Star Fox (Nintendo Switch 2) – Review
Es gibt Comebacks, auf die eine Fangemeinde jahrzehntelang wartet, ohne wirklich zu glauben, dass sie tatsächlich eintreten. Star Fox gehörte über weite Strecken der vergangenen zehn Jahre zu genau dieser Kategorie: eine einst prägende Nintendo-Marke, die nach dem enttäuschenden Star Fox Zero 2016 in eine Art Wartestellung geriet, während Fox McCloud allenfalls als Gastfigur in Titeln wie Star Fox 2 von der Bildfläche her sichtbar blieb. Umso überraschender kam die Ankündigung im Mai 2026, die Nintendo in einer spontan angesetzten Direct verkündete – zehn Minuten, bevor die Übertragung überhaupt begann. Bereits im März hatten Branchenkenner wie der Podcaster NateTheHate und das Portal Video Games Chronicle über ein klassisch anmutendes Star-Fox-Projekt spekuliert, und tatsächlich hing die Rückkehr eng mit Fox McClouds Gastauftritt im „Super Mario Galaxy"-Kinofilm zusammen, der offenbar als Vorbote einer größeren Wiederbelebung der Figur diente.
Entwickelt wurde das Spiel diesmal nicht von Nintendo selbst, sondern von Velan Studios, während Nintendo weiterhin als Publisher auftritt. Im Zentrum steht dabei keine völlig neue Geschichte, sondern ein Remake von Star Fox 64 aus dem Jahr 1997 – jenem Titel, der hierzulande unter dem Namen Lylat Wars erschien und bis heute von vielen als der beste und ausgereifteste Teil der Reihe angesehen wird. Die Entscheidung, ausgerechnet dieses Kapitel neu aufzulegen, statt ein völlig neues Star-Fox-Abenteuer zu wagen, ist bezeichnend für die gesamte Ausrichtung des Projekts: Hier soll nichts neu erfunden, sondern das Bewährte mit größtmöglicher Sorgfalt für eine neue Generation aufbereitet werden.
Eine vertraute Reise durchs Lylat-System
Wer Star Fox 64 gespielt hat, kennt die Grundpfeiler der Handlung bereits genau. Fox McCloud, Sohn des verschollenen James McCloud, übernimmt gemeinsam mit seinem Team – bestehend aus dem impulsiven Falco Lombardi, dem bedächtigen Slippy Toad und dem erfahrenen Peppy Hare – den Kampf gegen den größenwahnsinnigen Wissenschaftler Andross, der das Lylat-System mit seiner Armee überzieht und dessen Ziel die vollständige Zerstörung des Sonnensystems ist. Die Geschichte selbst ist bewusst kompakt gehalten und dient in erster Linie als atmosphärischer Rahmen für die eigentliche Actionerfahrung, wurde für die Neuauflage aber durch neue, bislang unveröffentlichte Missionsbriefings und zusätzliche Zwischensequenzen erweitert. Diese vertiefen die Beziehungen innerhalb des Star-Fox-Teams und geben insbesondere Nebenfiguren mehr Raum, ohne dabei die straffe, geradlinige Erzählstruktur des Originals zu verwässern.
Spielerisch bewegt man sich in gewohnter Manier durch das Lylat-System: im wendigen Arwing-Raumjäger durch den offenen Weltraum, im geländegängigen Landmaster-Panzer über Planetenoberflächen und im U-Boot Blue Marine durch Unterwasserpassagen. Die Levels sind linear aufgebaut, verzweigen sich aber je nach Spielverhalten in unterschiedliche Routen, sodass ein und dieselbe Mission bei wiederholtem Spielen völlig andere Wege und Missionsziele offenbaren kann. Loopings, Barrel Rolls, aufladbare Schüsse und der taktische Einsatz von Bomben gehören zum festen Bewegungsrepertoire und wurden praktisch unverändert aus dem Original übernommen – hier hat sich Velan Studios ganz bewusst für maximale Werktreue entschieden, statt das über Jahrzehnte gewachsene Spielgefühl grundlegend zu verändern.
Neue Technik, altbekanntes Gefühl
Der eigentliche Mehrwert dieser Neuauflage liegt weniger im spielerischen Konzept als vielmehr im technischen und inszenatorischen Feinschliff, der dem Titel spürbar zugutekommt. Die Steuerung wurde merklich verfeinert und wirkt auf der Switch 2 deutlich flüssiger und präziser, als es das Nintendo-64-Original je konnte – eine Beobachtung, die sich durch mehrere internationale Anspieltermine im Vorfeld des Release bereits bestätigte. Die grafische Überarbeitung verleiht dem Lylat-System spürbar neuen Glanz: Planetenoberflächen wirken plastischer, Explosionseffekte dynamischer, und die Beleuchtung sorgt für eine deutlich atmosphärischere Präsentation, ohne dabei den unverwechselbaren visuellen Charakter der Reihe zu verlieren.
