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Deadpool: Tote Präsidenten

Deadpool: Tote Präsidenten


Ein Auftrag für die Sorte Mensch, die man hinterher glaubhaft verleugnen kann


Es gibt Prämissen, die derart absurd klingen, dass sie eigentlich nur bei Deadpool funktionieren können – und "Tote Präsidenten" gehört zweifellos in diese Kategorie. Die tote Präsidentenriege der Vereinigten Staaten, von George Washington bis Ronald Reagan, erhebt sich urplötzlich aus ihren Gräbern, und plötzlich steht das Marvel-Universum vor einem diplomatisch wie ethisch höchst diffizilen Problem. Wer schickt man auf eine Mission, bei der amerikanische Nationalikonen ein zweites Mal getötet werden müssen? Captain America jedenfalls fällt aus offensichtlichen Gründen als Kandidat aus – ein Patriot wie er, der ausgerechnet JFK ein zweites Mal ins Jenseits befördert, wäre ein PR-Desaster ohnegleichen. Genau hier setzt die geniale Grundidee des Bandes an: Für einen derart heiklen, im Nachhinein bestreitbaren Job braucht es jemanden mit zweifelhaftem Ruf, ausgeprägtem Killerinstinkt und der Chuzpe, sich hinterher glaubhaft aus der Verantwortung zu stehlen. Und dafür gibt es im Marvel-Kosmos exakt einen Kandidaten: den Söldner mit der großen Klappe höchstpersönlich.


Absurder Humor mit Methode


Hinter dieser bewusst over-the-top-Prämisse steckt das eingespielte Comedy-Autorenduo Gerry Duggan und Brian Posehn, das dem Titelhelden über die sechs enthaltenen Ausgaben der Deadpool-Serie von 2013 einen mit spitzer Zunge geführten, respektlosen Ton verpasst. Duggan und Posehn wissen genau, was einen guten Deadpool-Comic ausmacht: die perfekte Balance zwischen absurder Situationskomik, metafiktionalem Selbstbewusstsein und einer Prise echter Action, die trotz aller Albernheit nie ganz aus dem Blick gerät. Die Idee, wiedererweckte Präsidenten als Antagonisten zu inszenieren, bietet dabei reichlich Steilvorlagen für pointierte, historisch gefärbte Gags, ohne dass der Band jemals in reine Nummernrevue-Comedy abdriftet. Stattdessen bleibt eine, wenn auch schrullige, Handlung erkennbar, die den bizarren Ausgangspunkt konsequent zu Ende erzählt.


Tony Moores kraftvolle Bildsprache


Für die zeichnerische Umsetzung zeichnet sich Tony Moore verantwortlich, der Marvel-Fans nicht zuletzt durch seine Arbeit an Venom bekannt ist. Moore bringt einen dynamischen, mit viel Liebe zum grotesken Detail ausgestatteten Stil mit, der dem Wahnwitz der Handlung eine passende visuelle Entsprechung verleiht. Gerade die zombifizierten Präsidenten profitieren von seiner Fähigkeit, morbide Körperlichkeit mit comichafter Übertreibung zu verbinden, ohne dabei ins rein Abstoßende abzugleiten. Auch Deadpools charakteristische Mimik und die actionreichen Kampfszenen setzt Moore mit sichtbarem Vergnügen an der Absurdität des Stoffes um.


Fazit


"Tote Präsidenten" ist ein Deadpool-Band, der genau das liefert, was Fans des Söldners mit der großen Klappe erwarten dürfen: eine bewusst hanebüchene Prämisse, konsequent respektlosen Humor und eine gehörige Portion Selbstironie, gepaart mit soliden Action-Einlagen. Gerry Duggan und Brian Posehn beweisen einmal mehr ihr Gespür für den richtigen Ton, während Tony Moore der Geschichte mit seiner ausdrucksstarken Zeichenarbeit das nötige visuelle Fundament verleiht. Wer sich an respektlosem, historisch aufgeladenem Nonsens erfreuen kann, findet hier beste Unterhaltung im typischen Deadpool-Gewand.