Nextgengamersnet
Games, Movies and more
 
 
 


Vier Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung erlebt Tales of Arise seine bislang vollständigste Wiedergeburt. Was 2021 auf PlayStation, Xbox und PC als Neuausrichtung der altehrwürdigen Tales-Reihe begann und von Kritik wie Fangemeinde gleichermaßen als einer der stärksten Serieneinträge gefeiert wurde, findet nun endlich seinen Weg auf die Nintendo Switch 2. Portiert wurde die Fassung von Software.Advanced.Research Co., Ltd., während Bandai Namco als Publisher weiterhin die Zügel in der Hand hält. Unter dem Titel Tales of ARISE – Beyond the Dawn Edition bekommen Switch-2-Besitzer dabei nicht nur das Hauptspiel, sondern gleich das komplette Gesamtpaket serviert: Basisspiel, die umfangreiche „Beyond the Dawn"-Zusatzgeschichte sowie eine ganze Reihe kosmetischer Extras in einer einzigen Veröffentlichung. Wer möchte, kann sich zudem für 20 US-Dollar Aufpreis die Premium Edition mit weiteren kosmetischen Inhalten und Verbrauchsgegenständen sichern, während Besitzer der Standardversion über ein separates Upgrade-Paket für 24,99 US-Dollar nachträglich aufrüsten können.


Eine Geschichte von Unterdrückung und Befreiung


Erzählerisch bewegt sich Tales of Arise auf vertrautem, aber solide inszeniertem Terrain. Seit dreihundert Jahren beherrscht die technologisch überlegene Nation Rena von ihrem Mondstützpunkt aus den Planeten Dahna, dessen Bewohner sie systematisch versklavt, ihrer Ressourcen beraubt und in fünf Herrschaftsgebiete unter jeweils grausamen Lords aufgeteilt hat. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Figuren, die auf unterschiedlichen Welten geboren wurden und sich gemeinsam gegen dieses Schicksal auflehnen, um eine neue Zukunft für beide Völker zu erkämpfen. Getragen wird diese Geschichte von einem vielschichtigen Ensemble an Begleitfiguren, einem intuitiven und zugleich forderndem Kampfsystem sowie einer visuell überzeugend gestalteten Welt, die zum Erkunden und Verweilen einlädt.


Die in dieser Edition enthaltene „Beyond the Dawn"-Erweiterung setzt erzählerisch nach dem Ende der Hauptgeschichte an. Nachdem der Kampf um das Schicksal beider Welten geschlagen ist, begegnen Alphen und seine Gefährten der jungen Nazamil, Tochter eines renanischen Lords und einer Dahnanerin, deren Schicksal untrennbar mit einem neuen, aufkommenden Fluch der Masken verbunden ist. Die sechs Gefährten, deren Bindung durch die gemeinsam durchlebten Kämpfe nur noch enger geworden ist, müssen sich erneut zusammenraufen, um das Mädchen vor diesem Schicksal zu bewahren. Wer die Erweiterung in der vorgesehenen Reihenfolge angeht, also erst nach Abschluss der Haupthandlung, wird mit einer stimmigeren emotionalen Auflösung belohnt, da sich das gemächlichere Erzähltempo von Beyond the Dawn deutlich runder anfühlt, sobald der große Krieg bereits gewonnen ist.


Umfang und Inhalt der Beyond the Dawn Edition


Diese Switch-2-Fassung ist inhaltlich die bislang großzügigste Version des Spiels. Neben dem titelgebenden Zusatzszenario, das mit einer eigenständigen Handlung, neuen Dungeons und Nebenquests aufwartet, umfasst das Paket zusätzliche Kostüme rund um Held und Heldin, ein Reise-Unterstützungspaket mit einer ordentlichen Menge Gald, Stufenaufstiegen und komplettem Angelequipment sowie eine Sammlung silberfarbener Waffenvarianten. Wer sämtliche im Spiel enthaltenen DLC-Inhalte mitnimmt, kann laut übereinstimmenden Berichten mit einer Gesamtspielzeit von bis zu sechzig Stunden rechnen, während andere Stimmen aus der Fachpresse sogar von rund hundert Stunden sprechen, wenn man sich intensiv mit sämtlichen Nebeninhalten beschäftigt. So oder so bleibt festzuhalten: Wer sich auf Tales of Arise einlässt, bekommt es mit einem der umfangreicheren Rollenspiele der jüngeren Vergangenheit zu tun.


