WHISTLE – Die neue Blu-ray von Leonine
Wenn ein Pfeifton den Tod ruft
Mit WHISTLE bringt Regisseur Corin Hardy einen weiteren Beitrag zum in den letzten Jahren wieder aufblühenden Teen-Horror-Genre in die deutschen Wohnzimmer – nun in einer Blu-ray-Fassung von Leonine. Der Film bedient sich dabei eines Motivs, das dem Genre nicht unbekannt ist: ein verfluchtes Objekt, das seinen Besitzern den Tod bringt. Doch anders als vergleichbare Vorgänger, die sich mit Ouija-Brettern, Tarotkarten oder Wunschmünzen befassten, setzt WHISTLE auf eine Aztekische Totenpfeife als zentrales Schreckenselement – ein archäologisch tatsächlich existierendes Artefakt, dessen markerschütternder Klangcharakter dem Film seinen unverwechselbaren akustischen Schrecken verleiht.
Corin Hardy – Vom Horror-Independent zum Genre-Handwerker
Regisseur Corin Hardy hat sich innerhalb des Horrorgenres bereits einen festen Namen erarbeitet, bevor er sich WHISTLE widmete. Mit seinem Langfilmdebüt THE HALLOW gelang ihm 2015 ein von Kritikern gelobter, atmosphärisch dichter Folk-Horror-Beitrag, der ihm die Tür zu größeren Studioproduktionen öffnete. Den endgültigen Durchbruch schaffte er 2018 mit THE NUN, dem Spin-off des CONJURING-Universums, das weltweit zu einem der kommerziell erfolgreichsten Horrorfilme seiner Zeit avancierte. Mit WHISTLE kehrt Hardy nun zu kleineren, dafür spielerischeren Genre-Gefilden zurück und zeigt sich dabei erneut als versierter Handwerker, der die vertrauten Versatzstücke des Teen-Horrors bewusst und mit einem Augenzwinkern bedient, anstatt sie neu erfinden zu wollen.
Dafne Keen – Von Wolverines Gefährtin zur Horror-Heldin
In der Hauptrolle der Chrysanthemum, genannt Chrys, ist Dafne Keen zu sehen, die einem breiten Publikum vor allem durch ihre eindringliche Darstellung der jungen Laura in LOGAN – THE WOLVERINE bekannt wurde. Mit WHISTLE beweist Keen, dass sie auch abseits ihrer bekanntesten Rolle über die schauspielerische Präsenz verfügt, ein Genre-Werk zu tragen. Ihre Chrys, eine introvertierte, von familiären Verlusten gezeichnete Außenseiterin, bewegt sich dabei in einer erzählerischen Tradition, die Erinnerungen an ikonische Genre-Vorbilder weckt – von der morbiden Lydia Deetz bis hin zur zurückgezogenen Sarah aus THE CRAFT. Diese Rolle als emotionaler Ankerpunkt des Films verdankt der Film maßgeblich Keens Fähigkeit, Verletzlichkeit und aufkeimende Entschlossenheit glaubwürdig zu verbinden.
Sophie Nélisse und Sky Yang – Verstärkung aus Serienerfolgen
Verstärkt wird das Ensemble durch Sophie Nélisse, die zuletzt mit ihrer Rolle in der gefeierten Mystery-Serie YELLOWJACKETS internationale Aufmerksamkeit erregte, sowie durch Sky Yang, der einem breiteren Publikum durch seine Mitwirkung in Zack Snyders REBEL MOON bekannt sein dürfte. Yang übernimmt in WHISTLE die Rolle von Chrys' Cousin Rel, bei dem sie nach dem Verlust ihrer Familie unterkommt, und liefert damit einen der emotionalen Fixpunkte innerhalb der ansonsten von Versatzstücken des Genres geprägten Handlung. Nélisse wiederum reiht sich in ein Ensemble ein, das auch durch Percy Hynes White, bekannt aus der Netflix-Serie WEDNESDAY, sowie durch den britischen Komiker Nick Frost ergänzt wird, der als schrulliger Geschichtslehrer für einige der wenigen ironisch gebrochenen Momente des Films sorgt.
Handlung – Ein Fluch, der niemanden verschont
Im Zentrum von WHISTLE steht eine Gruppe von Highschool-Außenseitern, die durch einen tragischen Zwischenfall miteinander verbunden werden: Nachdem ein Basketball-Star während eines Spiels von mysteriösen Visionen heimgesucht wird und wenig später auf unerklärliche Weise stirbt, gelangt sein alter Spind Monate später in den Besitz der neu an die Schule gekommenen Chrys. Darin findet sie eine totenkopfförmige Pfeife, die sich als uraltes, verfluchtes Artefakt entpuppt. Wer den durchdringenden Klang der Pfeife erklingen lässt, ruft damit unwissentlich seinen eigenen, ihm vorherbestimmten Tod herbei, der fortan gnadenlos Jagd auf sein Opfer macht. Gemeinsam mit ihrem Cousin Rel und einer Gruppe weiterer Mitschüler muss Chrys herausfinden, wie sich der Fluch der Aztekischen Totenpfeife brechen lässt, bevor sie und ihre Freunde einer nach dem anderen dem unsichtbaren Sensenmann zum Opfer fallen.
Bild, Ton und Ausstattung der Blu-ray
Die Leonine-Veröffentlichung präsentiert WHISTLE in einer ansprechenden HD-Bildqualität, die den düsteren, oft in gedämpften Farbtönen gehaltenen Look des Films angemessen zur Geltung bringt. Insbesondere die zahlreichen, mit sichtlicher Lust am Exzess inszenierten Tod-Sequenzen profitieren von einer klaren, detailreichen Bildwiedergabe, die auch feine Schattierungen im dunklen Bildbereich nicht untergehen lässt. Tontechnisch liefert die Scheibe sowohl die deutsche Synchronfassung als auch den englischen Originalton, wodurch der markante, verstörende Klang der titelgebenden Totenpfeife in voller akustischer Wirkung zur Geltung kommt – ein Aspekt, der gerade bei einem Film, dessen zentrales Horrorelement primär akustischer Natur ist, besonderes Gewicht besitzt.
Fazit
WHISTLE reiht sich mit spürbarem Selbstbewusstsein in die lange Tradition des Teen-Horrors um verfluchte Objekte ein und punktet dabei weniger mit erzählerischer Originalität als mit einem gekonnten Spiel mit den Genre-Konventionen und einer sichtlichen Freude an blutigem Genre-Spektakel. Dafne Keen liefert als emotionaler Anker eine überzeugende Leistung, während Corin Hardy als routinierter Genre-Regisseur dafür sorgt, dass der Film trotz seiner vorhersehbaren Grundstruktur kurzweilig bleibt. Für Fans des Teen-Horrors, die sich an überdrehten Todessequenzen und einem wissenden Umgang mit den eigenen Klischees erfreuen können, bietet die Leonine-Blu-ray eine solide technische Heimkino-Präsentation dieses unterhaltsamen Genre-Beitrags.