Hollywood Ending – Woody Allens bissige Abrechnung mit der eigenen Branche
Wenn ein Regisseur wie Woody Allen sich daranmacht, die Traumfabrik Hollywood selbst aufs Korn zu nehmen, dann trifft eine der schärfsten Beobachtergaben des amerikanischen Films auf ein Milieu, das er seit Jahrzehnten von innen und außen kennt. „Hollywood Ending", nun erstmals auf Blu-ray bei One Gate Media erschienen – in der englischen Originalfassung mit englischen Untertiteln –, ist genau diese Art von Film: eine bissige, sternenbesetzte Satire, die sich mit spürbarem Vergnügen an der Eitelkeit, dem Größenwahn und den zwischenmenschlichen Verwicklungen der Filmindustrie abarbeitet.
Woody Allen zwischen Regie und Hauptrolle
Woody Allen, der sich in seiner langen Karriere immer wieder selbst als Protagonist seiner eigenen neurotischen Antihelden inszeniert hat, übernimmt hier sowohl die Regie als auch die Hauptrolle des Val Waxman und liefert damit eine jener Doppelfunktionen ab, die seinen Filmschaffen seit „Der Stadtneurotiker" so charakteristisch prägen. Seine Handschrift ist unverkennbar: schnelle, pointierte Dialoge, ein Gespür für die Absurdität sozialer Situationen und eine Zuneigung zu Figuren, die trotz – oder gerade wegen – ihrer Fehler und Neurosen liebenswert bleiben. Mit „Hollywood Ending" wendet Allen diesen Blick konsequent nach innen, auf die Branche, die ihn selbst hervorgebracht hat, und seziert mit spürbarer Kennerschaft die Mechanismen von Ruhm, Verfall und dem verzweifelten Wunsch nach einem Comeback.
Ein gefallener Star zwischen Ex-Frau und Erblindung
Die Geschichte um Val Waxman, einen einst gefeierten Starregisseur, der mittlerweile von der Regie großer Kinoproduktionen zur Inszenierung von Fernsehwerbespots abgestiegen ist, greift ein Motiv auf, das im Hollywood-Genre eine lange Tradition hat: den Absturz und die ersehnte Rückkehr ins Rampenlicht. Was diese Ausgangslage jedoch besonders pikant macht, ist die Herkunft des rettenden Angebots – es kommt ausgerechnet von Waxmans Ex-Frau Ellie, die inzwischen mit dem Chef eines großen Filmstudios liiert ist, jenem Mann, für den sie Waxman einst verlassen hatte. Diese Konstellation aus verletztem Stolz, ungelösten Gefühlen und beruflicher Abhängigkeit liefert reichlich Zündstoff für die Screwball-artige Situationskomik, die Allen so meisterhaft beherrscht. Als Waxman kurz vor Drehbeginn eine psychosomatische Blindheit erleidet und dennoch verzweifelt versucht, das Mammutprojekt zu retten, ohne dass sein Umfeld von seiner Behinderung erfährt, erreicht der Film seine komödiantische Zuspitzung: Die Absurdität, einen Blockbuster blind zu inszenieren, wird zur Metapher für die generelle Blindheit einer Branche, die mehr auf Schein als auf Sein setzt.
Ein Ensemble erfahrener Darsteller
An Woody Allens Seite versammelt sich ein Ensemble, das dem Film seine besondere Textur verleiht. Tea Leoni gibt der Rolle der Ellie jene Mischung aus Schuldbewusstsein, verbliebener Zuneigung und geschäftlichem Kalkül, die die komplizierte Beziehung zu ihrem Ex-Mann glaubwürdig trägt – eine Figur, die zwischen Loyalität zu ihrem neuen Partner und der Sorge um Waxman changiert. Treat Williams, bekannt für seine Wandlungsfähigkeit zwischen dramatischen und komödiantischen Rollen, verkörpert den Studiochef, jenen Mann, dessen geschäftliche Interessen und persönliche Geschichte mit Ellie und Waxman untrennbar verwoben sind. George Hamilton, der sich in seiner Karriere einen Namen als eleganter Charmeur der amerikanischen Filmlandschaft gemacht hat, bringt seine typische Weltgewandtheit in die Riege der Hollywood-Figuren ein, während Bob Dorian das Ensemble um eine Figur ergänzt, die dem Film zusätzliche Reibungsflächen im Hollywood-Mikrokosmos verschafft. Gemeinsam bilden diese Darsteller ein Geflecht aus Eitelkeiten, Interessen und Beziehungen, das die Branche, die Allen porträtiert, in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit lebendig werden lässt.
Eine Liebeserklärung mit spitzer Feder
Bei aller Schärfe, mit der Allen die Marotten und Eitelkeiten Hollywoods seziert, schwingt in „Hollywood Ending" auch eine gewisse Zuneigung zu dieser Welt mit. Der Film funktioniert nicht als zynische Abrechnung, sondern als liebevoll-bissige Betrachtung einer Branche, die Allen selbst über Jahrzehnte hinweg geprägt hat und von der er geprägt wurde. Diese Ambivalenz zwischen Kritik und Faszination verleiht dem Film seine besondere Note und hebt ihn über simple Branchen-Satire hinaus.
Die Blu-ray-Ausgabe von One Gate Media
Dass „Hollywood Ending" nun erstmals auf Blu-ray erhältlich ist, dürfte für Fans des Regisseurs und Sammler seines umfangreichen Œuvres eine erfreuliche Nachricht sein. Die Entscheidung, den Film in seiner englischen Originalfassung mit englischen Untertiteln zu präsentieren, kommt dabei besonders jenen Zuschauer*innen entgegen, die Wert auf die ungefilterte Wirkung von Allens pointierten, im englischen Original geschliffenen Dialogen legen – eine Sprachebene, die bei einer Synchronisation stets Gefahr läuft, an Nuancen zu verlieren.
Fazit
„Hollywood Ending" zeigt Woody Allen auf vertrautem, aber deshalb nicht weniger unterhaltsamem Terrain: als scharfsinnigen Beobachter menschlicher Schwächen, diesmal mitten im Herzen der Traumfabrik selbst. Getragen von einem Ensemble um Tea Leoni, Treat Williams, George Hamilton und Bob Dorian entfaltet der Film seine Situationskomik mit Präzision und einem spürbaren Augenzwinkern gegenüber einer Branche, die zwischen Größenwahn und Verletzlichkeit changiert. Die Blu-ray-Erstveröffentlichung bei One Gate Media ist damit ein willkommenes Angebot für alle, die Allens Werk um einen weiteren, bislang schwer zugänglichen Titel vervollständigen möchten.