Wie schlägt sich der Switch-2-Port?


Technisch betrachtet ist dieser Port ein durchwachsenes, aber insgesamt respektables Kapitel. Sowohl im Handheld-Modus als auch im angedockten Zustand auf dem großen Bildschirm überzeugt die Bildqualität, was nicht zuletzt der von Haus aus stilisierten, leicht überschärften Präsentation des Spiels zugutekommt. Eine subtile Kantenschärfung sorgt dafür, dass die Welt streckenweise fast wie ein handgemaltes Gemälde wirkt, was besonders in den ohnehin schon eindrucksvoll inszenierten Zwischensequenzen zur Geltung kommt, die sich streckenweise eher wie ein Animationsfilm als wie ein klassisches Videospiel anfühlen. Weniger überzeugend zeigt sich die Bildrate: Sie fällt zwar selten unter dreißig Bilder pro Sekunde, schwankt jedoch merklich zwischen einer stabilen Sperrung auf diesen Wert und Phasen, die zeitweise regelrecht ungebremst wirken. Eine konsequentere Bildratenbegrenzung hätte der gefühlten Flüssigkeit an dieser Stelle sicherlich gutgetan. Im direkten Vergleich zu den PlayStation- und PC-Fassungen mag dies zwar nicht die technisch beeindruckendste Version des Spiels sein, doch Bandai Namco hat erkennbar keine inhaltlichen Kompromisse gemacht, um eine vollständige, in sich geschlossene Erfahrung auf die Konsole zu bringen.


Kampfsystem, Welt und bleibende Schwächen


Spielerisch bleibt Tales of Arise das, was es schon zum Release 2021 war: ein actionreiches, flüssiges Kampfsystem, das sich angenehm eingängig steuert und dabei genügend taktische Tiefe bietet, um über die gesamte Spielzeit hinweg zu motivieren. Ergänzt wird dies durch eine grafisch ansprechend gestaltete Spielwelt, die sich auch nach Jahren noch sehen lassen kann. Wie schon zum Erscheinen des Originals bleiben allerdings auch auf der Switch 2 einige altbekannte Schwächen bestehen. Die Haupterzählung neigt in ihrer zweiten Hälfte zu einer gewissen Länge, gelegentlich schwammig wirkende Gegner bremsen den ansonsten dynamischen Kampfrhythmus, und die zusätzlichen DLC-Inhalte können in ihrer Wirkung nicht ganz mit dem eigentlichen Hauptspiel mithalten. Diese Kritikpunkte schmälern die insgesamt starke Gesamterfahrung jedoch nur graduell.


Fazit


Tales of ARISE – Beyond the Dawn Edition ist ein überzeugender, inhaltlich vollständiger Port eines der stärksten Einträge der gesamten Tales-Reihe. Wer das Spiel bislang verpasst hat, bekommt auf der Switch 2 die bislang großzügigste und mobilste Möglichkeit, in die Welt von Rena und Dahna einzutauchen, während Serienkenner mit der Beyond-the-Dawn-Erweiterung ein stimmungsvolles, wenn auch mechanisch wenig neues Nachspiel zur Haupthandlung erhalten. Kleinere technische Schwankungen bei der Bildrate trüben das Bild nur geringfügig und tun der insgesamt sehr guten audiovisuellen Präsentation kaum Abbruch. Für Einsteiger in die Tales-Reihe ebenso wie für Fans, die dem Spiel eine zweite Chance unterwegs geben möchten, ist dies eine klare Empfehlung.