Tenshi Nanka Ja Nai – Ich bin kein Engel 01 – Manga-Rezension
Mit „Tenshi Nanka Ja Nai – Ich bin kein Engel" schließt Panini Manga eine der letzten großen Lücken im deutschsprachigen Werk von Ai Yazawa. Nachdem die Kultautorin bereits mit Neuausgaben von „NANA", „Gokinjo Monogatari – Von Liebe, Mode und großen Träumen" und „Kagen no Tsuki – Im letzten Viertel des Mondes" für Furore gesorgt hat, bringt der Verlag nun im August 2026 auch ihr frühes Erfolgswerk erstmals auf Deutsch – und ermöglicht damit einen Blick auf die Anfänge einer Künstlerin, deren spätere Werke die Shojo-Manga-Landschaft nachhaltig geprägt haben.
Ai Yazawa und die Anfänge einer Ausnahmekünstlerin
Ai Yazawa, die ihren Künstlernamen dem Sänger Eikichi Yazawa entlehnte, dessen Fan sie ist, begann ihre Karriere als Mangaka bereits Mitte der 1980er-Jahre und spezialisierte sich früh auf Shojo-Manga für ein junges weibliches Publikum. Ihre Geschichten drehen sich seit jeher um junge, oft eigenwillige Frauen und deren komplizierte Beziehungen, während ihre Figuren stets mit einem ausgeprägten Gespür für Mode und Stil gezeichnet sind – kein Zufall, besuchte Yazawa doch selbst zeitweise eine Modeschule. „Tenshi Nanka Ja Nai" gilt dabei als ihre erste wirklich erfolgreiche Serie und erschien von September 1991 bis November 1994 im renommierten Ribon-Magazin des Shueisha-Verlags, bevor die acht Sammelbände im Jahr 2000 anlässlich des wachsenden Erfolgs von „NANA" in einer vierbändigen Kanzenban-Ausgabe mit komplett neu gestalteten Covern neu aufgelegt wurden. Genau diese kompakte Fassung bildet die Vorlage für die deutsche Veröffentlichung bei Panini.
Schülerrat, erste Liebe und die Suche nach sich selbst
Im Zentrum der Geschichte steht Midori Saejima, die frisch an der neu gegründeten Hijiri-Akademie eingeschrieben ist und von ihren Klassenkamerad*innen überredet wird, für den Schülerrat zu kandidieren. Zunächst wehrt sie sich noch gegen diese Idee, doch als sie erfährt, dass auch ihr aktueller Schwarm Akira Sudo kandidiert, ändert sie ihre Meinung schlagartig. Midori wird zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, Akira zum Vorsitzenden – und damit beginnt für beide eine aufregende gemeinsame Zeit, in der sich erste zarte Gefühle zwischen ihnen entwickeln, während Midori gleichzeitig lernt, mit vollem Einsatz sowohl ihren Schulalltag als auch ihre aufkeimende Liebe zu meistern. Bereits in diesem ersten Band zeigt sich, wie geschickt Yazawa das Wachsen einer jungen Freundesclique um den Schülerrat mit den ersten unsicheren Schritten in Sachen Liebe verwebt – ein Balanceakt, der später auch ihre bekannteren Werke auszeichnen sollte.
Der unverwechselbare Yazawa-Stil in seiner frühen Form
Wer Yazawas spätere Meisterwerke wie „NANA" oder „Paradise Kiss" kennt, wird in „Tenshi Nanka Ja Nai" bereits viele der stilistischen und thematischen Grundpfeiler wiedererkennen, die ihr Werk später so unverwechselbar machen sollten: die enge Verzahnung von Freundschaft und Romantik, die sorgfältige Ausarbeitung jugendlicher Selbstfindungsprozesse sowie ein ausgeprägtes Gespür für Mode und Ästhetik, das die Figuren selbst in ihrer Schuluniform stilvoll wirken lässt. Gleichzeitig merkt man dem Werk seinen frühen Entstehungszeitpunkt an – die Erzählweise ist noch unmittelbarer und weniger vielschichtig als in Yazawas späteren, deutlich komplexeren Serien, was dem Manga jedoch einen eigenen, unbeschwerten Charme verleiht, der gerade für Neueinsteiger*innen einen leichten Zugang bietet.
Eine Empfehlung für die gesamte Yazawa-Fangemeinde
Panini richtet sich mit dieser Veröffentlichung explizit an alle, die bereits Yazawas andere Werke wie „NANA", „Gokinjo Monogatari", „Paradise Kiss" oder „Kagen no Tsuki" ins Herz geschlossen haben. Für diese Leserschaft dürfte „Tenshi Nanka Ja Nai" ein besonderes Vergnügen sein, da sich hier die Wurzeln jener erzählerischen DNA erkennen lassen, die Yazawas spätere Erfolge so besonders gemacht hat. Gleichzeitig funktioniert der Manga aber auch eigenständig als klassische, warmherzige Schulromanze, die keine Vorkenntnisse der übrigen Werke voraussetzt.
Fazit
Mit „Tenshi Nanka Ja Nai – Ich bin kein Engel" schließt Panini eine der letzten großen Lücken im deutschsprachigen Yazawa-Kanon und macht ein bedeutendes Frühwerk der gefeierten Mangaka endlich einem breiteren Publikum zugänglich. Der erste Band überzeugt mit einer warmherzigen, unbeschwerten Coming-of-Age-Geschichte rund um Schülerrat, Freundschaft und erste Liebe, in der bereits viele Elemente angelegt sind, die Yazawas spätere Meisterwerke prägen sollten. Ein Pflichtkauf für alle Fans von „NANA" und Co. – und ein charmanter Einstiegspunkt für alle, die Yazawas Werk noch entdecken möchten.