„Mavrix by Matt Jones" – Review zum PS5-Release
Nach einem Jahr im Early Access hat das Entwicklerstudio Third Kind Games sein Mountainbike-Projekt „Mavrix by Matt Jones" nun mit der Version 1.0 offiziell aus der Testphase entlassen und für PS5 veröffentlicht. Herausgeber Cascade Interactive setzt dabei konsequent auf die Authentizität des Namensgebers: Der Titel entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Profi-Freerider und Red-Bull-Athleten Matt Jones, dessen Handschrift sich durch das gesamte Spiel zieht – vom Tutorial, in dem er selbst als virtueller Guide auftritt, bis zur grundlegenden Designphilosophie, die weniger auf inszenierte Effekthascherei als auf das reine, unmittelbare Fahrgefühl setzt.
Eine offene Welt für Selbstbestimmte
Anders als viele Extremsport-Titel verzichtet „Mavrix" bewusst auf eine erzählte Kampagne mit Zwischensequenzen und Storybögen. Stattdessen wirft das Spiel seine Spieler:innen in eine gut 100 Quadratkilometer große, zusammenhängende offene Welt, in der Downhill-Strecken, ausladende Slopestyle-Linien und mehrere Bikeparks darauf warten, entdeckt zu werden. Diese Entscheidung für ein Sandbox-Prinzip statt eines linearen Karriereverlaufs ist der zentrale Charakterzug des Spiels: Wer lieber gegen die Uhr rast, kann sich auf die Renn-Strecken konzentrieren, wer stattdessen kreative Linien durch Wälder und Hügel ziehen möchte, findet dafür ebenso viel Raum. Diese Offenheit erinnert stellenweise an Titel wie Descenders, wirkt in ihrer Weitläufigkeit aber noch konsequenter zu Ende gedacht.
Fahrphysik mit Anspruch
Wo viele Konkurrenztitel auf schnelle, arcadige Zugänglichkeit setzen, verlangt „Mavrix" seinen Spieler:innen deutlich mehr Auseinandersetzung mit der Steuerung ab. Das Dual-Stick-Schema – ein Stick lenkt, der andere verlagert das Körpergewicht des Fahrers – wird durch unabhängig voneinander bedienbare Vorder- und Hinterradbremsen ergänzt, was der Fortbewegung eine spürbare Schwere und Bedächtigkeit verleiht. Diese physikbasierte Herangehensweise an Balance, Grip und Sprungtechnik zahlt sich vor allem dann aus, wenn man sich die Zeit nimmt, das System zu verstehen: Wer sich darauf einlässt, wird mit einem Fahrgefühl belohnt, das tatsächlicher Mountainbike-Erfahrung erstaunlich nahekommt, auch wenn die Lernkurve zu Beginn spürbar steiler ausfällt als bei genretypischeren Titeln.
Gemeinsam auf dem Trail
Mit dem Sprung in die Vollversion hat „Mavrix" sein Multiplayer-Angebot spürbar ausgebaut. Neue Head-to-Head-Modi sollen laut Jones jene Energie echter Wettkämpfe ins Spiel bringen, während ein globales Ranking-System Ambitionierte dazu anspornt, sich mit anderen Fahrer:innen zu messen und dabei seltene Ausrüstung freizuschalten. Das kooperative „Ride Together"-Element, bei dem man gemeinsam mit Freund:innen versteckte Herausforderungen aufspürt und sich an großen Sprüngen versucht, unterstreicht zusätzlich, dass die geteilte Erfahrung im Zentrum des Konzepts steht – ein Trail wird hier ausdrücklich als soziales Erlebnis verstanden, nicht nur als Einzelleistung.
Technische Reifung nach dem Early Access
Die Early-Access-Phase war, wie bei vielen Titeln dieser Kategorie, von Kinderkrankheiten geprägt: eine mitunter recht leere Welt zwischen den Hauptstrecken, fehlende komfortable Schnellreisemöglichkeiten und gelegentliche Framerate-Einbrüche sorgten dafür, dass aus spannenden Abfahrten schon einmal zähe Wanderungen wurden. Mit dem Release auf PS5 hat Third Kind Games hier spürbar nachgebessert, auch wenn nicht jede Kante vollständig geglättet wurde – die Konsolenfassung profitiert dabei sichtbar von der einheitlicheren Hardware gegenüber den früheren PC-Testversionen. Grafisch spielt „Mavrix" nicht in der Liga fotorealistischer Sportsimulationen, punktet dafür aber mit einem klar lesbaren, weitläufigen Streckendesign, das die Orientierung in der offenen Welt erleichtert und dem Fahrgefühl visuell entgegenkommt.
Fazit
„Mavrix by Matt Jones" ist auf PS5 ein Mountainbike-Spiel mit spürbar ehrlicher Handschrift – ein Projekt, das erkennbar aus echter Begeisterung für den Sport entstanden ist und nicht aus dem Bedürfnis, einen weiteren generischen Funracer auf den Markt zu bringen. Die Kombination aus anspruchsvoller, physikbasierter Steuerung und einer großzügig bemessenen offenen Welt schafft ein Fahrgefühl, das seinesgleichen sucht, verlangt im Gegenzug aber auch Geduld und Bereitschaft, sich auf ein ungewohntes Eingabeschema einzulassen. Wer bereit ist, diese Lernkurve zu erklimmen, findet in „Mavrix" eine der authentischsten virtuellen Mountainbike-Erfahrungen der letzten Jahre – Fans des Genres sollten definitiv einen Blick riskieren.