Auch bei der Präsentation der Charaktere hat man sich sichtlich Mühe gegeben. Die überarbeiteten Charakterdesigns orientieren sich hörbar an den Werbepuppen, mit denen einst das ursprüngliche SNES-Spiel beworben wurde, und schlagen damit einen liebevollen Bogen zurück zu den allerersten Wurzeln der Serie. Wer die Erfahrung besonders authentisch gestalten möchte, kann zudem auf den NSO-Nintendo-64-Controller zurückgreifen, der offiziell unterstützt wird und dem Spiel noch einmal eine zusätzliche nostalgische Note verleiht. In der Summe ergibt sich ein Bild, das genau zwischen zwei Polen balanciert: einerseits die unverkennbare Retro-DNA des Originals, andererseits ein technischer Feinschliff, der keine Kompromisse bei Bildrate, Steuerungspräzision oder visueller Klarheit eingeht.
Mehrspieler und moderne Funktionen
Der aus Star Fox 64 bekannte Mehrspielermodus feiert ebenfalls sein Comeback, allerdings mit einer entscheidenden Änderung: Statt des einstigen lokalen Splitscreens setzt die Neuauflage konsequent auf Online-Duelle. Die Luftkämpfe im Arwing gegeneinander funktionieren im Kern gut und bewahren den chaotischen, taktischen Charme, den Fans der Serie schätzen, wobei die tatsächliche Erfahrung naturgemäß stark von der Verbindungsqualität zu den Mitspielern abhängt – ein Aspekt, der sich bei internationalen Testrunden im Vorfeld bereits als spürbar herausfordernd erwies, sich zum globalen Marktstart mit regional näher gelegenen Servern jedoch relativieren dürfte.
Darüber hinaus nutzt Star Fox konsequent die neuen Systemfunktionen der Switch 2. Die GameChat-Funktion lässt sich sowohl für Sprachkommunikation während des Mehrspielers als auch für allgemeine Videotelefonie nutzen, wobei sich die eigene Webcam mit Filtern der verschiedenen Star-Fox-Teammitglieder versehen lässt – ein verspielter, aber durchaus charmanter Bonus. Wer über eine kompatible USB-Kamera verfügt, kann zusätzlich Charakteravatare per Gesichtsbewegungserfassung steuern, was der Präsentation eine zusätzliche persönliche Note verleiht. Über die GameShare-Funktion lässt sich das Spiel zudem mit Besitzern einer klassischen Nintendo Switch teilen, was die Einstiegshürde für gemeinsame Spielrunden im Freundeskreis erheblich senkt und die Reichweite des Titels über die reine Switch-2-Käuferschaft hinaus vergrößert.
Umfang, Tempo und Wiederspielwert
Wie schon das Original ist auch diese Neuauflage keine ausufernde, dutzende Stunden verschlingende Kampagne, sondern ein kompaktes, straff inszeniertes Erlebnis, das ganz bewusst auf Wiederspielbarkeit statt auf schiere Länge setzt. Die verzweigten Routen durch das Lylat-System sorgen dafür, dass sich ein einzelner Durchlauf deutlich von einem zweiten oder dritten unterscheiden kann, je nachdem, welche Planeten man ansteuert und welche versteckten Pfade man freischaltet. Diese Struktur, die schon 1997 als geradezu revolutionär für ein actionorientiertes Konsolenspiel galt, funktioniert auch fast dreißig Jahre später noch bemerkenswert gut und motiviert dazu, das Spiel mehrfach mit unterschiedlichen Zielsetzungen anzugehen.
Fazit
Star Fox auf der Nintendo Switch 2 ist genau das, was sich viele langjährige Fans der Serie insgeheim erhofft hatten: eine außerordentlich werktreue, spielerisch runderneuerte Rückkehr zum vielleicht besten Kapitel der Reihe, verpackt in ein modernes, technisch überzeugendes Gewand. Velan Studios verzichtet bewusst auf radikale Neuerungen und konzentriert sich stattdessen darauf, Steuerung, Bildqualität und Präsentation so zu verfeinern, dass sich das über Jahrzehnte gewachsene Spielgefühl heute genauso frisch anfühlt wie einst. Wer Star Fox 64 bereits in- und auswendig kennt, wird hier wenig grundlegend Neues entdecken, dafür aber unzählige liebevolle Details und einen spürbar gestiegenen Bedienkomfort zu schätzen wissen. Für alle, die die Serie bislang nur aus der Ferne oder gar nicht kennen, ist diese Neuauflage zugleich der ideale und zugänglichste Einstiegspunkt in das Lylat-System, den es seit Jahren gegeben hat. Einzig der Verzicht auf lokalen Splitscreen zugunsten reiner Online-Duelle dürfte bei einigen Fans für Wehmut sorgen. Unterm Strich bleibt jedoch ein rundum gelungenes, kompaktes Remake, das seine Vorlage mit sichtbarem Respekt behandelt und Star Fox als Marke eindrucksvoll zurück ins Rampenlicht holt.