Sherlock Holmes: Blutiger Schnee im Bloomsbury Hill (Titania Medien) – Review
Mit „Blutiger Schnee im Bloomsbury Hill" liefert Titania Medien einen weiteren Fall aus der Reihe „Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs" und beweist dabei erneut, dass sich das viktorianische London auch abseits der bekannten Conan-Doyle-Klassiker als äußerst ergiebiger Schauplatz für neue Kriminalgeschichten erweist. Der Fall führt Holmes und seinen treuen Chronisten Dr. Watson mitten hinein in eine Gemengelage aus Mord, Entführung und organisierter Kriminalität, die von der ersten Seite an keinen Zweifel daran lässt, dass in Bloomsbury Hill etwas gründlich aus dem Ruder gelaufen ist.
Ein Archäologe, eine Vermisste und die Camorra
Ausgangspunkt der Handlung ist der Mord an dem italienischen Archäologen Professor Marconi, dessen Leiche auf mysteriöse Weise spurlos verschwindet. Mit ihr verschwindet auch Margery Mapleton, seine Angestellte und, in einer hübschen erzählerischen Verknüpfung zum bekannten Holmes-Kosmos, eine Cousine von Mrs. Hudson. Als sich herausstellt, dass der Ermordete Verbindungen zur Camorra unterhielt, wird die Ausgangslage schlagartig brisanter: Sollte Miss Mapleton überhaupt noch am Leben sein, droht ihr womöglich weit größere Gefahr, als es der erste Tatortbefund vermuten lässt. Diese persönliche Verbindung zu Mrs. Hudson verleiht dem Fall von Beginn an eine emotionale Dringlichkeit, die über das übliche professionelle Interesse von Holmes hinausgeht und auch Dr. Watson sichtlich unter Zugzwang setzt.
Bekannte Gesichter und ein zwielichtiger Reporter
Am Tatort begegnen die beiden Ermittler ihrem altbewährten Sparringspartner Inspector Lestrade, der den Fall offiziell für Scotland Yard bearbeitet und wie gewohnt für spürbare Reibung mit Holmes' unkonventionellen Methoden sorgt. Hinzu gesellt sich der Reporter Fulford, dessen offizieller Auftrag, ein Artikel über Marconis wissenschaftliche Arbeit, von Anfang an einen faden Beigeschmack hat. Figuren dieser Art gehören zum bewährten Handwerkszeug der Reihe: Sie liefern zusätzliche Verdachtsmomente, ohne die Auflösung vorschnell zu verraten, und sorgen dafür, dass man als Lesende bis zum Schluss mitr:rätselt, wessen Motive tatsächlich reinen Gewissens sind.
Tempo und Spannungsaufbau
Was den Fall besonders vorantreibt, ist der spürbare Zeitdruck, unter dem Holmes und Watson agieren. Die kaltblütigen Überfälle in Bloomsbury Hill häufen sich, während Miss Mapleton weiterhin wie vom Erdboden verschluckt bleibt, und dieser eskalierende Handlungsrhythmus verleiht der Geschichte ein angenehm zügiges Tempo, das klassische Ermittlungsarbeit mit echter Bedrohungslage verbindet. Gerade das Zusammenspiel aus organisierter Kriminalität, persönlicher Betroffenheit und der vertrauten Holmes'schen Deduktionskunst macht den Reiz dieses Falls aus, der sich angenehm in die viktorianische Atmosphäre einfügt, für die die Reihe inzwischen bekannt ist.
Teil einer bewährten Reihe
„Blutiger Schnee im Bloomsbury Hill" ist einer von insgesamt sechs Bänden der Reihe, die sich als ideale Sommerlektüre für Krimifans empfiehlt und dank der E-Book-Fassung auch unterwegs mühelos mitreist. Wer inzwischen Gefallen an den neuen, eigenständigen Fällen rund um den Meisterdetektiv gefunden hat, darf sich zudem schon auf den Herbst freuen: Im September und Oktober erscheinen mit „Das entwendete Fallbeil" und „Botschaft aus dem Jenseits" die Bände sieben und acht, die für reichlich Nachschub in der dunkleren Jahreszeit sorgen dürften. Titania Medien, bekannt für seine mehrfach ausgezeichneten Hörspielproduktionen wie „Gruselkabinett" oder eben die Hörspielreihe zu Sherlock Holmes, hat mit der eigenständigen Buchreihe ein weiteres starkes Standbein geschaffen, das die literarische Tradition des Meisterdetektivs mit frischen, in sich abgeschlossenen Geschichten fortführt.
Fazit
„Blutiger Schnee im Bloomsbury Hill" ist ein solider, temporeicher Fall, der klassische Holmes-Tugenden mit einer persönlichen Note für Mrs. Hudson verbindet und dabei nie den Spannungsbogen verliert. Wer die Reihe bereits kennt, bekommt genau das gebotene Handwerk, das sie so beliebt gemacht hat, wer neu einsteigt, findet einen zugänglichen, in sich abgeschlossenen Fall, der Lust auf mehr macht.