The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered – Review (Nintendo Switch 2)
Ein zwanzig Jahre altes Versprechen erreicht endlich Nintendo
Es ist eine kuriose Randnotiz der Videospielgeschichte, dass ausgerechnet Oblivion, jenes 2006 erschienene Rollenspiel, das eine ganze Generation mit seiner offenen Welt und ihrer erzählerischen Ernsthaftigkeit prägte, erst jetzt seinen Weg auf eine Nintendo-Konsole findet. Während Skyrim längst in zahllosen Fassungen auch auf Nintendo-Hardware kursiert, blieb Cyrodiil den Fans des Herstellers bislang verwehrt. Mit dem Erscheinen von The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered auf der Switch 2 schließt sich dieser Kreis nun endlich, gut sechzehn Monate nach dem ursprünglichen Launch der Neuauflage auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S.
Zurück in den Kerkern der Kaiserstadt
Wer die Geschichte nicht kennt: Man erwacht als namenloser Gefangener in den Verliesen unter der Kaiserstadt, wird unfreiwillig Zeuge der Ermordung des Kaisers Uriel Septim und erhält von ihm mit letztem Atemzug den Auftrag, seinen unehelichen Erben zu finden, bevor die Pforten von Oblivion sich über ganz Tamriel öffnen. Was diese Prämisse bis heute trägt, ist der bemerkenswert ernsthafte Ton, den das Spiel gegenüber seiner eigenen Mythologie anschlägt, ohne dabei die Freiheit zu beschneiden, sich als Gildenhopper komplett von der Hauptquest zu lösen und stattdessen wochenlang Diebesgilde, Kämpfergilde, Magiergilde und die Dunkle Bruderschaft parallel zu bespielen. Genau diese Kombination aus theologischem Weltuntergangsszenario und beinahe schon comichaft freizügiger Erkundungsfreiheit ist es, die Oblivion von seinen Nachfolgern unterscheidet und ihm bis heute einen eigenen, unverwechselbaren Charakter verleiht.
Die Neuauflage rührt an der Substanz dieser Spielwelt nicht, sondern kleidet sie in ein technisch komplett neues Gewand. Unter der Haube läuft weiterhin die Gamebryo-Engine des Originals von 2006, verantwortlich für Physik, Kampfsystem, NPC-Tagesabläufe und das Nachladen der Weltzellen. Über diese Basis legt sich eine komplette visuelle Schicht auf Unreal Engine 5, mit Lumen-Beleuchtung, Nanite-Geometrie und DLSS-Upscaling. Das Ergebnis ist ein Spiel, das auf den ersten Blick kaum wiederzuerkennen ist, dessen Fundament aber zwei Jahrzehnte alt bleibt.
Wie sich Cyrodiil auf der Switch 2 anfühlt
Genau diese Doppelstruktur ist der entscheidende Faktor dafür, wie sich die Switch-2-Fassung im Alltag spielt. In Innenräumen, Dungeons und Städten hält das Spiel sein Ziel von 30 Bildern pro Sekunde sowohl im Docked- als auch im Handheld-Modus zuverlässig, wobei Letzterer mit einer nativen Auflösung von 900p und Ersterer mit 1080p arbeitet, beide per DLSS hochgerechnet. Sobald man sich jedoch in die offene Welt hinausbewegt, treten dieselben Ruckler und Aussetzer auf, die das Spiel bereits seit seinem ursprünglichen Launch auf allen anderen Plattformen begleiten. Der Grund dafür liegt tief im technischen Unterbau: Immer wenn eine Zellgrenze überschritten wird, löst die Gamebryo-Engine auf einem einzelnen CPU-Thread einen synchronen Ladevorgang aus, während gleichzeitig Nanite neue Geometriedaten streamt. Beide Systeme konkurrieren in diesem Moment um dieselben Prozessorressourcen, der Gamebryo-Thread stockt, und die Bildrate gerät ins Stottern. DLSS kann dieses Problem nicht lösen, da es sich um eine reine GPU-Technologie handelt, während der Engpass eindeutig auf der CPU-Seite liegt. Für Switch-2-Besitzer bedeutet das: Wer bereits mit den bekannten Traversierungsrucklern auf PS5 oder Xbox Series X/S gehadert hat, sollte keine Wunder erwarten, wenn Oblivion nun auf der schwächeren Hardware der Switch 2 läuft.
