Nextgengamersnet
Games, Movies and more
 
 
 


Das Beste von Taddeus Punkt und Struppi – DVD-Review


Es gibt Stimmen und Figuren aus dem DDR-Fernsehen, die weit über das Ende des Landes hinaus im kollektiven Gedächtnis geblieben sind. Neben Pittiplatsch, dem Sandmännchen selbst und Frau Elster gehört dazu auch der Schnellzeichner Taddeus Punkt mit seinem Hund Struppi – zwei Figuren, die untrennbar mit dem Namen Heinz Fülfe verbunden sind. One Gate Media bringt nun mit „Das Beste von Taddeus Punkt und Struppi" eine liebevoll zusammengestellte Auswahl der beliebten Abendgruß-Geschichten auf DVD, die weit mehr ist als bloße Nostalgie für ein ostdeutsches Publikum.


Der Mann hinter dem weißen Kittel


Wer die Figur des Taddeus Punkt verstehen will, muss zunächst einen Blick auf ihren Schöpfer werfen. Heinz Fülfe, geboren 1920 im sächsischen Freiberg, war zeitlebens ein Mann des Theaters und der Puppenspielkunst. Nach dem Krieg kehrte er als ausgebildeter Bühnenbildner an das Staatstheater Dresden zurück, bevor ihn sein Weg zum Volkstheater Pirna und schließlich in die Puppenbühne „Die Pirnaer" führte, die Wolfgang Hensel unmittelbar nach Kriegsende gegründet hatte. Dort kam Fülfe erstmals mit der Hundefigur Struppi in Berührung, die aus der Werkstatt von Elisabeth Grünwaldt und Friedel Kostors stammte. Gemeinsam mit seiner Frau Ingeburg zog er später auf die Festung Königstein, wo sich beide ein kleines Fernsehatelier einrichteten und über Jahrzehnte hinweg an die 900 Manuskripte für das DDR-Kinderfernsehen verfassten. Neben seiner Rolle als Taddeus Punkt lieh Fülfe auch der Figur der Frau Elster seine unverwechselbare Stimme und schuf mit seiner Frau die Puppengeschwister Flax und Krümel, die bereits ab 1955 im Fernsehen zu sehen waren. Am 11. Juni 1959 trat er zum ersten Mal als Taddeus Punkt im Abendgruß des Deutschen Fernsehfunks auf – ein Auftritt, dem in den folgenden Jahrzehnten mehr als vierhundert weitere folgen sollten, ehe die Reihe 1987 endete. Heinz Fülfe starb 1994 in Berlin, doch die Erinnerung an den Mann im weißen Kittel mit der schwarzen Baskenmütze ist bis heute besonders im Osten Deutschlands lebendig geblieben.


Zwischen Bleistift, Bauchrednerkunst und Wissensvermittlung


Das Konzept der Sendung war denkbar einfach und gerade deshalb so wirkungsvoll: Taddeus Punkt, stets in seinem charakteristischen weißen Kittel und mit der schwarzen Baskenmütze, setzte sich vor eine Staffelei und begann mit seinem großen Bleistift zu zeichnen, während er den Kindern vor dem Bildschirm Geschichten aus seiner Heimat erzählte. Der berühmte Kniff, dreimal auf die Zeichnung zu pusten, damit sie sichtbar wurde, gehörte ebenso zum festen Ritual wie die Gespräche mit seinem Hund Struppi, dem Fülfe als Bauchredner seine eigene, unverkennbare Stimme lieh. Die hier versammelten Episoden führen dabei kreuz und quer durch die deutsche Heimat und ihre Sehenswürdigkeiten: Von der Archenhold-Sternwarte über die Roßtrappe im Harz bis zu den Leuchttürmen an der Küste, von der Augustusburg über den Saurierpark in Kleinwelka bis hin zur Tropfsteinhöhle reicht das thematische Spektrum. Auch der Märchenbrunnen, das Meereskundemuseum, die Pfefferkuchenstadt Pulsnitz und ein Ausflug ins Friseurmuseum – zugleich die allerletzte, am 28. Oktober 1987 ausgestrahlte Folge der Reihe – finden sich auf der Scheibe. Zwischen 1983 und 1987 entstanden, dokumentieren die Episoden nicht nur den didaktischen Anspruch der Sendung, Kindern auf unterhaltsame Weise Wissen über ihre Heimat zu vermitteln, sondern auch den ruhigen, fast meditativen Erzählrhythmus, der Taddeus Punkt so unverwechselbar machte. Präsentiert wird die Zusammenstellung dabei – wie einst im Original – vom Sandmännchen selbst, das die Reisen von Taddeus Punkt und seinem Struppi einleitet.


Eine Auswahl mit Tiefgang


Bemerkenswert an der Zusammenstellung ist, dass sie sich nicht auf die bekanntesten oder spektakulärsten Folgen beschränkt, sondern auch eher unscheinbare Themen wie „Das Kaninchen" oder „Der größte Knochen von Berlin" aufnimmt und damit die ganze Bandbreite dessen zeigt, wofür Taddeus Punkt stand: die liebevolle, leise Vermittlung von Wissen, verpackt in eine warme, vertraute Erzählstimme. Wer mit der Sendung aufgewachsen ist, wird beim Wiedersehen unweigerlich an das eigene Kinderzimmer und die Abende vor dem Fernseher erinnert – ein Effekt, den One Gate Media mit dieser Auswahl gezielt bedient.


Bild und Ton


Angesichts des Alters des Ausgangsmaterials, das größtenteils aus den 1980er-Jahren stammt und ursprünglich für das analoge DDR-Fernsehen produziert wurde, darf man keine restaurierte Bildpracht erwarten. Die Aufnahmen tragen sichtbar die Patina ihrer Entstehungszeit, was dem nostalgischen Charakter der Zusammenstellung jedoch eher zuträglich als abträglich ist. Ton und Bild wurden im Rahmen des technisch Machbaren aufbereitet, ohne dass hier eine aufwendige digitale Restaurierung stattgefunden hätte – für eine Sammlung dieser Art ist das jedoch auch nicht die Erwartungshaltung, die man mitbringen sollte.


Verpackung und Bonusmaterial


One Gate Media verzichtet bei dieser Veröffentlichung auf großen Aufwand bei der Ausstattung und konzentriert sich stattdessen ganz auf den Inhalt selbst: die vierzehn Episoden aus dem Leben von Taddeus Punkt und Struppi, die in ihrer Gesamtheit ein kleines, aber feines Zeitdokument des DDR-Kinderfernsehens ergeben. Zusätzliches Bonusmaterial jenseits der Episodenauswahl selbst ist nicht Teil der Veröffentlichung, was angesichts des überschaubaren Umfangs dieser Art von Sammler-DVDs jedoch keine große Überraschung darstellt.


Fazit


„Das Beste von Taddeus Punkt und Struppi" ist in erster Linie ein Herzensprojekt für alle, die mit dem Schnellzeichner im weißen Kittel groß geworden sind, und ein spätes, verdientes Denkmal für Heinz Fülfe, einen der prägendsten und zugleich stillsten Stars des DDR-Kinderfernsehens. Die Auswahl der vierzehn Episoden ist liebevoll getroffen und deckt die thematische Bandbreite der Sendung gut ab. Wer keine emotionale Bindung an die Figur hat, wird mit dem gemächlichen Erzähltempo und der schlichten Bildsprache heute vermutlich wenig anfangen können – für alle anderen ist diese DVD jedoch ein kleines, warmes Stück Kindheitserinnerung.