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Punisher: Splatter-Ausgabe – Review


Mit der Splatter-Ausgabe bringt Panini die US-Serie Punisher: Red Band (2025) gesammelt nach Deutschland, und schon der Titel macht unmissverständlich klar, worauf sich Leserinnen und Leser hier einlassen. Frank Castle ist zurück im Marvel-Universum, und Bestsellerautor Benjamin Percy, der sich zuletzt mit seiner Arbeit an Wolverine einen Namen gemacht hat, nimmt sich gemeinsam mit Zeichentalent Julius Ohta, bekannt durch Venom: Erbe des Königs, keinerlei Zurückhaltung vor. Das Ergebnis ist einer der kompromisslosesten Punisher-Comics der letzten Jahre, konsequent für ein erwachsenes Publikum konzipiert und entsprechend erst ab achtzehn Jahren freigegeben.


Ein Erwachen ohne Erinnerung


Die Geschichte beginnt mit einem Bild, das sich sofort ins Gedächtnis brennt: Ein Mann kommt auf einem brennenden Schiff im New Yorker Hafen zu sich, umgeben von Leichen, Blut und Chaos, ohne die leiseste Erinnerung daran, wie er dorthin gelangt ist. Erst nach und nach wird klar, dass es sich um Frank Castle handelt, der offenbar gerade im Alleingang Drogen und Männer von Gangsterboss Tombstone aus dem Verkehr gezogen hat. Dieser Einstieg mit einem gedächtnislosen Punisher, der sein eigenes Vermächtnis Stück für Stück wieder zusammensetzen muss, verleiht der Serie einen ungewöhnlich mysteriösen Unterbau. Statt der gewohnten, geradlinigen Rachefeldzüge entsteht so eine Geschichte, die auch klassische Ermittlungselemente in sich trägt, denn Frank muss nicht nur seine Gegner ausschalten, sondern gleichzeitig herausfinden, wer ihn in diese Lage gebracht hat und warum.


Fisk zieht im Verborgenen die Fäden


Während sich Frank Castle durch die Unterwelt New Yorks kämpft, wird schnell deutlich, dass hinter den Kulissen eine deutlich größere Intelligenz am Werk ist. Kingpin Wilson Fisk taucht im Verlauf der Geschichte auf unerwartete Weise auf und entpuppt sich als der eigentliche Strippenzieher, der sein profundes Wissen über Frank Castles Vergangenheit gezielt gegen ihn einsetzt. Diese Konstellation, in der der Punisher nicht nur gegen Straßenkriminalität, sondern gegen einen Gegner kämpft, der ihn intellektuell und emotional zu manipulieren versteht, hebt die Splatter-Ausgabe deutlich über reine Gewaltexzess-Unterhaltung hinaus. Percy gelingt es, Fisk als kühl kalkulierenden Strategen zu zeichnen, dessen Bedrohung gerade daraus erwächst, dass er selten selbst die Hand erheben muss.


Extrabrutal und konsequent in Szene gesetzt


Julius Ohtas Zeichnungen tragen diese Geschichte mit einer Intensität, die dem Titel alle Ehre macht. Die Actionsequenzen sind roh, ungeschönt und mit einer geradezu physischen Wucht inszeniert, die dem Leser keine Verschnaufpausen gönnt. Gerade in den blutigsten Momenten, wenn Castle sich gnadenlos durch Tombstones Organisation arbeitet, entfaltet die Bildsprache eine fast schon dokumentarische Härte, die bewusst auf jede Stilisierung verzichtet, mit der man Gewalt in Superheldencomics sonst gerne kaschiert. Diese Direktheit ist es letztlich auch, die den Namen Red Band im amerikanischen Original rechtfertigt, ein Format, das ursprünglich eingeführt wurde, um besonders drastische Inhalte von den regulären, jugendfreundlicheren Heften abzugrenzen.


Fazit


Die Splatter-Ausgabe ist waschechter, kompromissloser Punisher-Stoff, der sich weder in der Erzählung noch in der zeichnerischen Umsetzung mit Samthandschuhen anfasst. Benjamin Percy nutzt den Gedächtnisverlust-Twist geschickt, um Frank Castles Mythos neu aufzurollen, während Julius Ohta mit brachialer Bildgewalt dafür sorgt, dass jede Konfrontation ihr volles Gewicht entfaltet. Dass sich im Hintergrund mit Wilson Fisk ein Gegenspieler formiert, der eher durch Kalkül als durch rohe Kraft bedroht, gibt der Geschichte zusätzliche Tiefe und macht neugierig auf eine mögliche Fortsetzung. Wer unverfälschten, erwachsenen Punisher-Stoff ohne Kompromisse sucht, wird hier bestens bedient.