Immerhin hat Bethesda im Sommer angedeutet, dass die für den Switch-2-Port entwickelten Optimierungen möglicherweise auch auf PC und andere Konsolen zurückübertragen werden könnten, nachdem das Spiel dort seit Juli des vergangenen Jahres kein nennenswertes Update mehr erhalten hatte. Eine feste Zusage ist das nicht, aber immerhin das erste konkrete Lebenszeichen seit über einem Jahr.
Mausmodus und Bewegungssteuerung als echter Mehrwert
Positiv überrascht die Steuerung. Die Switch 2 bietet mit ihrem Mausmodus eine Eingabemöglichkeit, die auf keiner anderen Plattform in dieser Form existiert, inklusive separat einstellbarer Empfindlichkeit und speicherbarer Steuerungsprofile. Wer sich an das Zielen und Blocken mit einem an die Konsole angedockten Joy-Con als Maus gewöhnt, erhält damit tatsächlich eine der komfortabelsten Bedienmöglichkeiten, die Oblivion je zur Verfügung standen. Auch die Bewegungssteuerung, mit der sich etwa Zielbewegungen feinjustieren lassen, fügt sich überraschend organisch in den Spielfluss ein und wirkt nicht wie ein aufgesetztes Gimmick, wie es bei Konsolenportierungen oft der Fall ist.
Editionen, Umfang und die Frage des Moduls
Zum Launch stehen zwei Fassungen bereit: die digitale Standard Edition für 49,99 Euro sowie eine physische Deluxe Edition für 59,99 Euro. Beide enthalten neben dem Hauptspiel die Erweiterungen Shivering Isles und Knights of the Nine sowie sämtliche ursprünglichen Zusatzinhalte wie Fighter's Stronghold, Spell Tomes, Vile Lair, Mehrune's Razor, The Thieves Den, Wizard's Tower, The Orrery und das inzwischen legendäre Horse Armor Pack. Die Deluxe Edition legt zusätzlich kosmetische Rüstungs- und Waffensets im Design von Akatosh und Mehrunes Dagon obendrauf. Bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich: Nach anfänglicher Kritik an einer geplanten Code-in-the-Box-Lösung hat sich Bethesda dazu entschieden, das komplette Spiel tatsächlich auf dem physischen Modul unterzubringen, statt lediglich eine sogenannte Game-Key-Card mit einem bloßen Freischaltcode zu verkaufen. Für Sammler und alle, die Wert auf physische Vollständigkeit legen, ist das eine erfreuliche Entscheidung, die auf der Switch 2 keineswegs die Regel ist. Wer hingegen auf Cross-Buy zwischen den Plattformen oder auf eine Speicherstandsübertragung von PC oder anderen Konsolen hofft, wird enttäuscht: Beides wird nicht unterstützt, und auch eine Anbindung an ein Abonnementmodell existiert für die Switch-2-Fassung nicht.
Fazit
Oblivion Remastered auf der Switch 2 ist in erster Linie eine Frage der Prioritäten. Wer sich vor allem danach sehnt, ein zwanzig Jahre altes Rollenspiel-Meisterwerk endlich mobil, unterwegs in der Bahn oder auf dem Sofa neben dem laufenden Fernseher erleben zu können, bekommt hier eine überraschend solide und in Innenräumen makellos laufende Umsetzung mit einer der komfortabelsten Steuerungsoptionen, die das Spiel je hatte. Wer hingegen bereits auf anderen Plattformen unter den bekannten Rucklern in der offenen Welt gelitten hat, sollte wissen, dass dieses strukturelle Problem auch hier nicht verschwunden ist und tief im technischen Fundament des Spiels verwurzelt bleibt. Als erster echter Elder-Scrolls-Auftritt auf einer Nintendo-Konsole ist dieser Port dennoch ein historischer Moment, der die Reise durch Cyrodiil endlich auch dorthin trägt, wo sie zwei Jahrzehnte lang gefehlt hat.