OBAKEIDORO 2: Chase & Seek (Nintendo Switch 2) – Verstecken, rennen, jubeln
Mit "OBAKEIDORO 2: Chase & Seek" bringt das japanische Studio Free Style die Fortsetzung seines 2019er-Originals nun auch weltweit auf die Nintendo Switch und Switch 2. Ursprünglich bereits im Oktober 2025 in Japan erschienen, folgte am 6. August 2026 der globale Release inklusive physischer Fassung. Wie schon der Vorgänger setzt das Spiel auf ein denkbar simples, aber altbewährtes Prinzip: klassisches Verstecken und Fangen, verpackt in ein liebevoll gruseliges, altjapanisch anmutendes Setting.
Die Prämisse
Im Zentrum steht ein asymmetrisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Team Mensch und Team Monster. In Runden von nur drei Minuten müssen sich bis zu sechs menschliche Spielerinnen und Spieler vor ein bis zwei Monstern verstecken. Werden alle Menschen gefangen und ins Gefängnis gesperrt, gewinnen die Monster; entkommt auch nur eine einzige Person bis zum Ablauf der Zeit, siegt das Team Mensch. Insgesamt können bis zu acht Spielende gleichzeitig antreten, online wie offline. Neu gegenüber dem Original ist unter anderem die Aktion "Ruf", mit der sich Menschen gegenseitig zu Rate ziehen und kooperative Manöver wie gemeinsame Sprünge oder Rettungsaktionen einleiten können.
Spielgefühl und Rollenverteilung
Die beiden Seiten spielen sich angenehm unterschiedlich. Als Mensch dreht sich alles um Sichtlinienmanagement, das geschickte Ausweichen durch enge, dunkel gehaltene Gassen und den richtigen Moment, um die titelgebende Laterne zu zünden und ein nahendes Monster kurz zu betäuben. Wer gefangen wird, landet im Gefängnis, kann von Verbündeten aber wieder befreit werden – was allerdings auch riskant sein kann, wenn ein Monster die Zelle bewusst belagert und so aus einer Rettungsaktion eine Falle macht. Als Monster wiederum genießt man eine regelrechte Machtfantasie: Wände durchqueren, Fußspuren aufspüren und mit kraftvollen Fangaktionen zuschlagen, jeweils abhängig vom gewählten Monstertyp mit seinen eigenen Fähigkeiten. Dieses Wechselspiel aus Anspannung auf der einen und offensiver Kontrolle auf der anderen Seite ist es, was die kurzen Runden so mitreißend macht und schnell zu weiteren Durchgängen einlädt.
Umfang und Modi
Bemerkenswert ist der Umfang an Spielmodi, den Free Style seinem eigentlich sehr reduzierten Konzept mitgegeben hat. Neben dem klassischen Schnellspiel mit stündlich wechselnden Karten und dem Beitritt zu Freundesrunden gibt es private Raum-Matches, einen ausgewachsenen Einzelspielermodus zum Sammeln von Münzen sowie lokale Party- und Splitscreen-Varianten für bis zu acht beziehungsweise vier Spielende an einer Konsole. Über einen Custom-Rules-Modus lassen sich zudem das Verhältnis von Monstern zu Menschen, das Zeitlimit und weitere Parameter frei anpassen. Auf der Switch 2 profitieren zwei Personen ohne eigenes Spiel zusätzlich von der Game-Share-Funktion. Internationale Testberichte loben diese Bandbreite grundsätzlich, weisen aber auch darauf hin, dass insbesondere der Solomodus konzeptionelle Schwächen offenbart: Die gegnerische KI verhält sich mitunter merkwürdig inkonsequent, wodurch weder das Verstecken noch das Jagen gegen Computergegner an die Spannung menschlicher Gegenspieler heranreicht. Wer bereits umfangreichere asymmetrische Mehrspielertitel wie Dead by Daylight kennt, wird zudem schnell an die inhaltlichen Grenzen des eher schlanken Gesamtpakets stoßen.
Präsentation
Optisch setzt Obakeidoro 2 konsequent auf seinen charmant-gruseligen Chibi-Look, der klassische japanische Yokai-Motive mit niedlichem Charakterdesign verbindet – eine Ästhetik, die bereits beim Vorgänger gut ankam und hier durch das neu gewählte, historisch angehauchte japanische Setting zusätzlich an atmosphärischer Stimmigkeit gewinnt. Die Steuerung gilt durchweg als zugänglich und einsteigerfreundlich, was dem Spiel eine breite Zielgruppe erschließt, von Familienrunden bis zu Streamer-Sessions mit Freunden. Auch auf der performance-technischen Seite gibt es wenig zu beanstanden, selbst im Vier-Spieler-Splitscreen soll die Bildrate stabil bleiben.
Fazit
OBAKEIDORO 2: Chase & Seek ist kein Spiel, das durch mechanische Tiefe oder inhaltliche Fülle beeindrucken will, sondern durch das pure, unverfälschte Vergnügen eines gut inszenierten Verstecken-und-Fangen-Spiels. Im Mehrspielerbetrieb mit echten Menschen entfaltet der Titel seinen größten Reiz, während der Soloeinstieg durch eine wenig überzeugende KI spürbar schwächelt. Wer auf der Suche nach einem kurzweiligen, hübsch gestalteten Partyspiel für gesellige Runden ist, das sich besonders zur Halloweenzeit anbietet, findet hier einen sympathischen, wenn auch nicht ganz makellosen Zeitvertreib.