glamourwelt gehörig ins Wanken bringen. Für jugendlichen Wirbel sorgt ein noch sehr junger Leonardo DiCaprio, der kurz nach seinem Weltruhm durch „Titanic" hier als durchgeknalltes Jungidol brillieren darf und mit ungezügelter Energie eine der einprägsamsten Nebenfiguren des Films liefert – heute, nach seiner jüngsten Oscar-nominierten Arbeit in „One Battle After Another", lässt sich sein Auftritt in „Celebrity" fast wie eine frühe Talentprobe lesen. Abgerundet wird das Ensemble unter anderem durch Winona Ryder, Charlize Theron als verführerisches Supermodel und Joe Mantegna, sodass der Film über weite Strecken wie eine Parade damaliger und späterer Hollywoodgrößen wirkt.
Die Kamera von Sven Nykvist
Für die visuelle Umsetzung zeichnet mit Sven Nykvist ein Name verantwortlich, der in der Filmgeschichte kaum größeres Gewicht haben könnte: Als langjähriger Kameramann Ingmar Bergmans prägte Nykvist über Jahrzehnte hinweg die Bildsprache des schwedischen Meisterregisseurs und gehört zu den einflussreichsten Kameraleuten des europäischen Kinos überhaupt. In „Celebrity" nutzt er das reduzierte Schwarzweiß, um der glitzernden, oberflächlichen Welt der Promis eine fast dokumentarische, entlarvende Kühle zu verleihen – ein bewusster Kontrast, der die Hohlheit der dargestellten Gesellschaft visuell unterstreicht und dem Film seine unverwechselbare, elegant-distanzierte Atmosphäre verleiht.
Bild und Ton auf der neuen Blu-ray
One Gate Media bringt „Celebrity" nun erstmals als eigenständige Einzelveröffentlichung auf Blu-ray heraus, nachdem der Film hierzulande lange Zeit nur schwer oder gar nicht in ordentlicher Qualität zu bekommen war. Das kontrastreiche Schwarzweißbild profitiert sichtlich von der hochauflösenden Abtastung, die Nykvists sorgfältig komponierte Bildkompositionen mit ihrer feinen Grauabstufung und dem angenehm organischen Filmkorn zur Geltung bringt. Der Ton bleibt der Machart des Films entsprechend zurückhaltend und dialoglastig, wird aber sauber und klar wiedergegeben, sodass Allens pointierte Dialoge jederzeit gut verständlich bleiben.
Verpackung und Bonusmaterial
Die Ausstattung der Veröffentlichung orientiert sich an dem, was man von One Gate Media bereits von früheren Klassiker-Editionen gewohnt ist: ein sauber gestaltetes Cover, das die reduzierte Bildsprache des Films aufgreift, sowie eine unaufgeregte, wertige Aufmachung ohne überladenes Beiwerk. An Extras hält sich die Scheibe bewusst zurück, was angesichts des Alters und der Randstellung des Films im Œuvre Allens nicht überrascht – wer sich für „Celebrity" interessiert, bekommt in erster Linie den Film selbst in einer so lange vermissten, ordentlichen Bildqualität, was für viele Sammler ohnehin der eigentliche Grund für den Kauf sein dürfte.
Fazit
„Celebrity" gehört sicher nicht zu den bekanntesten Werken Woody Allens, verdient aber gerade wegen seiner beißenden Beobachtungsgabe und der hochkarätigen Besetzung eine Wiederentdeckung. Die Veröffentlichung von One Gate Media schließt eine spürbare Lücke im deutschen Heimkinomarkt und präsentiert Sven Nykvists elegante Schwarzweißfotografie in einer Qualität, die dem Film lange gefehlt hat. Ein lohnender Griff für alle, die sich für Allens ironischen Blick auf die Ruhmsucht ihrer Zeit interessieren.